Geplanter Fernwärmetrassenbau Beirat fordert mehr Nachpflanzungen vor Ort

Horn-Leher Ortspolitiker kritisieren in ihrer Stellungnahme den mangelnden Ausgleich für massive Eingriffe in Biotope
25.01.2021, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Maren Brandstätter

Der Beirat Horn-Lehe hat im Rahmen des Planfeststellungsverfahren eine Stellungnahme zum Bau der SWB-Fernwärmetrasse abgegeben. Darin kritisiert er unter anderem die damit einhergehenden optischen Einschnitte im Stadtbild – sowohl in Horn-Lehe als auch in Schwachhausen und Vahr. Der Bau der Fernwärmeleitung bringe zahlreiche Baumfällungen mit sich, die nicht im direkten Umfeld der Verbindungsleitung nachgepflanzt werden können, heißt es in der einstimmig verabschiedeten Stellungnahme. Davon betroffene wichtige Grünverbindungen seien der Kuhgrabenweg und die Lise-Meitner-Straße, aber auch die H.-H.-Meier- und die Richard-Boljahn-Allee, deren alleentypisches Straßenbild durch massive Baumfällungen zerstört würde.

Der geplante Ausgleich für die gefällten Bäume bleibe in den betroffenen Stadtteilen gegenüber der Eingriffsschwere weit zurück, kritisiert der Beirat. Während vorgesehen sei, 198 Bäume neu zu pflanzen, um die Baumverluste auszugleichen, seien lediglich 60 Nachpflanzungen direkt in den betroffenen Stadtteilen vorgesehen, also weniger als ein Drittel. Obgleich viele der von den Beiräten vorgeschlagenen Ausgleichsstandorte nach Fachprüfung abgelehnt worden seien, entlasse dies den Vorhabenträger und die Planer nicht aus der Pflicht, vorrangig nahe am Eingriffsort für Ausgleich zu sorgen, bevor man Ersatzmaßnahmen in anderen Stadtteilen plane, betont der Beirat. Als Ersatzmaßnahme sei aktuell eine neue Rundwegeverbindung „In den Wischen“ in Gröpelingen geplant, wo als Ersatz 138 Laub-und Obstbäume wegbegleitend gepflanzt werden sollen. Das sei an sich eine begrüßenswerte Planung aus dem Stadtentwicklungskonzept „Grüner Bremer Westen“ – allerdings dürfe diese Planung aus Beiratssicht nicht als Ersatzmaßnahme für das SWB-Vorhaben eingesetzt werden. Zunächst seien mögliche Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in den betroffenen Stadtteilen zu prüfen und umzusetzen, da es hier und nicht im Bremer Westen zu Beeinträchtigungen komme.

Das Stadtteilparlament äußert erhebliche Zweifel daran, dass die meisten der vom Beirat vorgeschlagenen Ausgleichsbaumstandorte in Horn-Lehe ungeeignet seien. Fragwürdig erscheine ihm dabei insbesondere das große, zugrunde gelegte Baumscheibenmaß und der Verweis auf die Zuständigkeit des Bremer Umweltbetriebs. Es sei lediglich von der Planung großkroniger Hochstammbäume ausgegangen worden und nicht von alternativen einheimischen Arten mit geringeren Platz- und Lichtansprüchen. Aus demselben Grund würden auch ehemalige Baumstandorte vom UBB häufig nicht mehr neu bepflanzt. Diese Entwicklung führe insbesondere bei den Baumbeständen im Straßenraum zu Grünverlusten, moniert der Beirat. Er erwarte diesbezüglich Lösungen und eine bessere Zusammenarbeit zwischen dem Vorhabenträger, UBB und der Stadtverwaltung. Außerdem fordert er, die Vorschlagsliste des Beirats zu Ausgleichsstandorten noch einmal intensiv zu prüfen.

Für bedenklich hält das Stadtteilparlament auch die anlagen- und baubedingten Zerstörungen von Biotopen. Hervorzuheben sei der massive Eingriff auf dem Gelände des Vereins Kinder, Wald und Wiese, wo es im Zuge der Baumaßnahmen zu Biotopverlusten komme. Es sei daher zwingend erforderlich, die vielfältige Biotopstruktur vor Ort wiederherzustellen und außerdem sämtliche Bauspuren unmittelbar nach Abschluss der Arbeiten zu beseitigen.

Wenngleich nachvollziehbar sei, dass es keine Baumneupflanzungen auf oder unmittelbar an der Trasse geben solle, dürfe es aus Beiratssicht keinesfalls zu neu versiegelten Flächen kommen. Sofern durch die Trasse nicht ohnehin versiegelte Verkehrsflächen betroffen seien, müssten sie unversiegelt bleiben. Der Beirat erwarte zudem, dass auf und an der Trasse geeignete Pflanzen angesiedelt werden, wie etwa einheimische Sträucher und Insekten fördernde Blühstreifen.

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