Bremer Lloydhof

Lloydhof-Investor stutzt seine Pläne

Der Lloydhof am Ansgarikirchhof hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Gerade wird er umgebaut, aber längst nicht so, wie ursprünglich geplant.
15.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Lloydhof-Investor stutzt seine Pläne
Von Jürgen Hinrichs
Lloydhof-Investor stutzt seine Pläne

So war der neue Dachaufbau für den Lloydhof geplant. Dieser Entwurf siegte beim Architekturwettbewerb, wird jetzt aber nicht umgesetzt.

Sauerbruch / Hutton

Es war ein fast schon futuristischer Entwurf, der jetzt auf dem Boden der Gegenwart gelandet ist: kein spektakulärer Dachaufbau mehr für den Lloydhof am Ansgarikirchhof, jedenfalls nicht in der ursprünglich geplanten Form. Keine Dachterrasse, riesengroß und öffentlich zugänglich. Auch keine Sky-Bar hoch über der Bremer Innenstadt. Das ist alles Makulatur, wie der WESER-KURIER vom Investor erfahren hat. Der Grund: zu teuer und baulich schwierig.

Vor zwei Jahren hatte es zu dem 35-Millionen-Projekt einen Architekturwettbewerb gegeben. Den Sieg trug das Berliner Büro Sauerbruch Hutton davon. Die Jury, zu der unter anderem Senatsbaudirektorin Iris Reuther gehörte, votierte einstimmig und war voll des Lobes: „Der Entwurf gibt dem Lloydhof als stattlichem Haus in der Innenstadt ein neues Antlitz“, sagte Reuther bei der Präsentation. Für die Fassade des voluminösen Dachaufbaus hatten die Architekten eine perforierte und gefaltete Metallfläche in Kupferton vorgesehen. Sie hätte die prägnanten vier Giebel des Büro-, und Wohn- und Geschäftskomplexes integriert, die Erker wären nicht mehr hervorgetreten wie sie das heute tun.

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Der Dachaufbau wird nach Angaben des süddeutschen Projektentwicklers Denkmalneu, der den Lloydhof im Februar 2018 von der Stadt erwarb, jetzt nicht mehr über den gesamten Komplex gezogen. Ergebnis ist, dass die Giebel freistehen bleiben und das neue Dach erst gut zehn Meter dahinter aufragen wird. Einher geht das mit dem Verzicht auf Sky-Bar und Dachterrasse. Schöne Ideen, die aber ins Geld gegangen wären. „Das war nicht mehr darstellbar“, sagt Denkmalneu-Projektleiter Peter Kaiser.

Kaiser geht davon aus, dass nach den Verzögerungen in der Entwurfsphase nun alles nach Plan läuft und die Bauarbeiten Ende kommenden Jahres beendet sind. Hauptmieter wird die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) sein. Die Behörde belegt auf sechs Etagen gut 7000 Quadratmeter Bürofläche, anfangs waren lediglich 5800 Quadratmeter angemeldet worden. Ihr bisheriges Domizil im Kontorhaus am Markt muss sie spätestens im März 2022 räumen.

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Das Gebäude an der Ecke Langenstraße/Stintbrücke gegenüber vom Schütting, wird danach neu entwickelt. Dort ist Christian Jacobs der Investor, ein Sproß der Bremer Kaffeefamilie. Er plant das sogenannte Balge-Quartier, zu dem neben dem Kontorhaus das neue Johann-Jacobs-Haus an der Obernstraße, die historische Stadtwaage an der Langenstraße und das direkt benachbarte Essighaus gehören.

Der Lloydhof wird zum „Lebendigen Haus“ umgebaut, ein Konzept, das Denkmalneu bereits in Leipzig und Dresden verwirklicht hat. Wesentlicher Bestandteil sind hochwertige Apartments, die tageweise, genauso aber auch für Monate angemietet werden können. Davon wird es 75 Stück geben. Gastronomie gehört auch dazu.

Ein Restaurant, das eigentlich ganz oben in dem Komplex entstehen sollte, wird nun im Erdgeschoss etabliert – als Teil einer gut 3000 Quadratmeter großen Fläche, die bei dem Projekt von Anfang an am meisten Probleme gemacht hat und dies bis heute tut. „Unser Sorgenkind“, sagt Denkmalneu-Gesellschafter Thomas Scherer. Vorher schon, meint er, aber seit Beginn der Corona-Pandemie noch viel mehr: „Mit dem Virus ist alles zusammengebrochen.“

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Im klassischen Einzelhandel gebe es keine Nachfrage mehr, niemand wolle derzeit neue Flächen anmieten. Scherer hatte geplant, aus den vielen kleinen Läden, die früher im Lloydhof bewirtschaftet wurden, eine Einheit zu machen. Doch nach mehr als zwei Jahren Suche konnte bis heute kein Ankermieter gefunden werden, auch wenn immer mal wieder von vielversprechenden Verhandlungen die Rede war. Scherer ist bei der Aufteilung nach eigenen Worten mittlerweile offen für alles, Hauptsache vermietet. Denkbar sei auch ein Vollsortimenter im Lebensmittelbereich.

Der 40 Jahre alte Lloydhof wird sich verändern, aber eben nicht mehr so sehr. Eine Frage steht noch im Raum, die großen Einfluss auf die Anmutung des Gebäudes hat. „Wir wissen noch nicht, ob wir den Dachaufbau mit Kupfer oder Titan verkleiden“, erklärt Projektleiter Kaiser. Die Antwort werde den Ausschlag geben, ob der Lloydhof seinen roten Klinker behalte, was im Falle von Titan der Fall wäre. Oder ob der Stein weiß übermalt wird, um farblich besser mit dem Kupfer zu korrespondieren.

Info

Zur Sache

Eigentlich stand der Abriss bevor

Der Lloydhof war in den 40 Jahren seines Bestehens nie eine wirklich erfolgreiche Geschäftslage – abseits von den Laufwegen in der Innenstadt und so offen und einladend wie ein Kaninchenbau. Es schien deshalb kein schlechter Entschluss zu sein, als die Stadt vor acht Jahren den Komplex am Ansgarikirchhof kaufte, um Platz für ein City-Center zu schaffen. Der Lloydhof mit seinen Wohnungen und Büros in den oberen Stockwerken sollte abgerissen werden, genauso das Parkhaus am Brill.

Geplant war ein Einkaufszentrum mit einer Verkaufsfläche von 25 000 Quadratmetern. Nach langen Verhandlungen sprang vor fünf Jahren auch der letzte noch übrig gebliebene Investor ab – und die Stadt hatte ein Problem: Was tun mit dem Lloydhof? Die Lösung war ein Provisorium mit dem Namen City-Lab. Für wenig Miete durften Gründer ihre Geschäftsideen ausprobieren, mit mäßigem Erfolg, wie sich herausstellte.

Bremen hatte fast 25 Millionen Euro für den Lloydhof bezahlt und war heilfroh, als der Schaden begrenzt blieb, nachdem Anfang 2018 ein Käufer gefunden wurde. Der süddeutsche Projektentwickler Denkmalneu zahlte 21,5 Millionen Euro und versprach den aufwendigen Umbau zum „Lebendigen Haus“.

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