Corona-Prävention Bremen lehnt Corona-Tests für alle ab

Bremen will mehr präventive Corona-Tests, aber nicht flächendeckend auf Wunsch für Menschen ohne Symptome und ohne hohes Infektionsrisiko. Tests in Schulen und Pflegeheimen sollen ausgeweitet werden.
30.06.2020, 05:00
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Bremen lehnt Corona-Tests für alle ab
Von Sabine Doll

Das Land Bremen will präventive Corona-Tests ausweiten – etwa in Schulen, Kitas, Pflegeheimen und bei lokalen Ausbruchsherden. Zu dem Vorstoß Bayerns, Tests für alle – also auch auf Wunsch für Menschen ohne Symptome und ohne besonders hohes Infektionsrisiko – sagt Bremen nein. „Das ist nicht unsere Strategie. Auch die meisten anderen Bundesländer halten das nicht für sinnvoll und zielführend. Das muss vernünftig gemacht werden“, sagt der Sprecher der Bremer Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann, dem WESER-KURIER. Am Montagnachmittag hatten sich die Gesundheitsminister der Länder unter anderem darüber in einer Telefonkonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ausgetauscht. Auch Spahn hatte am Montag bei Twitter Corona-Tests für alle abgelehnt.

„Wir wollen mehr testen, aber gezielt“, sagt der Sprecher von Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Mit der Bildungsbehörde werde derzeit abgestimmt, in welchen Schulen nach den Sommerferien präventiv getestet werden soll. Für eine präventive Teststrategie in Pflegeheimen arbeite die Gesundheitsbehörde mit der Wohn- und Betreuungsaufsicht zusammen. Die Tests könnten jedoch nicht von der Behörde angeordnet werden, die Betroffenen müssten einwilligen. Fuhrmann: „Das muss besonders geregelt werden, wenn es sich um Minderjährige oder Menschen in Heimen handelt, die etwa an Demenz leiden.“

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Die Testkapazitäten im Land Bremen werden laut Fuhrmann derzeit nicht ausgeschöpft. „Für eine gezielte Strategie präventiver Tests gibt es Luft nach oben. Eine Steigerung um 300 bis maximal 500 Tests pro Tag wäre möglich.“ Seit Pandemiebeginn seien im Land Bremen – Stand 21. Juni – gut 65 000 Abstriche auf das Virus untersucht worden. Nicht nur in den Corona-Ambulanzen würden Abstriche genommen und an ein Labor geschickt. Fuhrmann: „Auch in Kliniken, Arztpraxen oder Betrieben werden Menschen mit Verdacht auf eine Corona-Infektion getestet.“ Seit der vergangenen Woche werde auch in Obdachlosenunterkünften präventiv getestet.

Aktuell gibt es in der Stadt Bremen eine Corona-Ambulanz in den Messehallen, sie wird von der Gesundheit Nord betrieben. Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen (KVHB) betreibt je eine Ambulanz in der Vahr und in Bremen-Nord. „Corona-Tests für jedermann sind trügerisch, weil sie eine falsche Sicherheit vorgaukeln. Eine Ausweitung der Testungen ist sinnvoll, wenn es um gefährdete Gruppen und Risikopatienten geht“, sagt Sprecher Christoph Fox. Die KVHB erwarte, dass die Bremer Teststrategie mit den niedergelassenen Ärzten abgestimmt wird und klare Regelungen getroffen und kommuniziert werden, wie etwa die Testungen von Kontaktpersonen von Infizierten, Beschäftigten von Alten- und Pflegeeinrichtungen und Mitarbeitern in Kitas vonstattengehen.

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Auch die Präsidentin der Bremer Ärztekammer, Heidrun Gitter, hält Corona-Tests für alle nicht für zielführend: „Ein Test ist eine Momentaufnahme. Man weiß nicht, was fünf Tage später ist. Der Vorstoß aus Bayern ist Plakat-Politik.“ Gitter wirbt für eine Gesamtstrategie. Dazu gehörten präventive Tests etwa in Schulen und Heimen sowie bei gefährdeten Gruppen. „Wir müssen eine Gesamtstrategie an den aktuellen Erkenntnissen ausrichten – und daran, dass wir noch länger bis zu einem Impfstoff mit dem Virus sowie dem Risiko lokaler Ausbrüche umgehen müssen“. Die Ansteckungsgefahr sei einen Tag vor dem Auftreten von Symptomen am größten, die Inkubationszeit betrage im Schnitt fünf Tage. Gitter: „Daran könnte präventive Quarantäne im Sinne einer Eindämmungsstrategie ausgerichtet werden. Flächendeckende präventive Tests helfen nicht.“

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