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Ursache Mensch Rattenplage in der Vahr

Ratten in der Vahr: Die vierbeinigen Nager sind nicht nur nachts, sondern auch tagsüber zu sehen. Die Ursache für das Problem liegt im Verhalten der Menschen.
16.05.2024, 05:38 Uhr
Lesedauer: 4 Min
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Rattenplage in der Vahr
Von Christian Hasemann
Inhaltsverzeichnis

Dort, wo Menschen hinziehen, folgen sie unausweichlich: Ratten. Meist leben sie unbemerkt im Untergrund, doch in der Neuen Vahr Nord huschen sie inzwischen auch am Tage über die Straßen und durch die Grünanlagen.

Welche Straßen sind betroffen?

Betroffen sind offenbar vor allem die Bereiche rund um das Mittelkampsfleet an der Karl-Kautsky-Straße und die Carl-Severing-Straße, aber auch die Adam-Stegerwald-Straße. Anwohner berichten davon, dass Ratten im Wasser, im Gebüsch und auf der Straße zu beobachten seien.

Andreas Wasjuta wohnt in der Vahr und kann das muntere Treiben beobachten. "Am Mittelkampsfleet am Grünstreifen kann man sie sehen." Wasjuta wandte sich an die zuständigen Behörden. Oder besser: wollte sich wenden. "Ich habe viermal geschrieben, aber erst beim letzten Mal überhaupt eine Antwort bekommen."

Keine Behörde fühle sich offenbar so richtig zuständig. "Irgendwie ist der Grünstreifen herrenlos." Der Deichverband ist für das Mittelkampsfleet zuständig, der Umweltbetrieb Bremen (UBB) für die Grünanlagen, Immobilien Bremen (IB) für Rattenprobleme auf öffentlichen Grund und das Gesundheitsamt Bremen ganz allgemein für die Beratung bei Ungezieferbefall. Auf Privateigentum wiederum sind die jeweiligen Eigentümer zuständig. In der Vahr ist das bei den meisten Mehrgeschosswohnungen die Gewoba.

Dort sieht Wasjuta einen Teil des Problems, denn einige Mieter würden ihren Müll nicht in, sondern vor den entsprechenden Müllbehältern abstellen. Im wahrsten Sinne ein gefundenes Fressen für Ratten.

Das sagt das Ortsamt

Ortsamtsleiter Ralf Möller sagt, dass das Problem im Ortsamt bekannt ist. "Das Ortsamt hatte bereits vor einigen Wochen mit dem Deichverband Kontakt aufgenommen, damit dieser die kaputten 'Entenfütterverbotsschilder' erneuert." Dieser sei sehr kooperativ, so Möller, "dennoch: Das Entenfüttern verstärkt das Problem weiterhin." Bürgerinnen und Bürger können laut Möller Hinweise auch direkt an das Ortsamt geben. Möglich sei zudem, direkt Kontakt mit dem Gesundheitsamt aufzunehmen.

Das sagt das Gesundheitsamt

Auch dem Gesundheitsamt Bremen sei der Fall bekannt, heißt es auf Nachfrage. Beschwerden würden an die zuständigen Stellen wie Immobilien Bremen, Ordnungsamt und an die Bremer Stadtreinigung weitergeleitet. "Das Gesundheitsamt ist bei Rattenbefall eine beratende, keine ausführende Behörde."

Ratten seien potenzielle Überträger zum Beispiel für das Hantavirus, Leptospirose oder Darmerkrankungen. Ihr schlechter Ruf als Krankheitsüberträger beruht unter anderem auf der Vergangenheit. Ratten gelten als Überträger des Pest-Bakteriums, das Ursache für die Pestepidemien im Mittelalter war.

Auf keinen Fall sollten Anwohner tote Ratten mit den Händen anfassen, betont das Gesundheitsamt. Es sei ratsam, sie mit einer Schaufel aufzusammeln und sie in der Restmülltonne zu entsorgen - Restmüll wird verbrannt. Bei Befall auf eigenem Grund sollte immer ein professioneller Betrieb beauftragt werden. "Nur diese haben Zugang zu notwendigen Maßnahmen", so eine Sprecherin.

Das sagt Immobilien Bremen

Immobilien Bremen ist zuständig für öffentliche Gebäude in Bremen. Also auch für die angrenzende Kita am Mittelkampsfleet. Allerdings seien noch keine Meldungen zu einem Rattenbefall eingegangen, sagt ein Sprecher. IB werde vor Ort nachfragen. Grundsätzlich biete Immobilien Bremen als Dienstleistung Rattenbekämpfung im öffentlichen Raum an. Allerdings sei IB nicht für alle städtischen Flächen zuständig. Die beauftragten Schädlingsbekämpfer benutzten in der Regel Giftköder. Diese seien effizient und würden den Gegebenheiten angepasst.

Das können Anwohner tun

Ratten, Mäuse und andere Nagetiere werden durch Vermüllung und Wildtierfütterung sowie zurückgelassene Essensreste angelockt und dadurch animiert, sich in diesen Bereichen aufzuhalten, heißt es vom Gesundheitsamt. Sprich: Das gut gemeinte Füttern am See oder vor der Haustür von Tauben oder Enten verstärkt das Problem.

Umgekehrt bedeutet dies, dass auf das Füttern von Enten und Tauben verzichtet werden sollte und dass Gelbe Säcke keine Essensreste enthalten sollten. Ein weiterer Verhaltenstipp: Essensreste nicht in überquellende Mülleimer entsorgen und nicht die Toilette hinunterspülen.

Auch die Bremer Stadtreinigung empfiehlt, keinerlei Müll außerhalb geeigneter Großgefäße an der Straße abzustellen. "Vor allem nicht in Tüten", sagt ein Sprecher. Sollten Müllbehälter voll sein, sollten Mülltüten bis zur Leerung in der Wohnung gelagert werden. Grundsätzlich sei die DBS in dem Fall in der Vahr nicht zuständig.

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Gibt es Alternativen zu Gift?

Das Umweltbundesamt sieht den Einsatz von Gift bei Rattenbefall kritisch. In einer Studie von 2020 heißt es, dass das Gift in Fischen und Wasserlebewesen nachgewiesen werden konnte. Das Gift wird durch Regenwasser und Abwässer aus den Ködern, die zum Beispiel in oder an der Kanalisation hängen und aufgestellt werden, in den Wasserkreislauf gebracht.

Das Amt setzt mit der Kampagne "Karma" auf Aufklärung und Vorsorge, um insbesondere Nahrungsquellen, also Essensreste oder achtlos weggeworfenen Müll für die Tiere zu verringern. Dieser Ansatz funktioniert aber nur, wenn sich Bürgerinnen und Bürger tatsächlich danach verhalten - in der Vahr ist das nicht bei allen und nicht überall der Fall.

Tatsächlich gibt es aber weitere Alternativen zum Einsatz von Gift. So wird in der Zeitschrift Kommunaltechnik für rattensichere Kanaldeckel geworben. Diese sollen verhindern, dass Ratten diese nutzen, um aus der Kanalisation an die Oberfläche aufzusteigen, und so die Population dezimieren.

Info

Bei Ungeziefer auf öffentlichem Grund können sich Bürgerinnen und Bürger an das Gesundheitsamt Bremen unter der Telefonnummer 36115551 wenden. Die Kontaktaufnahme ist auch per E-Mail an ortshygiene@gesundheitsamt.bremen.de möglich. Auf privaten Grund sind die jeweiligen Eigentümer zuständig. Weitere Tipps, um Ratten- und Mäusebefall vorzubeugen, gibt es außerdem auf der Seite www.gesundheitsamt.bremen.de/rattenbekaempfung-24174.

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