Klappe statt Vorhang

Stück wird zum Spielfilm: Filmdreh auf dem Theaterschiff Bremen

Knut Schakinnis vom Bremen Theaterschiff will Theater auch in Corona-Zeiten möglich machen. Darum macht er sein Stück „Hitparade“ jetzt zu einem Spielfilm, den man zu Hause auf der Couch gucken kann.
16.02.2021, 20:37
Lesedauer: 3 Min
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Stück wird zum Spielfilm: Filmdreh auf dem Theaterschiff Bremen
Von Alexandra Knief
Stück wird zum Spielfilm: Filmdreh auf dem Theaterschiff Bremen

Theater vor der Kamera: Was hier gerade gedreht wird, können Theaterschiff-Fans schon bald zu Hause in ihren Wohnzimmern erleben.

Christina Kuhaupt

„Okay, Action“, ruft Ismael Meisinger in den fast leeren Saal des Bremer Theaterschiffs. „Und bitte“, ruft Oliver Geilhardt noch schnell hinterher – doppelt hält ja bekanntlich besser. Der eine ist mit seinem Filmteam das erste Mal auf dem Schiff, der andere hat hier als Regisseur normalerweise das Sagen. Heute müssen beide zusammenarbeiten, damit das Ergebnis am Ende stimmt. Denn Theaterintendant Knut Schakinnis hat sich etwas Neues überlegt, um einen gewissen Theatergenuss auch in Zeiten eines Corona-Lockdowns möglich zu machen: Er lässt eine Spielfilm-Version seines Stückes „Hitparade“ drehen, die interessierte Zuschauer sich inklusive Getränke- und Snack-Paket nach Hause bestellen können, um dort Theater auf der Couch zu erleben.

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Zwei Tage lang wurde auf dem Schiff geprobt und vorbereitet, am Dienstag und Mittwoch wird gedreht. Außerdem planen Meisinger und seine Crew vom Bremer Unternehmen „Die Videographen“ noch je fünf bis sechs Tage für die Vorbereitung des Materials und den Schnitt ein. Normalerweise dreht die Agentur vor allem Imagefilme und Werbespots für Unternehmen. Darum sei bei diesem Projekt vor allem die Länge des zu produzierenden Filmes eine Herausforderung, betont Mitgründer Meisinger. „Nach dem dritten Durchgang hat die Crew auch keine Kraft mehr“, sagt er. Darum versuche man, möglichst lange Passagen am Stück zu filmen, zeitgleich mit vier Kameras, um direkt mehrere Perspektiven einzufangen, die man später wie im Film zusammenschneiden kann.

Nicht einfach draufhalten

Bevor allerdings der Dreh des eigentlichen Filmes beginnt, betritt Theaterleiter Schakinnis selbst die Bühne für eine kleine Ansprache, gerichtet an das spätere Publikum zu Hause. Trotz jahrelanger Erfahrung ist auch er in dieser neuen Situation mit Kamera aufgeregt, muss zwei, drei Mal neu ansetzen, dann aber ist die Aufnahme im Kasten. Und schon zwei Minuten später ist von Aufregung keine Spur mehr, Schakinnis begrüßt alle Neuankömmlinge mit seinem typisch langgezogenen „Halloooooo“ und beginnt zu erzählen.

„Wenn die Leute nicht zu uns kommen können, dann müssen wir eben zu ihnen kommen“, sagt er. Ihm war es wichtig, nicht einfach nur die Kamera draufzuhalten und ein fertiges Theaterstück abzufilmen. Da habe er bei einigen Kollegen aus der Branche schon Ergebnisse gesehen, die er alles andere als gelungen fand. „Wir wollten das Ganze professionell und mediengerecht machen“, sagt er. Schakinnis gehören insgesamt sechs Theater in ganz Deutschland. Seine Film-Idee will er nicht nur auf dem Bremer Theaterschiff, sondern auch für seine Bühnen in der Komödie Kassel, der Komödie Bielefeld und dem Theaterschiff Lübeck umsetzen. Wenn die Idee vom Publikum gut angenommen wird, sollen weitere Stücke für zu Hause folgen.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, wurden alle Beteiligten vor und während des Drehs auf Corona getestet. Und nach rund elf Monaten in der Pandemie redet sich auch Schakinnis, der die Dinge sonst immer positiv sieht, ein wenig in Rage, wenn es um die aktuelle Situation für ihn als Theatermacher geht. Vor allem bei der Förderung sieht er Probleme. „Die Hürden sind groß, und alles ist sehr bürokratisch“, sagt er. Zwar würde er mit den Hilfsgeldern irgendwie über die Runden kommen, das Problem sei aber, dass die Gelder viel zu langsam flössen. Insgesamt 1,4 Millionen Euro Förderung für seine Theater insgesamt seien ihm bereits zugesichert worden, erzählt Schakinnis. Nur ausgezahlt habe man sie bisher nicht. „Eine Zeit, in der wir natürlich sehr angespannt sind.“

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Das große Geld erwartet Schakinnis auch von seinem Filmprojekt nicht. Ihm ginge es vor allem darum, beim Publikum präsent zu bleiben und neue Ideen auszuprobieren – auch, damit die Schauspieler mal wieder auf der Bühne stehen dürfen. „Als Künstlerin in so einer Zeit spielen zu dürfen, ist wie ein Sechser im Lotto“, betont auch Schauspielerin Felicitas Reinhardt, die in „Hitparade“ als eine von fünf Schauspielern auf der Bühne und vor der Kamera agiert. „Ich bin überglücklich, und das Theater gibt wirklich alles, damit wir von den Zuschauern nicht ganz vergessen werden.“

Im Theatersaal geht der Dreh währenddessen weiter. Schnell wird noch geklärt, wie man mit Versprechern umgehen soll und ob alle die richtigen Outfits tragen (Geilhardt: „Wir können uns im Film keine Anschlussfehler leisten!“). Dann heißt es wieder: „Okay, Action“ und „Und bitte!“ Denn doppelt hält ja bekanntlich besser.

Weitere Informationen

Der Film wird ab Montag, 1. März, als DVD oder direkter Download erhältlich sein und kostet inklusive Verpflegungspaket 34 Euro. Das Paket für die Couch kann ab sofort unter www.theaterschiff-bremen.de vorbestellt werden.

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