Verkaufsstart für Selbsttest

Corona-Tests bei Aldi sofort ausverkauft

Bei Aldi waren die Corona-Selbsttests binnen Minuten ausverkauft. Viele Kunden, die vor sieben Uhr in der Schlange standen, kamen nicht zum Zuge und waren enttäuscht. Der Test ist einfach zu handhaben.
07.03.2021, 08:16
Lesedauer: 4 Min
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Corona-Tests bei Aldi sofort ausverkauft
Von Jürgen Hinrichs
Corona-Tests bei Aldi sofort ausverkauft

Schnell ausverkauft: Die Corona-Selbsttests bei Aldi waren rasch vergriffen.

Christian Kosak

Fünf Minuten, und sie waren weg. Länger hat es in einer Filiale von Aldi in Bremen-Hastedt am Sonnabendmorgen nicht gedauert, bis es keine Corona-Selbsttests mehr gab. Enttäuschte Gesichter bei den Kunden, die sehr früh, aber trotzdem zu spät gekommen waren.

Corona-Selbsttests bei Aldi: Kurz nach Ladenöffnung schon ausverkauft

Kurz vor sieben Uhr, die Sonne geht gerade auf. Vor der Aldi-Filiale hat sich eine lange Schlange gebildet. Ausnahmslos alle sind wegen der Selbsttests gekommen. „Ich feiere morgen mit meinen drei erwachsenen Kindern Geburtstag, da war die Ansage klar: ,Papa, du brauchst vorher einen Corona-­Test‘“, erzählt Uwe Rahenbrock. Der 62-Jährige steht ganz vorne in der Schlange, er ist auch der Erste an der Kasse, wo die Tests von den Verkäufern ausgegeben werden. Fünf Stück für 24,99 Euro. „Stimmt so“, sagt Rahenbrock, als er mit 25 Euro bezahlt. Ein paar Kunden, die hinter ihm dran sind, kommen auch noch zum Zuge, aber dann ist die Sonderaktion des Discounters auch schon vorbei.

„Und deswegen bin ich so früh aufgestanden“, stöhnt eine Frau, die bereits vor der Filiale erfährt, dass es keinen Sinn mehr hat, sich um die Tests zu bemühen. „Unglaublich!“, schimpfen die Menschen, „erst so ein Getöse, die ganze Werbung, und dann so etwas.“

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Was in Bremen-Hastedt passiert, passiert auch im Umland, passiert auch bundesweit. Zum Beispiel vor der Aldi-Filiale an der Bahnhofstraße in Osterholz-Scharmbeck: Auch dort warten einige Kunden schon eine Viertelstunde vor Ladenöffnung auf den Verkaufsstart. „Was Vater Staat nicht schafft, das regelt Feinkost Albrecht für uns“, spottet Walter Weiße in Anspielung auf noch nicht eingelöste Schnelltest-Versprechen des Bundesgesundheitsministers. Weiße hat sich mit seinem Einkaufswagen bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt als erster vor der Ladentür postiert. Punkt sieben Uhr wird geöffnet, und die kleine Warteschlange steuert zügig, aber ohne Gedrängel geradewegs zur Kassenzone. Dort geht binnen weniger Minuten ein rundes Dutzend Fünfer-Packungen über den Scanner. Wer um sieben Uhr da ist, bekommt eins ab, aber schon vor 7.10 Uhr ist alles ausverkauft.

Aldi: Neue Selbsttest schon ab Montag?

„Natürlich viel zu wenig, aber dafür hat heute jeder Verständnis, glaube ich“, sagt Regionalverkaufsleiter Marcus Bents, der für fünf Filialen im Umkreis zuständig ist. Im Laufe des Montags, vielleicht schon ab sieben Uhr, werde es Nachschub in den Filialen geben, und dann auch in größeren Mengen, so Bents. Der Discounter habe unbedingt vor der Konkurrenz am Markt sein wollen, die in dieser Woche nun nachziehen will. Er sei natürlich sehr froh, dass der Kraftakt geglückt sei, sagte der Betriebswirt. Die Sonnabend-Aktion solle bei der Eindämmung der Pandemie auch „ein Zeichen setzen, dass es vorangeht“.

Aldi hatte frühzeitig gewarnt, dass zum Verkaufsstart mit Einschränkungen zu rechnen sein würde. „Es gibt keine perfekte Zeit, am Sonnabend in die Filiale zu kommen“, sagte Aldi-Nord-Chef Nicolás de Lope am Freitag dem Fernsehsender RTL. Bei den Selbsttests könne es sein, dass sie erst im Laufe des Tages in die Filialen kämen. „Das ist eine logistische Meisterleistung, die Tests so schnell bundesweit zu verteilen“, betonte de Lope. Bei jedem anderen Aktionsartikel sei die Ladenöffnung die richtige Uhrzeit – bei den Tests müsse das nicht der Fall sein. War es am Ende aber doch.

Eine lange Schlange bildete sich am Samstagmorgen vor dem Aldi in Hastedt. Die Corona-Schnelltests waren binnen fünf Minuten ausverkauft.

Eine lange Schlange bildete sich am Samstagmorgen vor dem Aldi in Hastedt. Die Corona-Schnelltests waren binnen fünf Minuten ausverkauft.

Foto: Jürgen Hinrichs

Uwe Rahenbrock hat es in der Bremer Filiale ­Hastedt richtig gemacht. „Man kennt das doch“, sagt er, „früher waren es die Computer, da musste man bei Aldi auch besonders früh kommen.“ Um auf Nummer sicher zu gehen, ist er nicht nur bereits eine halbe Stunde vor Ladenöffnung gekommen, sondern hat auch einen seiner Söhne eingespannt: „Der versucht es bei Aldi im Walle-­Center.“ Eine Familienaktion. Beim Vater mit Erfolg.

Und auch sie, Petra, 64 Jahre alt, hat ein Testpaket ergattert. „Ich will mich wieder mit Freunden treffen“, sagt die Frau. Alles andere sei ihr erst einmal egal – Kino, Restaurant und was sonst noch. Das Angebot von Aldi reizt sie auch wegen des Preises: „Bei dm und Rossmann werden die Tests sicherlich teurer sein.“

Ein allgemeines Palaver dann noch über die Anwendung. „Das ist wie beim Schwangerschaftstest“, weiß eine weitere Frau, die zu den wenigen gehört, die an diesem Morgen von Aldi nicht enttäuscht werden, „außerdem gibt es ja eine Bedienungsanleitung, da kann man nichts falsch machen.“ Petra sieht das genauso gelassen, sie macht sich aber auch nichts vor: „Eine hundertprozentige Sicherheit bringt das nicht, aber die gibt es bei der Impfung ja auch nicht.“

Info

Zur Sache

Wie der Selbsttest funktioniert:

Eine „einfache Handhabung“, verspricht der Hersteller, „Nasenabstrich in nur 2,5 Zentimetern Tiefe.“ Gut, dann mal her damit. Die grüne Packung aufreißen, und sehen, was geht. Der Inhalt ist übersichtlich: Teststäbchen, Probenröhrchen, Testkassette. Das Stäbchen in beiden Nasenlöchern jeweils fünfmal an der Schleimhaut entlang. Das kitzelt und treibt einem die Tränen in die Augen, ist aber locker zu ertragen. Das Stäbchen danach ins Röhrchen und auf und ab damit, hoch und runter bewegen, zuletzt im Kreis. 30 bis maximal 45 Sekunden, dann ist die Prozedur erledigt.

Jetzt kommt der Tropfaufsatz aufs Röhrchen. Und nun, spannend, die entscheidende Phase: drei Tropfen in die Probenvertiefung der Testkassette, 15 Minuten warten. Fertig.

Akkurat, sagt das Testergebnis. Alles richtig gemacht. Und besser noch: Corona negativ. Wäre es anders gewesen, positiv, gibt es vom Hersteller des Selbsttests klare Anweisungen: Sofort beim Gesundheitsamt melden. Schnellstmöglich zum Arzt, um einen PCR-Test machen zu lassen. Bis zum Ergebnis zu Hause bleiben und sich isolieren.

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