Illegales Parken in den Stadtteilen

Bündnis will mehr kostenpflichtigen Parkraum in Bremen

Das Bremer Bündnis für die Verkehrswende will eine Neustrukturierung des Parkens erreichen. Dafür soll an einem Fachtag und am "Parking Day" der öffentliche Raum symbolisch zurückerobert werden.
20.08.2018, 06:30
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Elke Hoesmann

Gemütlich an der Parkuhr sitzen, Kaffee trinken und plaudern auf dem Parkplatz. Wohnzimmerlampe und Blumentopf statt Chrom und Blech. Am "Parking Day" am 21. September wird öffentlicher Raum symbolisch zurückerobert. Mit dabei: das Bremer Bündnis für eine ökologische Verkehrswende. "Für zwei Stunden besetzen und möblieren wir Stellplätze, zahlen die Parktickets und sprechen mit Passanten", sagt Wolfgang Köhler-Naumann vom Bündnis, zu dem vier Bremer Vereinigungen gehören. Alle vier Verbände möchten die Folgen des privaten Autoverkehrs eindämmen und mehr Platz für Bürger schaffen. Dazu trägt aus ihrer Sicht weniger und kostenpflichtiger Parkraum entscheidend bei. Aber zunächst müsse gegen illegales Parken vorgegangen werden.

Mit ihren Ideen ecken sie an, die Vertreter vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), des Fachverbands Fußverkehr und des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). So entbrannte eine hitzige Debatte, als das Bündnis zu Jahresbeginn sein Konzept zur Parkraumbewirtschaftung vorstellte. Mit dem Begriff ist gemeint, dass jeder Autofahrer, der im öffentlichen Raum parkt, dafür zahlen muss. Handelskammer und ADAC gingen gleich auf Distanz. Bei Verkehrsexperten in Bremer Parteien und Ämtern sei man jedoch auf "erstaunlich offene Ohren" gestoßen, sagt Köhler-Naumann. Allerdings schrecke man dort vor Maßnahmen zurück, die als unpopulär gelten.

Nun will das Bündnis verstärkt um Akzeptanz werben, auch mit erfolgreichen Beispielen aus anderen Städten. So lädt es zu einem Fachtag mit Verkehrsexperten am 23. Oktober ein. "Die Stadt steht voller Blech, und darunter leidet die Aufenthaltsqualität massiv", heißt es in der Ankündigung. Eine "Neustrukturierung des Parkens" sei in Bremen überfällig. Die Vorträge in der Stadtbibliothek richten sich an alle Interessierten.

Lesen Sie auch

"Wir müssen dicke Bretter bohren", weiß Georg Wietschorke vom BUND. Andererseits habe man bei Gesprächen mit Ortsamtsleitern erfahren, wie sehr und wie lange schon ihnen das Thema Parken auf den Nägeln brennt. Dass Berufspendler und Anwohner die Straßen in innenstadtnahen Bereichen zuparken, dabei eventuell andere Verkehrsteilnehmer gefährden und noch nicht mal zur Kasse gebeten werden, sei ein großes Ärgernis. Parkraum müsse strenger überwacht werden, fordert er. Deutlich mehr Kontrolleure seien nötig, die bei illegalem Parken auch konsequent einschreiten.

Als zweiter Schritt sollten Gebühren fürs Parken auf allen öffentlichen Flächen her, fordert Köhler-Naumann. Und zwar schrittweise, zunächst in besonders belasteten Bezirken wie Findorff, vorderes Schwachhausen, Viertel oder die Neustadt. Anwohner sollten bevorzugt parken, dafür aber mehr zahlen als bislang. 30 Euro im Jahr seien zu billig. "Damit wird man dem Wert des öffentlichen Raums nicht gerecht." Die Einnahmen solle die Stadt in den Ausbau ihres Mobilitätsangebots stecken.

Lesen Sie auch

Der Preis für ein Parkticket könne sich an den Kosten im ÖPNV orientieren, damit dieser attraktiver werde. Parken im öffentlichen Raum solle teurer sein als das Parken im Parkhaus, schlägt das Bündnis vor. Besonders umstritten ist der Vorschlag, Bremens Parkraum schrittweise zu verknappen. Der ADAC sprach schon von "Drangsalierung der Autofahrer", die Handelskammer von Zwangsmaßnahmen. Geht es nach dem Bündnis, sollte die Stadt den Parkraum peu à peu verringern, indem sie dort Rad-Abstellplätze einrichtet, Sitzbänke aufstellt, Beete anlegt oder bessere Wege für Fuß- und Radverkehr schafft.

Das Ziel aller dieser Vorschläge formuliert Wietschorke so: "Es muss unattraktiv werden, für jeden Einkauf reflexartig ins Auto zu steigen." Nach seinen Angaben werden in Bremen jeden Tag acht Millionen Kilometer mit dem Auto gefahren, davon 3,5 Millionen Kilometer zu Freizeitzwecken. "Und ein Kilometer Autofahrt bedeutet ungefähr 140 Gramm Kohlendioxid. Jeder gesparte Kilometer dient also dem Klimaschutz." Aber müssen es denn so rigide Maßnahmen sein? Sollte man nicht eher auf Attraktivitätssteigerung etwa des ÖPNV setzen, also zum Beispiel günstige Bahntickets für Pendler anbieten? Dies sei zwar wichtig, sagt Köhler-Naumann, reiche aber nicht aus. Auch der Deutsche Städtetag wünsche sich inzwischen regulative Maßnahmen zur Lösung des Verkehrsproblems.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+