Spielen ausdrücklich erwünscht

Pilgerstätte für Fans und Familien

Die zwölften Bremer Spiele-Tage dürften am Wochenende wieder mehrere Tausend Besucher in die Volkshochschule locken. Gespielt wird auf fünf Etagen und in fast allen Räumen.
28.02.2019, 11:51
Lesedauer: 4 Min
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Von Felix Klein

An diesem Wochenende ist es wieder soweit: Am Sonnabend und Sonntag, 2. und 3. März, finden bereits zum zwölften Mal die Bremer Spiele-Tage statt. In der Volkshochschule (VHS), Faulenstraße 69, können dann wieder auf fünf Etagen und in über 30 Räumen Hunderte neue und alte Gesellschaftsspiele ausprobiert werden.

„Wir sind schon mittendrin in den Vorbereitungen“, sagt Andreas Ebert von der Volkshochschule, der die Spiele-Tage mitorganisiert. „In jedem Seminarraum der VHS wird gespielt werden.“ Es wird Räume für Fantasy-, Familien-, Strategie- oder Zwei-Personen-­Spiele geben. Auch Tabletop-Games und Rollenspiele werden angeboten. „Bei Rollenspielen gibt es kein Brettspiel, sondern die Spieler müssen eine Rolle einnehmen, die mit bestimmten Eigenschaften verbunden ist. Und Tabletop-Games sind Strategiespiele, bei denen Miniaturfiguren in einer gestalteten Landschaft eingesetzt werden“, erklärt der Leiter des Fachbereichs Politik, Gesellschaft, Umwelt. Dieses Jahr neu dabei sind die Rollenspielerinnen und Rollenspieler der „Namenlosen Tagen“ aus Syke, die eine Mischung aus beiden Genres anbieten. Zudem kann an insgesamt neun Turnieren teilgenommen werden, bei denen sich die Mitspieler für weiterführende Turniere qualifizieren und Preise gewinnen können. „Die Angebote sind offen für alle“, betont Ebert. Die Spiele werden an den Tagen vielfach erklärt.

Neue Spiele-Prototypen testen

Unter den vielen neuen Spielen befinden sich auch noch einige Prototypen – also Spiele, die von den Autoren bereits final entwickelt, aber noch von keinem Verlag produziert wurden. Dieses Jahr wieder mit dabei ist der Bremer Spieleautor Michael Kiesling. Für sein Spiel „Azul“ erhielt er zuletzt die Auszeichnung „Spiel des Jahres 2018“. Auch er wird am Wochenende einige seiner aktuellen Prototypen präsentieren. In einem eigenen Raum stellt er eine Vielzahl von Spielen vor, darunter auch das aktuelle Spiel des Jahres „Azul“. Für die Entwicklung seiner Spiele opfert Kiesling einen Großteil seiner Zeit. Der Diplom-Ingenieur hat in seinem Büro jede Menge Spielematerial, mit dem er aus bekannten Spiel-Mechanismen neue Spiele zusammenstellt. Danach werden diese Spiele aber erst einmal ausführlich getestet. Zwischen 50 und 100 Mal probiert Kiesling seine Spiele bei sich in der Firma, aber auch in Spieleklubs in Bremen und umzu aus, bevor er sie einem Verlag anbietet.

Von dem Erfolg des neuen Spiels „Azul“ war Kiesling selbst ein wenig überrascht. Über 700 000 Mal wurde das Spiel bereits weltweit verkauft. „Es ist relativ einfach zu lernen, verfügt aber trotzdem über eine gewisse Spieltiefe“, sagt er. „Die hohen Verkaufszahlen liegen sicher auch daran, dass der Verlag international so gut aufgestellt ist. Zudem finde ich das sehr ungewöhnliche, abstrakte Design vom Verlag sehr gelungen.“ Nicht zuletzt entfachte die Verleihung des Preises „Spiel des Jahres“ auch eine große Medienwirksamkeit. „Die Preisverleihung selbst war superspannend“, erzählt Kiesling. „Bis zuletzt weißt du nicht, wer den Preis gewinnt.“ Ein ganz neues Gefühl war es für ihn jedoch nicht. Gemeinsam mit Wolfgang Kramer hat er bereits zweimal die bedeutendste deutsche Spieleauszeichnung gewonnen.

Steigende Verkaufszahlen bei Brettspielen

Brettspiele sind beliebt wie nie zuvor. „Bei den Verkaufszahlen ist die Tendenz klar steigend“, sagt Kiesling. Trotz allgegenwärtiger Smartphones und Spielen für Computer und Konsolen genießen Gesellschaftsspiele bei vielen weiterhin einen hohen Stellenwert. Für Kiesling ist das kein Widerspruch. „Die sozialen Medien haben zu einer ganz neuen Aufmerksamkeit für Gesellschaftsspiele geführt. Es gibt auf einer Online-Plattform knapp 200 Videos über mein Spiel ,Azul‘. Und dann gucken sich das noch vielmehr Menschen an.“ Mit den Einnahmen aus der Spieleentwicklung auskommen können allerdings die wenigsten Spieleautoren. „In Deutschland gibt es ein paar hundert Spieleautoren, aber nur die wenigsten können davon leben“, sagt Kiesling. Auch er hat einen anderen Beruf: Kiesling ist Geschäftsführer bei Visigate, einer Firma, die kaufmännische Software entwickelt.

Das Motto der Bremer Spiele-Tage „Spielen verbindet“ findet er gelungen. „Das klingt gut! Viele Menschen, die sich vorher gar nicht kennen, kommen ja an diesem Wochenende an einem Spieletisch zusammen. Außerdem werden nicht nur die Menschen untereinander verbunden, sondern es entsteht auch eine Verbindung zwischen den Spielern und dem Spiel selbst.“ Mehr Räume, mehr Aussteller – die Bremer Spiele-Tage wurden bei begrenzten räumlichen Möglichkeiten bedachtsam weiterentwickelt. „Jetzt bleibt abzuwarten, wie viele Menschen am Wochenende kommen werden“, sagt Ebert. Die Vorfreude steigt für ihn bereits jetzt. „Am meisten freue ich mich auf die Menschen, die da kommen. Weil die immer eine ganz besondere Stimmung mitbringen.“ Nur für die Turniere ist eine vorherige Anmeldung bei der Volkshochschule (spiele@vhs-bremen.de) erwünscht.

Weitere Informationen

Am Sonnabend, 2. März, von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag, 3. März, von 10 bis 18 Uhr können aktuelle Neuheiten und Klassiker in der Volkshochschule, Faulenstraße 69, ausprobiert werden. Die Spiele werden vielfach erklärt und lassen sich sofort ausprobieren. Eine Tageskarte kostet 4,50 Euro, Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren zahlen 1,50 Euro, Familienkarten kosten 9,50 Euro. Tickets gibt es im Vorverkauf bei der Volkshochschule und im Internet unter www.bremerspieltage.de.

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