Domshof: Stadtteil-Check Viel Licht, aber auch Schatten

Die meisten der im Stadtteil-Check des WESER-KURIER Befragten leben sehr gern in Bremen-Mitte. Im Interview mit ihnen auf dem Domshof-Markt wurden aber auch einige Schattenseiten deutlich.
05.09.2022, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Viel Licht, aber auch Schatten
Von Sigrid Schuer

Ein strahlender Spätsommerhimmel wölbt sich über dem Domshof-Markt. Viele Bremerinnen und Bremer schlendern an diesem Sonnabendvormittag über den Markt, um sich für die Wochenendküche inspirieren zu lassen. Aber nicht nur lila Feigen und sonnengelbe Zucchiniblüten stoßen auf Interesse, sondern auch das Stadtteil-Check-Mobil des WESER-KURIER. Dorle Schwanke, die lange im Ostertor wohnt, und einen schönen Florentiner Hut trägt, findet "es sehr gut", dass ihre Zeitung die Bremerinnen und Bremer befragt, wie sie ihre Stadt beurteilen. Ihr Fazit: "Ich finde Bremen ganz toll, bis auf die Verschmutzung und die Kriminalität". Ein positives Urteil haben sich auch Stefan Heimers und seine Frau von Bremen gebildet, die vor vier Jahren von Hamburg ins Fedelhören gezogen sind. "Meine Frau hat hier eine feste Stelle im Opernchor des Theaters Bremen bekommen", erzählt er. "Mit unserer Wohnung haben wir großes Glück gehabt, wenn auch die Mietpreise ganz schön angezogen sind", sagt der pensionierte Lehrer und Gesangstherapeut. Die Lebensqualität beurteilt er als gut, allerdings mit einem Abstrich: Heimers sieht es wie Rolf Ameskamp aus dem Ostertor kritisch, wie Bremen mit der Drogenproblematik umgeht. "Das ist fatal für eine Stadt wie Bremen", resümiert Heimers. Die Dreistigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der hier Drogen gedealt werden würden, das kenne er aus Hamburg nicht.

Ameskamp fügt hinzu: "Ein bisschen mehr Großstadt würde ich mir für Bremen schon wünschen" und moniert, dass die Libeskind-Türme am Brill vom Senat gekippt worden seien: "Schauen Sie sich die ,Elphi' in Hamburg an, die ist ein Besuchermagnet". Mit Blick auf die Leerstände in der City fällt seine Bilanz eher ernüchternd aus: Die Kaufkraft verlagere sich zunehmend nach Hamburg, so seine Wahrnehmung. Alle Befragten sind sich allerdings einig: Das kulturelle Angebot in Bremen sei grandios, darauf könne die Stadt sehr stolz sein. Dieser Meinung ist auch Bremens Altbürgermeister Henning Scherf, der gerade auf dem Blumenmarkt einen schönen Strauß gekauft hat. Mit seiner Frau Luise wohnt er in der Rembertistraße, da sind sie an der Kulturmeile ganz nah dran. Die musikbegeisterten Scherfs nutzen das kulturelle Angebot gern und oft, gehen in die Glocke zu Musikfest-Konzerten oder ins Theater. "Ich habe immer dafür plädiert, die City mit kulturellen Angeboten attraktiver zu machen, das ist genau der richtige Weg. Denn auch die Stadtteile haben etwas davon, wenn die Innenstadt gut läuft", betont Scherf. Was er an Bremen so liebt? "Bremen ist eine Großstadt, hat aber ein kleinstädtisches Milieu, das ist eine reizvolle Mischung". Und das sehen an diesem Vormittag viele Befragte genauso. Mit Sorge schaut er allerdings auf die Mietpreis-Entwicklung. Scherf möchte besonders die älteren Mitbürgerinnen und -Bürger ermutigen, die vielen Vorzüge Bremens auch zu nutzen.

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