Aktionsprogramm Bremer Senat beschließt Projekte zur Belebung der Innenstadt

Insgesamt 13,2 Millionen Euro sollen in Projekte investiert werden, die die Bremer Innenstadt beleben. Hierbei soll die Aufenthaltsqualität, Erreichbarkeit und die Nutzungsvielfalt verbessert werden.
23.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Bremer Senat beschließt Projekte zur Belebung der Innenstadt
Von Jürgen Hinrichs

Das Aktionsprogramm zur Belebung der Bremer Innenstadt ist fertig. Am Dienstag wird der Senat die einzelnen Punkte beschließen. Die Kosten belaufen sich auf 13,2 Millionen Euro und sind damit höher als ursprünglich geplant. Beim Innenstadt-Gipfel vor knapp sechs Wochen waren zehn Millionen Euro angekündigt worden. Das Geld fließt für einen Reigen von Projekten, die drei wesentliche Ziele verfolgen: Aufenthaltsqualität erhöhen. Nutzungsvielfalt steigern. Erreichbarkeit verbessern. Die Planung soll sofort beginnen, einige Maßnahmen sind bereits für dieses Jahr angesetzt.

In dem 51-seitigen Programm, das dem WESER-KURIER vorliegt, wird erstmals eine Arbeitsgemeinschaft Innenstadt erwähnt. Sie arbeitet ressortübergreifend und überwacht die Umsetzung der einzelnen Projekte. Damit kommt der Senat einer Forderung nach, die seit Jahren unter anderen von der Kaufmannschaft und dem Beirat Mitte erhoben wird. Hintergrund ist, dass es in der Vergangenheit wiederholt zu Reibereien und Abstimmungsproblemen insbesondere zwischen den Ressorts Wirtschaft und Bau gekommen ist. Dieses Konfliktpotenzial wurde jetzt zumindest dem Ansatz nach beseitigt.

Finanzierung aus Mitteln des Bremen-Fonds

Finanziert wird das Aktionsprogramm aus Mitteln des 1,2 Milliarden Euro schweren Bremen-Fonds zur Bewältigung der Folgen der Corona-Pandemie. In den 13,2 Millionen Euro ist auch das Geld für zusätzliches Personal enthalten, das befristet eingestellt wird, um die zusätzliche Arbeit zu schaffen. Neben den drei Schwerpunkten, die inhaltlich gesetzt wurden, liegt das Augenmerk auch auf Marketing und Kommunikation, der Unterstützung des Handels bei der Digitalisierung und dem Dialog mit der Immobilienwirtschaft.

Der Senat befürchtet für die Innenstadt in den kommenden Jahren massive Leerstände, wie es in der Beschlussvorlage für die Sitzung am Dienstag heißt. Die Corona-Krise stelle eine Zäsur dar, mit der aktuellen Folge von Stundungen und Mietausfällen. Mittelfristig könne es durch eine verringerte Mieternachfrage zu Mietpreisänderungen und kürzeren Vertragslaufzeiten kommen. Zusammen mit der Immobilienwirtschaft wolle die Regierung jetzt den Markt erkunden, um sich auf die neue Situation einzustellen.

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Aufenthaltsqualität erhöhen

Die Innenstadt soll schöner werden, belebter sein und zum Verweilen einladen, ohne dabei etwas konsumieren zu müssen. Schaffen will der Senat das mit zusätzlichen Sitzmöglichkeiten und mehr Grün. Geplant sind außerdem kleine Verweilzonen und Dekorationen auch außerhalb der Adventszeit.


Ein starker Fokus liegt auf dem Domshof, dem zentralen und größten Platz in der Innenstadt. Er bekommt auf der oberen Seite ein Bauwerk, das irgendwann wieder abgebaut werden kann. Kosten: 500.000 Euro. Das Konzept lehnt sich an das an, was es an der Stelle mit kleineren Formaten für Musik und Theater heute schon gibt.

Geplant ist ferner eine Großbildleinwand, auf der Konzerte gespielt und Kinofilme gezeigt werden. Der Wochenmarkt an gleicher Stelle soll deutlich aufgewertet werden, insbesondere mit Bioprodukten aus der Region, aber auch mit einem „Food Court“.

Weitere Stichworte sind ein neues Beleuchtungskonzept für die Innenstadt, freies WLAN, diverse Veranstaltungen, die sonst in den Messehallen stattfinden würden, eine Sauberkeitsoffensive und zusätzliche öffentliche Toiletten.

Nutzungsvielfalt steigern

Die Innenstadt soll einen anderen Mix bieten als bisher. Schaffen will der Senat das unter anderem mit einem Kulturprogramm, das bereits im Herbst beginnen soll. Für den Betrag von 1,15 Millionen Euro wird es bis Ende kommenden Jahres Darbietungen zum Beispiel aus den Bereichen Straßenkunst, Theater, Musik, Film und bildende Kunst geben.

Ausdrückliche Erwähnung findet der Nebeneffekt, dass Kulturschaffende, die besonders stark von Corona betroffen sind, auf diesem Weg Auftrittsmöglichkeiten bekommen. Das eine mit dem anderen erledigen – so ist es auch im Umgang mit den Leerständen geplant.

Die Schaufenster füllen sich wieder, wenn es Anbieter mit frischen Ideen gibt, die keine horrenden Mieten zahlen müssen. Das jedenfalls ist die Hoffnung, wenn der Senat für insgesamt mehr als zwei Millionen Euro Läden anmietet und sie in Wettbewerbsverfahren für vier Jahre an Interessenten aus den Bereichen Gastronomie, Produktion, Kultur, Dienstleistung und Einzelhandel vergibt. Letzter Punkt sind die Wallanlagen, sie bekommen an zwei Standorten Gastronomie, einer davon ist der Theaterberg.

Erreichbarkeit verbessern

Die Innenstadt soll für alle Verkehrsteilnehmer gut erreichbar bleiben, gleichzeitig aber weniger Durchgangsverkehr aufnehmen. Schaffen will der Senat das unter anderem mit einer Umgestaltung der Martinistraße, die künftig als eine Art Brücke zwischen Obernstraße und Schlachte funktionieren soll.

Heute sei die vierspurige Straße vorrangig ein Durchgangsort, heißt es im Aktionsprogramm. Ab Ostern kommenden Jahres soll das anders werden. Ziel sei, einen Erlebnisort zu entwickeln. Als Stichworte werden Food Trucks, Spiel- und Sportgeräte, Veranstaltungen, Street Art und Urban Gardening genannt. Von dauerhaften zusätzlichen Verkehrsinseln oder dem Rückbau von Fahrbahnen ist nicht die Rede. Der Senat gibt der Martinistraße in seinem Programm einen besonderen Rang: „Die temporäre Umgestaltung ist die Schlüsselmaßnahme, um neue Zielgruppen in die Innenstadt zu ziehen.“

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