Integration

Syrischer Flüchtling hilft anderen bei der Ankunft

Der syrische Flüchtling Hamudi Moustafa unterstützt ein Bremer Paar dabei, anderen Flüchtlingen das Ankommen zu erleichterten und ihnen Mut zu machen.
07.01.2019, 18:37
Lesedauer: 3 Min
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Syrischer Flüchtling hilft anderen bei der Ankunft
Von Frauke Fischer
Syrischer Flüchtling hilft anderen bei der Ankunft

Heinz Meyer und Lilo Almstadt mit Ziehsohn Hamudi Moustafa, der als Flüchtling aus Syrien nach Deutschland kam und nun an der Universität Bremen studiert.

Christina Kuhaupt

Hamudi Moustafa hat in seiner neuen Heimat gleich ein Ehrenamt übernommen, das ihn seither neben dem Studium an der Universität umtreibt. Lilo Almstadt und Heinz Meyer sind in Bremen lange schon keine Unbekannten mehr. Doch nun haben die beiden Bremer Unterstützung in ihrem Bemühen um die Integration von Flüchtlingen bekommen. Hamudi nämlich ist selbst Flüchtling, er stammt aus Syrien, und er unterstützt das Bremer Paar dabei, anderen Flüchtlingen das Ankommen zu erleichterten und ihnen Mut zu machen.

Der junge Mann studiert im zweiten Semester Elektrotechnik an der Bremer Uni und berät ehrenamtlich Landsleute und Flüchtlinge aus anderen Ländern. Er erzählt dann von seiner schwierigen Flucht mit physischen und psychischen Verletzungen sowie den eigenen Ängsten, aber auch von der Hoffnung auf einen guten Neuanfang. Es geht ihm auch um die Rolle, die seine Zieheltern, die beiden Bremer, dabei spielen.

Das ist Hamudi Moustafa so wichtig, weil er im Kontakt mit den Deutschen erlebt, wie diese Begegnungen beiden Seiten etwas bringen können und was dafür notwendig ist: Nämlich Lust auf Neues und die Bereitschaft, sich auf Fremdes einzulassen. Seine Eltern musste der Syrer daheim in Afrin lassen. „Sie sind zu alt für einen Wechsel in eine so fremde Welt und wollten nicht nachkommen“, berichtet er. Ganz ohne Familie ist er dennoch nicht in Bremen, sein Bruder lebt ebenfalls in der Hansestadt.

"Durch Zufall lernten wir uns kennen"

Während das Bremer Paar, das mehrere Bücher zu verschiedenen Themen der Lebensgestaltung geschrieben hat, zu Beginn seines sozialen Engagements vor allem Kinder in der Stadt in den Blick genommen hat, steht seit einigen Jahren die Flüchtlingshilfe vorn an. Lilo Almstadt und Heinz Meyer helfen nicht nur in Flüchtlingsunterkünften vielen Menschen aus anderen Ländern beim Ankommen.

Sie interessieren sich auch für die verschiedenen Lebenswege jener Menschen, die ihre Heimat mit der Hoffnung auf ein besseres Leben in Sicherheit verlassen haben. Das Paar hat vor drei Jahren eine Patenschaft für den jungen Syrer übernommen. Um Hamudi Moustafa kümmern sich die beiden seitdem besonders. Er führt sein Studium nach dem Start an der Universität in Hannover nun in Bremen weiter. Ein Beginn im Sommersemester war in seinem Studiengang hier nicht möglich gewesen, deshalb der Umweg über die niedersächsische Landeshauptstadt.

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„Durch Zufall lernten wir uns kennen. Aber das sollte wohl so sein“, sagt Lilo Almstadt. „Wir Drei haben etwas gemeinsam, wir wagen gern Neues.“ Ihr Lebenspartner hat als Elektrotechniker gearbeitet. „So haben Hamudi und ich noch etwas gemeinsam“, sagt Heinz Meyer. „Aus unserem Kontakt ist längst eine enge Beziehung geworden.“ Das Bremer Paar traf vor gut drei Jahren im damaligen Flüchtlingsheim am Schiffbauerweg auf den Syrer. Dieser war als 18-Jähriger mit seinem Bruder nach Deutschland geflohen. Dass er die beiden Bremer kennenlernte, nennt er „einen Glücksgriff“, es sei eine besondere Begegnung. Mit Folgen im besten Sinne. „Zwischen Hamudi und uns hat es sofort gefunkt. Es ist eine Art Eltern-Kind-Beziehung geworden“, sagt Lilo Almstadt.

Mit Lilo Almstadt und Heinz Meyer bestreitet Hamudi Moustafa nun nebenbei und mit großem Engagement Lesungen aus ihrem Ratgeber „Deine Hilfe macht Mut“. Bei den Veranstaltungen berichtet der junge Syrer über die eigenen Erfahrungen, seinen Weg und sein Ankommen. Außerdem präsentieren andere Geflüchtete dazu Zeichnungen und Musikstücke, um auch ihre Vergangenheit und Kultur öffentlich zu machen. Hamudi begrüßt dann arabisch sprechende Gäste, Lilo Almstadt und Heinz Meyer die Deutschen.

Beide Seiten profitieren

Wer dem Syrier zuhört, wie er all das meistert, bekommt eine Ahnung von dem, was die Menschen aushalten müssen, die hierher fliehen. Wie sie in einem fremden Land, einer neuen Umgebung, mit bis dato unbekannten Kulturen und Bräuchen zurecht kommen – all das erfahren nicht nur deutsche Besucher der Veranstaltungen, die die Drei meistens gemeinsam bestreiten. Diese wollen ausdrücklich auch Neubürger erreichen, ihnen Mut machen, Begegnungen zuzulassen. Die Veranstaltungen mit Diskussionen richten sich besonders an jene Menschen, die noch keine Kontakte zu Flüchtlingen haben, diese aber kennenlernen wollen. Dass das Freude macht, weil alles Gute Freude macht, ist für Lilo Almstadt klar. Von den Begegnungen profitierten beide Seiten. Sie bereicherten alle, die sich darauf einlassen. So haben es die Drei selbst erlebt und sind voller Elan noch mitten im Prozess, erzählt Lilo Almstadt weiter. „Wir Drei lieben das Fremde, den Kontakt mit anderen Kulturen.“

Hamudi Moustafa, Lilo Almstadt und Heinz Meyer sind ganz sicher: Sie sind gute Beispiele dafür, dass es funktionieren kann. Dazu soll ihr kleines Werk beitragen. „Wenn jede deutsche Familie, die es ermöglichen kann, nur einem Flüchtling hilft, ist schon sehr viel gewonnen“, sagt Lilo Almstadt. Hamudi Moustafa sieht das genauso.

Hamudi Moustafa habe inzwischen eine Reihe von Freunden, „arabische und deutsche“, betont er. Er hat eine eigene Wohnung gemeinsam mit seinem Bruder. Dieser ist in Bremen übrigens einen anderen Weg gegangen. „Er arbeitet als Maler und ist dadurch sein eigener Herr, der nicht mehr auf Sozialhilfe angewiesen ist“, berichtet Heinz Meyer.

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