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Bremer Start-up verkauft Burger aus Käferlarven

Das Bremer Start-up Bold Foods stellt Burger aus Käferlarven her. Wie die beiden Firmengründer auf die Idee gekommen sind, und weshalb ihnen die Verpackung schlaflose Nächte bereitet hat.
11.05.2019, 21:45
Lesedauer: 3 Min
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Von Ilias Subjanto
Bremer Start-up verkauft Burger aus Käferlarven

Für Krader und Kockerols war es ein durchaus langer Weg, bis ihre Patties in den Kühlfächern der Supermärkte gelandet sind.

Bold Foods

Wenn ein Bremer Start-up-Unternehmen Hamburger-Bratlinge auf den Markt bringt, ist das normalerweise kaum eine Meldung wert. Ein Blick auf die Zusammensetzung dieses Lebensmittels sorgt jedoch allerorten für Erstaunen: Die sogenannten „Pattys“ bestehen zu einem Drittel aus Insektenprotein.

Im Februar 2019 ist das Bremer Unternehmen Bold Foods mit dieser Spezialität an den Markt gegangen. Taxonomisch nicht ganz korrekt ist auf der Webpräsenz und auf Produktflyern von „Buffalowürmern“ die Rede, Würmer sind allerdings keine Insekten. Gemeint sind die Larven des „Glänzendschwarzen Getreideschimmelkäfers“, die aus Marketinggründen und der Einfachheit halber zu Würmern gemacht wurden. Tex Mex, Reis und Spinat lauten die Geschmacksrichtungen, in denen die Pattys erhältlich sind.

Die Leidenschaft für gutes Essen

Federico Krader und Marlo Kockerols sind die kreativen Köpfe hinter Bold Foods. Mit der Entomophagie, also dem Verzehr von Insekten, hatten die zwei Firmengründer ursprünglich nichts zu tun: Beide sind Betriebswirte und kommen aus der Finanzbranche. Krader ist Halb-Italiener und hat nach eigener Aussage „die Leidenschaft für gutes Essen schon in meiner DNA“. Als bekennender Flexitarier konsumiert er nur selten Fleisch, ihm ist eine bewusste Ernährung, aber auch die Nachhaltigkeit in der Lebensmittelproduktion wichtig. Diese Haltung teilt er mit seiner Geschäftspartnerin Marlo Kockerols. Sie hatte aufgrund diverser Nahrungsmittelunverträglichkeiten – unter anderem einer Sojaallergie – eine gewisse Unzufriedenheit bei dem in Deutschland vorhandenen Lebensmittelangebot entwickelt.

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Die Idee zu den unkonventionellen Burgern kam Kockerols und Krader im vergangenen Jahr. „Herzhaft und lecker sollte es schmecken, innovativ und klimafreundlich sollte es auch sein“, so Kockerols. Auf der Suche nach einer leckeren und nahrhaften Variante zu Fleischpatties fanden die beiden Gründer mit den Buffalowürmern eine alternative Proteinquelle. Gemeinsam mit einem Produktentwickler tüftelten sie an Rezepturen für den deutschen Markt. Laut Krader habe eine Marktanalyse ergeben, dass in Deutschland eine wachsende Nachfrage nach Fleischersatzprodukten vorhanden sei, was auch Lebensmittel aus Insekten einschließe.

„Wir setzen ganz auf den Megatrend ‚Gesunde Ernährung‘“, sagt Krader. Jahrzehntelang habe die deutsche Bevölkerung beim Essen in erster Linie auf den Preis geschaut, jetzt würden Themen wie Qualität und Nachhaltigkeit dominieren. Auch die Massentierhaltung werde heute viel kritischer gesehen als noch vor zehn Jahren. Dass Unternehmen wie Impossible Foods, Beyond Meat oder Garden Gourmet Fleischersatzprodukte aus pflanzlichen Proteinen anbieten, sieht Krader kritisch: „Oftmals wird Soja als Proteinersatz verwendet.“ Der Sojaanbau sei aus ökologischer Sicht hochproblematisch, zudem würden bei der Zubereitung dieser Produkte überdurchschnittlich viele chemische Inhaltsstoffe eingesetzt.

Ökologischer Fußabdruck kleiner

Kockerols preist den hohen Gehalt an Proteinen, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen in ihren Insektenpatties an. Außerdem würden ihre Produkte im Vergleich zu einem Fleischburger einen viel kleineren ökologischen Fußabdruck hinterlassen. 200 Gramm Insektenbratling kosten mit 5,49 Euro mehr als doppelt so viel wie ein gleichschweres Fleischpatty – angesichts des deutlich geringeren Ressourcenverbrauchs, mit dem Bold Foods offensiv wirbt, erscheint der Preis widersinnig hoch. Krader erklärt diese Diskrepanz mit Forschungs- und Entwicklungskosten seines Start-ups und mit der „riesigen Massentierhaltung“, die der fleischproduzierenden Industrie zahlreiche Kostenvorteile bescheren würde. Er geht davon aus, seine Pattys mittelfristig günstiger anbieten zu können, sobald diese sich am Markt richtig etabliert haben. Es sei nicht geplant, die Insektenburger als hochpreisiges Premiumprodukt zu verkaufen.

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Hergestellt werden die Patties in den Niederlanden; im Firmensitz in Bremen finden lediglich Organisation und Vertrieb statt. „Im Produktionswerk werden Wasser, Insektenprotein und Gewürze in einem großen Mixer vermengt. Die fertige Masse wird dann maschinell zu Pattys geformt“, erklärt Kockerols. „Das ist im Prinzip der gleiche Produktionsprozess wie bei Fleischpatties.“ Anschließend werden die Patties frittiert und tiefgekühlt. Im Zentrallager in Deutschland werden sie schließlich verpackt und zum Handel transportiert. Erhältlich sind die Insektenburger deutschlandweit bei Kaufland, in Einkaufsmärkten der Globus-Kette und in zehn Märkten von Real.

Für Krader und Kockerols war es ein durchaus langer Weg, bis ihre Patties in den Kühlfächern der Supermärkte gelandet sind. Für die Zulassung der Produkte galt es, einige bürokratische Hürden zu nehmen, beispielsweise die Novel-Food-Verordnung der Europäischen Union. Als unerwartet knifflig stellte sich für die Firmengründer die Verpackungsgestaltung heraus: „Hier gibt es genaue Vorgaben, wie so eine Verpackung beschriftet sein muss“, sagt Kockerols. Das habe sie einiges an Lehrgeld und manche schlaflose Nacht gekostet, ergänzt ihr Geschäftspartner, der für sich festgestellt hat: „Unternehmer sein ist kein Kinderspaziergang.“

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