Interview mit Bausenatorin Maike Schaefer

„Herr Güngör hat sich verleiten lassen“

Seit zweieinhalb Jahren wird die Umgestaltung der Domsheide geplant. Die Bau- und Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) hat sich auf eine Variante festgelegt, muss nun aber noch einmal nacharbeiten.
20.04.2021, 05:00
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„Herr Güngör hat sich verleiten lassen“
Von Jürgen Hinrichs
„Herr Güngör hat sich verleiten lassen“

Seit Jahren wird um die Zusammenlegung der Haltestellen an der Domsheide gestritten. Bausenatorin Maike Schaefer will den Verkehr zwischen Postamt und Glocke bündeln (Archivbild).

Frank Thomas Koch

Frau Schaefer, ist die Kuh endlich vom Eis? Haben Sie sich bei der Umgestaltung der Domsheide einigen können? Zuletzt gab es Störfeuer von der Handelskammer, auch von Ihren Koalitionspartnern.

Maike Schaefer: Das war schon verwunderlich und ist in sich auch nicht schlüssig. Trotzdem kann ich Ihnen heute sagen, dass wir uns im Grundsatz auf ein weiteres Vorgehen geeinigt haben und in der Diskussion ein großes Stück weitergekommen sind. Zentral ging es um die Frage, wo die Busse und Bahnen auf der Domsheide halten, und das wäre bestmöglich zwischen dem Postamt und der Glocke. Wir hatten vorher mit großer Sorgfalt 14 Varianten geprüft, diese ist klar die beste.

Sie sagen im Grundsatz. Heißt das, dass noch Punkte offen sind?

Beim Treffen am Montag haben meine Behörde und die BSAG ein paar Hausaufgaben bekommen, die arbeiten wir bis zu den Sommerferien ab. Das ist eine Verzögerung, mit der ich leben kann. Aus meiner Sicht könnte es genauso aber auch schon jetzt mit der konkreten Planung des Umbaus losgehen.

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Was sind das für Hausaufgaben?

Wir gucken noch einmal genauer aus städtebaulicher Sicht drauf und stellen die Umgestaltung in einen Gesamtzusammenhang. Außerdem wird geprüft, mit welchem Aufwand die Straßenbahn von der Obernstraße in die Martinistraße verlegt werden könnte.

Sie untersuchen etwas, was Sie in der Vergangenheit kategorisch ausgeschlossen haben. Da steht das Ergebnis doch schon fest.

Moment, es ist eine Mär, dass ich die Verlegung der Straßenbahn komplett verwerfe. Ich sage nur, und das schon lange, dass ich bei dem Thema skeptisch bin und viele Fragezeichen habe. Die Haltestelle vor Karstadt in der Obernstraße ist die am meisten frequentierte Station ohne Umsteigefunktion in der City. Die Leute suchen den direkten Weg zu den Geschäften. Der zweite Punkt sind die Kosten. Mit allem Drum und Dran läuft es schlimmstenfalls auf einen dreistelligen Millionenbetrag hinaus. Wer soll das bezahlen? Die BSAG bestimmt nicht; wir kämpfen gerade bundesweit für die Fortführung des Corona-Rettungsschirms für den ÖPNV. Und der bremische Haushalt wird in den nächsten Jahrzehnten belastet genug sein.

Die Handelskammer wirbt trotzdem für so eine Lösung, das neue Aktionsbündnis Innenstadt ebenfalls – und jetzt auch die SPD in Person ihres Fraktionsvorsitzenden Mustafa Güngör.

Herr Güngör hat sich jetzt offenbar von der Handelskammer verleiten lassen. Ich verstehe das schon deshalb nicht, weil natürlich auch die SPD in den gesamten Planungsprozess eingebunden war. Zur Handelskammer: Da gibt es den Widerspruch, dass sie sich einerseits für die Verlegung der Straßenbahn in die Martinistraße ausspricht, andererseits aber die Konsequenzen nicht nachvollziehen will.

Welche sind das?

Wir wollen, wie gesagt, den Verkehr auf der Domsheide zwischen Postamt und Glocke bündeln. Das ist die einzige Variante, um vor allem Barrierefreiheit im Interesse behinderter und mobilitätseingeschränkter Menschen und echte Verkehrssicherheit zu garantieren. Die Kammer lehnt das ab und fordert die Balgebrückstraße als zentralen Haltepunkt, um vor der Glocke mehr Platz zu schaffen. Nun ist es aber so, dass abgesehen von den erwähnten Punkten wie Barrierefreiheit und Sicherheit ausschließlich mit der Variante, die wir favorisieren, eine Verlegung der Straßenbahn in die Martinistraße überhaupt nur möglich wäre. Das sage nicht ich, sondern das sagen die Techniker und Ingenieure, und zwar klipp und klar. Der Kurvenradius ist bei einer zentralen Haltestelle in der Balgebrückstraße in die Martinistraße nicht mehr zu gewährleisten.

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Ist die Glocke jetzt der Verlierer? Keine Rücksicht auf das Konzerthaus?

Ganz im Gegenteil. Wir werden vor der Glocke und dem Landgericht sogenannte Flüsterschienen verlegen, das ist sündhaft teuer, aber sehr effizient. Lärm und Erschütterung wird es dann anders als heute nicht mehr geben. Außerdem verhandele ich gerade über eine neue Zuwegung für die Anlieferung. Die schweren Lastwagen werden dann nicht mehr vor der Glocke stehen, sondern im rückwärtigen Bereich des Gebäudes. Und es wird vor dem Konzerthaus die Wendeschleife verschwinden, ein weiterer Vorteil.

Wann ist der Umbau der Domsheide fertig?

Wenn es nach der Handelskammer ginge, die ein zweijähriges Moratorium fordert, wären wir erst in ferner Zukunft soweit. Wir waren uns am Montag einig, dass niemand einen solchen Stillstand will. Mir persönlich kann es nicht schnell genug gehen, denn die Verhältnisse auf dem Platz und in der Balgebrückstraße sind derzeit chaotisch. Aber wenn wir jetzt noch ein paar Wochen länger prüfen und danach einen städtebaulichen Wettbewerb veranstalten, sollte die Umgestaltung spätestens im Jahr 2025 vollendet sein.

Info

Zur Person

Maike Schaefer ist promovierte Biologin und führt seit 2019 das Umweltressort. Sie wohnt in Bremen-Nord, ist verheiratet und hat ein Kind.

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