Anstieg von Corona-Patienten in Kliniken Bremer Kliniken rüsten auf

Bremer Klinikvertreter haben Bürgermeister Andreas Bovenschulte und Senatorin Claudia Bernhard über die Intensivkapazitäten für Corona-Patienten informiert. Wie sich die Kliniken auf den Anstieg vorbereiten.
01.04.2020, 06:00
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Bremer Kliniken rüsten auf
Von Sabine Doll

Die Krankenhäuser bereiten sich auf einen deutlichen und schnellen Anstieg von Corona-Patienten vor, die auf den Intensivstationen behandelt und künstlich beatmet werden müssen. Am Dienstag hatte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) Klinikvertreter ins Rathaus eingeladen und um einen aktuellen Sachstand gebeten. Das Gespräch sollte auch Vorbereitung für eine Telefonkonferenz an diesem Mittwoch mit den Ministerpräsidenten der Länder und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sein, wie der Sprecher der Gesundheitsbehörde, Lukas Fuhrmann, dem WESER-KURIER bestätigt.

„Ein Thema war die Versorgung mit Beatmungsgeräten, die für eine Aufstockung der Intensivkapazitäten notwendig sind. Bremen hatte eine Bestellung von 176 Geräten beim Bundesgesundheitsministerium aufgegeben, bislang ist aber immer noch nichts geliefert worden“, so Fuhrmann. In schwer betroffenen Ländern wie Italien oder China hatten sich die Kapazitäten zur künstlichen Beatmung als Nadelöhr gezeigt. Am Freitag hatte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) die Kapazität für Bremen auf 162 Intensivbetten beziffert, davon seien 75 Prozent mit Patienten belegt, die nicht an Covid-19 erkrankt seien. Zielzahl seien 180 Intensivbetten allein für Corona-Patienten.

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„Wir sind ständig damit beschäftigt, neue Stationen und Bereiche für Covid-19-Patienten zu schaffen“, sagt Karen Matiszick, Sprecherin von Bremens größtem Klinikverbund Gesundheit Nord (Geno), zu dem die Krankenhäuser Mitte, Ost, Nord und Links der Weser gehören. Vor dem Corona-Ausbruch habe es insgesamt 170 Intensivbetten in unterschiedlichen Abstufungen in den vier Kliniken gegeben, ein Großteil davon mit Beatmungsmöglichkeiten. Ebenfalls ein großer Anteil der Betten werde aber auch in der Corona-Krise für Notfälle und schwerkranke Patienten benötigt, die nicht mit dem Virus infiziert seien.

In den vergangenen drei Woche habe die Geno mehrere Maßnahmen ergriffen, um sich auf den Anstieg von Covid-19-Patienten vorzubereiten: Leer stehende Bereiche, wie etwa der Altbau am Klinikum Bremen-Mitte, würden wieder aufgerüstet, um dort zusätzliche Stationen zu schaffen. Platz und Betten seien vorhanden, so die Sprecherin. „Der Engpass sind bisher Beatmungsgeräte, zusätzliche Monitore und sonstiges Material. Unser Ziel ist es, die Zahl der Intensivbetten insgesamt zu verdoppeln.“

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Für die Dauer der nächsten Wochen werde außerdem neues Personal eingestellt: Mitarbeiter, die schon im Ruhestand seien, Ärztinnen und Ärzte aus Praxen, die jetzt weniger zu tun hätten, oder Pflegekräfte, die sich gemeldet hätten. Matiszick: „So schaffen wir einen zusätzlichen Personalpool, der die Krankenhäuser bei Bedarf gezielt entlasten kann.“ Die Geno kooperiere zudem mit der Paracelsus-Klinik Bremen und einer größeren Praxis, die Patienten zur Weiterversorgung übernehmen und parallel Ärzte und Pflegepersonal schicken.

Auch im Rotes-Kreuz-Krankenhaus (RKK) in der Neustadt wurden die Kapazitäten auf den Intensivstationen räumlich und personell erweitert, inklusive einer Trennung von Corona- und Nicht-Corona-Patienten, teilt RKK-Sprecherin Dorothee Weihe mit. Die Anzahl der Beatmungsplätze sei verdoppelt worden, eine Erweiterung sei denkbar, wenn die notwendigen Geräte von der Behörde zur Verfügung gestellt werden könnten. Reguläre Stationen wurden zu Corona-Stationen umgerüstet. Weihe: „Außerdem haben wir eine zweite Notaufnahme für Corona-Infizierte und -Verdachtsfälle mit eigener Anfahrt für den Rettungsdienst eingerichtet.“

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Die Roland-Klinik hat Ärzte und Pflegekräfte in das RKK geschickt und übernimmt im Gegenzug Patienten von regulären Stationen zur Weiterversorgung, etwa nach Operationen. Beide Häuser gehören mit dem St.-Joseph-Stift in Schwachhausen und dem Diako in Gröpelingen zu den Freien Kliniken Bremen. Die Roland-Klinik verfüge zwar nicht über Beatmungsgeräte. Dennoch gebe es Schulungen, damit das Personal andere Häuser in der Krise unterstützen kann, falls weitere Beatmungsgeräte geliefert würden, heißt auf Nachfrage. Das Haus bereite sich auch für die Aufnahme von Covid-19-Patienten vor, die nicht beatmet werden müssen. „Wir haben die Intensivkapazitäten, wie von den Verantwortlichen im Gesundheitswesen gefordert, auf 28 Plätze verdoppelt. Für Corona-Patienten, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen, haben wir eine eigene Intensivstation eingerichtet, die von der eigentlichen Einheit getrennt ist“, sagt Diako-Sprecher Ingo Hartel. Die Beatmungsplätze seien auf 16 verdoppelt worden. Für Corona-Patienten und entsprechende Verdachtsfälle hat das Krankenhaus im Bremer Westen ebenfalls eine eigene Zentrale Notaufnahme eingerichtet, darüber befinde sich eine Station mit – je nach Isolationsbedarf – zehn bis 25 Plätzen. Im Extremfall könnten drei weitere Stationen für Covid-19-Patienten eingerichtet werden. Das St.-Joseph-Stift hat seine Kapazitäten auf insgesamt 21 Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit mehr als verdoppelt und verfüge über weitere acht Überwachungsplätze, teilt Kliniksprecher Maurice Scharmer mit.

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