Zwei Ketten ziehen aus

Wandel in der Bremer City geht weiter

Gleich zwei Ketten ziehen mit Mango und Benetton aus der Obernstraße aus. Der Ankermieter für das Bremer Carrée, Appelrath-Cüpper aus Köln, lässt derweil weiter auf sich warten.
08.04.2019, 05:30
Lesedauer: 4 Min
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Wandel in der Bremer City geht weiter
Von Lisa Boekhoff
Wandel in der Bremer City geht weiter

Ankermieter Appelrath-Cüpper zieht ins Bremer Carrée – die Frage ist: wann?

Frank Thomas Koch

Wenige Tage trennen Abschied und Neuanfang. Das Modegeschäft Mango in der Innenstadt wurde gerade erst geschlossen. Am Eingang blieb nur ein weißer Zettel als letzte Botschaft: Im Einkaufscenter Weserpark soll es weitergehen. In der City aber ist Schluss, „vielen Dank für Ihre jahrelange Treue.“ Der Laden, das verriet der Blick durch die Schaufenster, ist komplett ausgeräumt.

Doch Neues soll kommen. Zumindest lässt das die milchige Oberfläche mit der Aufschrift „Coming soon“ vermuten, die mittlerweile auf dem Schaufenster des früheren Mango angebracht wurde. Wer wird der nächste Bewohner dieser Adresse? Im Gespräch war ein Lebensmittelgeschäft, das soll sich aber zerschlagen haben. Nun ist offen, wer kommt.

Mit der digitalen Welt verbunden

Mango ist nicht das einzige Geschäft, das seinen bisherigen Standort in der City verlässt. Gleich nebenan gibt United Colors of Benetton bekannt: „Wir schließen!“ Auf den ersten Blick verabschieden sich also gleich zwei Textilketten aus der Innenstadt. Doch wie eine Sprecherin des Unternehmens mitteilt, ist der Abschied von Benetton nur von kurzer Dauer. Die Marke begibt sich nach eigenen Angaben auf die Suche nach einer besseren Lage für das Geschäft in Bremen: „In Kürze wird ein neuer Benetton-Store eröffnet.“ Tatsächlich liegt der Laden schon jetzt in einer der beiden meist frequentierten Einkaufsmeilen.

Die italienische Marke setzt derzeit für ihre deutschen Filialen auf ein neues Konzept und wechselt deshalb in vielen Städten die Standorte. Der Kunde solle wieder sofort wissen, dass er bei Benetton sei, sagt die Sprecherin. Und: Der stationäre Handel solle mit der digitalen Welt verbunden werden. Die Modekette mit weltweit 5000 Geschäften will eine breitere, jüngere Kundschaft erreichen.

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Der Neuanfang kam mit der Rückkehr des Gründers Luciano Benetton. Schon zehn Jahre in Rente stieg er als Präsident wieder ein, um sein Unternehmen zu retten. Die Marke ist mit ihren Problemen keineswegs allein. Die Textilbranche steht aufgrund des Onlinehandels besonders unter Druck – selbst etablierte Marken. Erst am Freitag gab Gerry Weber bekannt, in Deutschland 120 Läden zu schließen.

Einzelhandelsexperte Stefan Brockmann zufolge passiert es derzeit häufiger, dass Läden an einem Standort schließen und anderswo wieder aufmachen, wenn die Mietverträge auslaufen. „Das werden wir in den nächsten Monaten und Jahren noch häufiger erleben“, sagt der Inhaber des Möbelgeschäfts Boconcept und Vorstand der City-Initiative. Calida und Marc O'Polo zogen etwa innerhalb Bremens um. Heute sei es für Geschäfte einfacher, einen neuen Platz zu finden und bessere Mietkonditionen zu erzielen, sagt Brockmann. Früher habe ein Vermieter sofort Nachfolger auf der Liste gehabt. „Da hat sich der Markt schon gewandelt.“

In Bremen kommt dazu, dass die Innenstadt gerade selbst wie selten zuvor vor Veränderungen steht: Projekte wie das neue Jacobs-Haus sollen nach dem Willen der Investoren das Gesicht der City wesentlich verändern. Das bringt Dynamik.

Zeitpunkt des Einzugs steht nicht fest

Am Bremer Carrée wird schon seit langer Zeit gebaut. An der Westseite des Gebäudes, dem Ansgari-Haus, entstand in den vergangenen Monaten eine neue schwarze, markante Fassade. Die Damenmodekette Appelrath-Cüpper aus Köln will hier einziehen – wollte das eigentlich schon im Frühjahr tun. Zuletzt gab es Gerüchte über ein völliges Platzen der Ansiedlung des Anbieters hochwertiger Marken. Doch die Zusage steht offenbar. Zum Zeitplan wolle man sich im Moment nicht äußern, aber „auf jeden Fall“ werde die Filiale in Bremen eröffnet, teilt eine Sprecherin auf Anfrage mit.

Der Projektentwickler Quest aus Hamburg bestätigt, dass der Ankermieter die Flächen übernommen hat. Nur der Zeitpunkt des Einzugs stehe noch nicht fest. Wer auf der Homepage von Appelrath-Cüpper nach offenen Stellen sucht, der findet welche in Münster, Essen, Frankfurt oder Hamburg. Eine Offerte für Bremen gibt es derzeit noch keine.

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Die Ursachen für die Verzögerung scheinen aber weniger in Bremen als bei Appelrath-Cüpper selbst zu liegen. An der Spitze der Traditionskette mit 15 Häusern gibt es einen Wechsel. Das Magazin „Textilwirtschaft“ berichtete Anfang März zudem, dass zwei große Kreditversicherer ihre Garantiezusagen an Lieferanten komplett heruntergefahren hätten. Das Unternehmen bestätigte laut Bericht, allein die Situation in der Modebranche und die schlechten Geschäftszahlen seien Grund für den Rückzug der Versicherer. Schwierige Vorzeichen für einen ganz neuen Standort.

Ein Branchenkenner geht dennoch davon aus, dass Appelrath-Cüpper kommt, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist. Schließlich sei auch davon auszugehen, dass der Mietvertrag mit Quest mindestens fünf Jahre gelten werde angesichts der Investitionen in die Räume und Fassade.

Zero: "Wir sind wieder da"

Jens Ristedt freut sich auf die Zeit, wenn das Carrée wieder einen Ankermieter hat. „Das liegt uns sehr am Herzen – für das Quartier und die Bremer Innenstadt.“ Sein Modehaus liegt schräg gegenüber der zwei zuvor seit geraumer Zeit verwaisten Läden des Ansgari-Hauses. Wie Brockmann ist Ristedt im Vorstand der City-Initiative.

Im Eckladen auf der linken Seite des Carrées ist nach der Baustelle nun Leben eingekehrt. Spaces zieht ein. Stühle, Sofas und Regale sind von draußen zu entdecken. Der Anbieter von Coworking-Plätzen sitzt in Bremen bereits seit mehr als 20 Jahren am Flughafen. In den nächsten Wochen soll es laut Managerin Edna Dornauf im Ansgari-Haus losgehen. 45 Schreibtische sind geplant, Entspannung soll es auf der Dachterrasse geben. Im Juli soll im City-Gate das vierte Büro folgen.

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Neustart, Auszug und Rückkehr in der City. Die Bremer Modekette Zero ist nach der Rettung im Zuge eines Insolvenzverfahrens wieder mit einem Geschäft in der Innenstadt vertreten. Der Standort ist nicht zufällig gewählt. Der Laden in der Obernstraße war damals der erste. Zero zog sich jedoch von hier zurück. Nun setzt das Unternehmen auf den Einzelhandel und ein Geschäft in Bremen, wirbt dort: „Déjà-vu? Wir sind wieder da!“ Brockmann sieht die Geschichte in diesen Zeiten als ein positives Beispiel. Das Handelskonzept müsse von Erfolg gekrönt sein, sonst plane die Firma sicher nicht, weitere 30 Läden zu eröffnen. Das gaben die Geschäftsführer von Zero erst in der vergangenen Woche bekannt.

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