Neubaugebiet in Bremen wächst weiter Neue Häuser für den Stadtwerder

Es wird immer noch eifrig gebaut auf dem Stadtwerder rings um den Wasserturm. Während die einen noch an den Häusern werkeln, machen sich andere Gedanken um die Integration der Bewohner in die übrige Neustadt.
11.09.2019, 16:48
Lesedauer: 4 Min
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Von Karin Mörtel

Baumaschinen gehören auf dem Bremer Stadtwerder seit Jahren zum Alltag. Seit 2010 entsteht auf dem ehemaligen Wasserwerks-Gelände ein neues Wohngebiet, das immer noch nicht fertig ist. Aktuell zieht die Wohnungsbaugesellschaft Brebau die nächsten Mehrfamilienhäuser an der Straße Tanzwerder hoch. Und auch für die weiteren leeren Baufelder auf dem Gelände neben dem historischen Wasserturm gibt es von der „Projektgesellschaft Stadtwerder“ einen Zeitplan, bis das letzte Haus fertig sein soll. Am verlassenen Pumpwerk vor dem „umgedrehte Kommode“ genannten Wasserturm sind derzeit ebenfalls Handwerker im Einsatz. Auf ein Konzept für den hoch aufragenden Backstein-Turm müssen die Bremer allerdings weiterhin warten.

Die swb hatte 2007 100.000 Quadratmeter Bauland am Wasserturm auf dem Stadtwerder an zwei Bietergemeinschaften verkauft. Mit zehn Jahren Bauzeit rechneten die Investoren damals, bis das letzte Haus fertig ist. Für die Projektgesellschaft Stadtwerder (PGS) ist spätestens seit 2013 klar, dass das nicht zu schaffen ist. In dem Zusammenschluss sind die Wohnungsbaugesellschaften Brebau, Gewoba, Gesellschaft für wirtschaftliches Bauen (GWB) sowie die Espabau beteiligt. Weil im mittleren Baufeld neben der umgedrehten Kommode keine ausreichende Nachfrage an den geplanten Reihenhäusern bestand, werden dort nun sechs Mehrfamilienhäuser entstehen.

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„Die Umplanung hat uns viel Zeit gekostet, aber nun gehen die Arbeiten zügig voran“, sagt Bernd Botzenhardt, Vorsitzender der Brebau. In dem ersten der sechs Häuser sind die Eigentümer erst kürzlich eingezogen, zwei weitere sollen Ende des Jahres beziehungsweise im Mai 2020 bezugsfertig sein. Sie stehen alle zwischen den bereits fertigen Einfamilienhäusern an der kleinen Weser und den neuen Wohnblöcken zur großen Weser hin. Je 14 Eigentumswohnungen sind darin in vier Geschossen untergebracht, das Obergeschoss ist zurückgesetzt gebaut, damit die Häuser nicht zu wuchtig wirken.

Streit mit Nachbarn beigelegt

Denn einige Besitzer der angrenzenden Einfamilienhäuser waren gar nicht erfreut, als sie erfahren haben, dass es nur bei der einen Reihenhauszeile an der Straße „Wasserkunst“ bleiben soll. Und damit deutlich mehr Bewohner in höhere Häuser als angenommen in die Nachbarschaft ziehen werden. Es kam sogar zu einer Klage deswegen. Mit einer „Nachbarschaftsvereinbarung“ einigten sich die Baufirmen mit den Anwohnern 2014 daraufhin auf folgende Lösung: Die Brebau verzichtete auf das fünfte Stockwerk auf den Häusern und baut nun mehrere kleine Tiefgaragen anstatt einer großen.

„Seitdem konnten wir den Konflikt beilegen und sind im guten Gespräch mit den Anwohnern“, erklärt Botzenhardt. Mit Abstand von etwa einem halben Jahr sollen nun auch die drei noch fehlenden Häuser errichtet werden. Die Baugenehmigung für das nächste Haus an der Stirnseite des Baufeldes ist bereits erteilt, im März werden die Arbeiten beginnen. Es ist ein Mietshaus mit 27 Wohnungen, „die wir trotz Neubau zur Hälfte in dieser Toplage zu deutlich vergünstigten Konditionen anbieten werden zu einem Quadratmeterpreis von 8,40 Euro “, hebt Botzenhardt hervor. Das sei eine Vereinbarung mit dem ehemaligen Bausenator Joachim Lohse (Grüne) gewesen.

Im Mai 2023 sollen laut Plan die Bauarbeiter dann endgültig abrücken. Denn bis dahin will auch die GWB ihr Haus neben der umgedrehten Kommode fertig haben. „Wir stimmen die Arbeiten aufeinander ab und enden zeitgleich, um die Dauer der Belastung durch die Baustellen für die Bewohner so gering wie möglich zu halten“, sagt GWB-Geschäftsführer Gerd Lüken. Weil bis zum Baubeginn noch etwas Zeit ist, sei aber noch unklar, ob die 30 Wohnungen der GWB vermietet oder verkauft werden sollen.

Die Gewoba hat ebenfalls bis vor kurzem an ihrem zweiten Haus am Tanzwerder gewerkelt. Es beherbergt nun eine Kindertagesstätte sowie eine Pflegewohngemeinschaft und eine Tagespflegeeinrichtung für Senioren, die von der Bremer Heimstiftung geleitet werden. Über 60 Mietwohnungen sind insgesamt in den beiden Neubauten der teilstädtischen Wohnungsbaugesellschaft auf dem Stadtwerder entstanden.

Fahrradbrücke und Busanbindung gewünscht

Für die Neustädter Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon bietet die Idee einer zusätzlichen Fahrradbrücke über die kleine Weser große Chancen dafür, die neuen Bewohner noch besser in den Stadtteil einzubinden. „Die Anbindung würde durch die neue Brücke so dicht werden wie noch nie“, so Czichon. Was zunächst eher Wunschdenken des Beirates gewesen sei, habe sich nun zu konkreten Ideen gemausert, die umsetzbar erscheinen.

Mit einer Busanbindung könnten die neuen Stadtwerder-Bewohner aber mittelfristig nicht rechnen. Das hatte das Stadtteilparlament bereits mehrfach gefordert, ist aber aus Kostengründen abgelehnt worden. Auch Botzenhardt von der Brebau würde eine Busanbindung begrüßen, gesteht aber auch ein: „Das Thema ist nicht vordergründig für uns auf dem Stadtwerder, da haben wir in der Überseestadt deutlich größere Probleme.“

Abseits der großen Häuser, die noch in die Höhe wachsen, erregt momentan auch eine verhältnismäßig kleine Baustelle große Aufmerksamkeit: Die Arbeiten an dem verlassenen Pumpenhaus direkt vor der umgedrehten Kommode. Das Haus soll demnächst Büros beherbergen, dafür werde es saniert und umgebaut, gibt Sven Gless als einer der Bauherren Auskunft. Nachbarn äußerten gegenüber unserer Zeitung ihre Sorge um die Einhaltung des Denkmalschutzes.

Doch da kann der Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki beruhigen: Zwar sei nur der Wasserturm selbst mit dem Maschinenhaus nebenan denkmalgeschützt, „aber für das Pumpenhaus gilt ein Umgebungsschutz, daher haben wir uns die Pläne angeschaut und zugestimmt“, sagt Skalecki.

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