Jacobs-Anteile vor dem Verkauf

Jacobs soll an die Börse

Noch hält Mondelez mehr als 26 Prozent am Kaffee-Konzern Jacobs Douwe Egberts. Die will das Unternehmen langfristig aber verkaufen. Denn Mehrheitseigener Reimann will diesen Teil ihres Kaffeegeschäfts an die Börse bringen.
23.04.2019, 23:37
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Jacobs soll an die Börse
Von Florian Schwiegershausen
Jacobs soll an die Börse

Über dem ehemaligen Mondelez-Gebäude steht wieder der Schriftzug Jacobs. Doch bald will Mondelez seinen 26-Prozent-Anteil an Jacobs Douwe Egberts verkaufen.

Anna Zacharias

Bald sollen die Unternehmen Mondelez und Jacobs Douwe Egberts (JDE) endgültig getrennte Wege gehen. Das hat der Mondelez-Vorstandsvorsitzende Dirk van de Put in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ gesagt. Darin sagte der Belgier: „Offensichtlich haben wir uns strategisch entschieden, kein Kaffeeunternehmen sein zu wollen. Sie können also damit rechnen, dass wir langfristig die Beteiligung verkaufen.“ Im derzeitigen Augenblick sehe van de Put dafür aber keinen Grund.

Momentan hält Mondelez noch eine Minderheit von mehr als 26 Prozent an JDE. Die Mehrheit gehört der Familie Reimann mit ihrer JAB-Holding. Deren Ansinnen ist es, diese Kaffeesparte an die Börse zu bringen. Nach Angaben von JDE-Sprecher Dirk Friedrichs soll das in den nächsten zwei bis drei Jahren der Fall sein: „Diese Absicht hat unsere Holding JAB ja bereits im Februar bekanntgegeben, einige ihrer Kaffeegeschäfte an die Börse zu bringen.“ Ein solcher Zeitplan würde laut Friedrichs im Einklang mit JABs langfristiger Philosophie stehen, führende globale Unternehmen an der Börse zu listen.

1500 Mitarbeiter bundesweit

Das heißt aber nicht, dass sich die Familie Reimann damit von Marken wie Jacobs oder Senseo verabschieden werde. „Seit 2012 ist JAB ein wichtiger Bestandteil unserer Eigentümerstruktur und beabsichtigt, auch nach einem möglichen Börsengang ein langfristiger Investor zu bleiben“, ergänzte Friedrichs. Konkrete Entscheidungen für den Börsengang gebe es noch nicht. Aber den Plan gibt es. Zumindest in Bremen ist die räumliche Trennung der beiden Unternehmen längst vollzogen. So ist Mondelez im vergangenen Sommer von der Neustadt in die Überseestadt gezogen. JDE residiert weiter in den Räumen an der Langemarckstraße – im Schatten des Bürogebäudes, das früher Mal der Röstturm des Kaffee-Familienunternehmens Jacobs gewesen ist.

Der Bremer JDE-Standort ist weiterhin für das Geschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz verantwortlich. Bundesweit beschäftigt JDE etwa 1500 Mitarbeiter. Mondelez und JDE gingen 2012 aus der Aufspaltung von Kraft Foods hervor, die 2014 abgeschlossen wurde. Zu dem Zeitpunkt kam es auch zu einem Zusammenschluss von Jacobs und Douwe Egberts, woran die Familie Reimann mit ihrer JAB-Holding die Mehrheit hat.

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JAB steht für Johann A. Benckiser, der 1851 zusammen mit Karl Ludwig Reimann eine Chemiefabrik in Ludwigshafen gründete. Das war der Start für das milliardenschwere Imperium der Familie Reimann, zu dessen Erfindungen im 19. Jahrhundert das Mittel Calgon gehörte, einem Wasserentkalker für Waschmaschinen.

An den Ursprüngen, dem Unternehmensteil Reckitt-Benckiser, halten die Reimanns nur noch einen Anteil von sechs Prozent. Darum geht es auch allgemein beim Geschäft der JAB-Holding: Wo lohnt es sich, Teile zu verkaufen oder an die Börse zu bringen, und andere Teile zu kaufen? Dass das nicht immer gut funktioniert, zeigt das vergangene Jahr. In der Zeit hat JAB laut „Handelsblatt“ durch den gefallen Aktienkurs bei der Kosmetiktochter Coty eine Milliarde Euro des Werts verloren.

Eine dunkle Vergangenheit

Familie Reimann kann das wohl verkraften – angesichts eines Vermögens, das auf 34 Milliarden Euro geschätzt wird. Dennoch verabschiedete sich Bart Becht Anfang des Jahres als einer der drei JAB-Chefs mit 62 Jahren plötzlich in den Ruhestand. Auch wenn die Beteiligungen von JAB innerhalb der Konsumgüter breit aufgestellt sind, sind zusätzliche Einnahmen durch einen Börsengang von Jacobs Douwe Egberts nicht von Nachteil.

Der Reichtum der Familie Reimann hat aber eine dunkle Vergangenheit, wie in den vergangenen Monaten ans Licht gekommen ist. So sollen Albert Reimann senior und Albert Reimann Junior in der Zeit von 1933 bis 1945 glühende Nazis gewesen sein. Bereits 1931 spendeten die Reimanns Geld an Hitlers SS, wie die „Bild“ berichtete. Während des Zweiten Weltkriegs gab es eine ganze Reihe von Zwangsarbeitern in den Fabriken von Reimann. 1943 sollen es 175 gewesen sein, was einem Anteil von 30 Prozent entsprach.

Dieses Kapitel hat die JAB-Holding dazu veranlasst, es vom Wirtschaftshistoriker Paul Erker von der Uni München aufarbeiten zu lassen. Erst vor einem Monat sagte der Familiensprecher und Chef der JAB Holding, Peter Harf: „Reimann senior und Reimann junior waren schuldig. Die beiden Unternehmer haben sich vergangen, sie gehörten eigentlich ins Gefängnis.“ Reimanns beteiligten sich an der im Jahre 2000 gegründeten „Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft“ mit einer Summe von fünf Millionen Euro, die ehemalige NS-Zwangsarbeiter entschädigen und Projekte zur Versöhnung fördern sollte.

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