„Musik und Licht am Hollersee“ Mit Feuerwerksmusik in die Nacht

Am Sonntag ist es wieder soweit: Bei „Musik und Licht am Hollersee“ wird am Ende „Der Mond ist aufgegangen“ angestimmt. Rund 20.000 Menschen werden zu dem Konzert-Event erwartet.
02.09.2019, 20:10
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Mit Feuerwerksmusik in die Nacht
Von Sigrid Schuer

Die Fridays-for-Future-Bewegung hat auch das Jungendsinfonieorchester Bremen-Mitte erreicht. „Jasper Seibert, der früher in unserem Orchester Cello gespielt hat, kommt nur für diesen einen Abend aus Helsinki, um 'Musik und Licht am Hollersee' zu moderieren. Wie sich das gehört mit Schiff und Bahn“, erzählte Martin Lentz, Dirigent und Leiter des Jugendsinfonieorchesters (JSO) auf einer Pressekonferenz im Schweizer Haus im Bürgerpark. Das zeigt die große Verbundenheit der Orchestermitglieder miteinander. Die meisten beginnen mit 14 Jahren im Jugendsinfonieorchester zu spielen, bleiben bis zum Abitur und oft sogar noch darüber hinaus, weil ihnen der Abschied doch zu schwer fällt.

Höhepunkt eines jeden Konzertjahres ist die stimmungsvolle Großveranstaltung „Musik und Licht am Hollersee“, die an diesem Sonntag, 8. September, eine halbe Stunde früher als sonst, um 19.30 Uhr, vor dem Park Hotel über die Bühne geht. „Vor rund 20 000 Menschen zu spielen, das ist schon etwas ganz Besonderes“, beschreibt der junge Cellist Philipp Heise „dieses Gänsehautgefühl“. Dementsprechend geben die 80 jungen Musikerinnen und Musiker beim „Musik und Licht“-Wochenende alles. Am Freitag und Sonnabend wird stundenlang geprobt, dann folgen Soundcheck und Konzert. „Ja, und dann spielen wir noch Dvoraks Sinfonie 'Aus der neuen Welt' auf CD ein“, ergänzt der junge Cellist. Als Klassiker stehen auch dieses Mal wieder der „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß und natürlich die „Feuerwerksmusik“ von Georg Friedrich Händel auf dem Programm.

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Am Ende des gut zweieinhalbstündigen Konzertes steigen dann wie in jedem Jahr Feuerwerkskaskaden in den Himmel, die sich im lackschwarzen Hollersee spiegeln. Und selbstverständlich wird ganz zum Schluss gemeinsam das Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“ von Franz Schubert und Matthias Claudius angestimmt.

Ganz so, wie es auch in den baltischen Staaten und in Schweden eine schöne Tradition ist, gemeinsam zu singen. Von den musikbegeisterten Schweden und Dänen sei das junge Orchester mit viel Enthusiasmus aufgenommen worden, blickt Martin Lentz auf die Reise zurück, die das Jugendsinfonieorchester zu Beginn der Sommerferien unternommen hat. Wie immer klimafreundlich per Bus versteht sich. Sieben Konzerte gaben sie unter anderem in Kopenhagen, Stockholm und Linköping. „Wir haben von den Skandinaviern so viele schöne Dankesmails erhalten, das sind wir ja in Bremen nicht unbedingt so gewohnt“, bilanziert Philipp Heise. So begeistert die Bremerinnen und Bremer seit 30 Jahren auch ihr „Musik und Licht am Hollersee“ feiern mögen.

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Skandinavien-Tournee als Generalprobe

Die Tournee durch Skandinavien war quasi die Generalprobe für das Konzert-Event „Musik und Licht am Hollersee“. Schon dort interpretierten die jungen Musiker das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 von Dmitri Schostakowitsch mit dem Pianisten Niklas Woebs und Antonín Dvoraks Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Am Sonntag sind jeweils zwei Sätze aus den Sinfonien zu hören, sowie, als Reverenz an Dänemark die „Hamlet-Ouvertüre“ des Kopenhagener Komponisten Niels Wilhelm Gade. Inzwischen ist es eine schöne Tradition, dass auch ein Solist des Theaters Bremen bei „Musik und Licht“ auftritt. Wie schon 2016 wird das in diesem Jahr der Bass Christoph Heinrich sein. Er singt Arien aus Wolfgang Amadé Mozarts „Don Giovanni“ und Amilcare Ponchiellis Oper „La Gioconda“. In der zweiten Konzerthälfte kommen dann die Filmmusik-Fans auf ihre Kosten.

Rund 20.000 begeisterte Menschen, die allein im vergangenen Jahr zu „Musik und Licht am Hollersee“ pilgerten: „Dieses Gratis-Konzert ist die beste Werbung für den Bürgerpark und ein Geschenk an unsere Gäste“, betont denn auch Bürgerparkdirektor Tim Großmann. Auch wenn die Großveranstaltung mit einem Volumen von mehreren 10 000 Euro eine finanzielle Zuschussveranstaltung für den Park sei. Die Einnahmen aus dem Verkauf der Fackeln und die Spenden, die die Mitglieder der Sinfonietta, des Juniororchesters des Jugendsinfonieorchesters, am Sonntagabend sammeln, werden zwischen dem Freundeskreis des Orchesters und dem Bürgerparkverein aufgeteilt.

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Unterstützung per Charity-SMS ist seit vergangenem Jahr ebenfalls möglich unter: 81190, Stichwort „Bürgerpark“, fünf Euro / SMS. Das Orchester sei auf diese Einnahmen angewiesen, um seine Konzert-Projekte und -Reisen bezahlen zu können, da es vom Bremer Senat keinen Cent an finanzieller Unterstützung dafür bekäme. „Und ich gehe mit dem Orchester nicht auf Reisen, wenn auch nur ein Mitglied aus finanziellen Gründen nicht daran teilnehmen kann“, betont Martin Lentz. Lediglich seine Stelle als Leiter des Jugendsinfonieorchesters ist im Bremer Budgetplan vorgesehen. Ansonsten müssten Drittmittel und Projektgelder des Bundes eingeworben werden, so der Dirigent.

Logenplätze fast ausverkauft

Die Bereitstellung von Technik und Bühne stemmt der Bürgerparkverein mit Hilfe diverser Sponsoren allein. Bis auf wenige Restkarten bereits ausgebucht sind die Logenplätze vor dem Dorint Park Hotel, die zwölf Euro kosten. Sonst gilt wie in jedem Jahr am Hollersee: Frühzeitiges Kommen sichert die besten Plätze. „Ich habe auch schon Leute erlebt, die gegen 14 Uhr ihre Picknickdecken am Hollersee ausgebreitet haben“, sagt Tim Großmann mit einem Schmunzeln. Anders als beim „Sommer in Lesmona“ ist es allerdings nicht erlaubt, Camping-Stühle und -Tische mitzubringen. „Das sind nämlich Stolperfallen“, betont Tim Großmann.

Das Technische Hilfswerk stellt eigens mobile Fahrradständer auf der Bürgerweide zur Verfügung. Der Bürgerparkdirektor hat bereits 2018 das Sicherheitskonzept überarbeitet. „Damit wir für den Fall der Fälle abgesichert sind, etwa wenn das Gelände wegen eines Gewitters schnell geräumt werden muss“, erläutert Großmann. Die Hollerallee wird wie immer am Sonntag wegen des Konzert-Events gesperrt sein.

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