Architektur folgt Pädagogik Moderne Kita-Architektur für die Vahr

In der August-Bebel-Allee sind die ersten Gruppen in einen modernen Kita-Neubau eingezogen. Noch kann das Haus aber wegen Personalmangels nicht seine volle Kapazitäten ausnutzen.
28.01.2021, 05:00
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Moderne Kita-Architektur für die Vahr
Von Christian Hasemann

Lange hat die Vahr auf die Kita in der August-Bebel-Allee warten müssen. Nun sind die ersten Gruppen in den hochmodernen Neubau eingezogen und haben dort erst einmal viel Platz: Denn der Personalmangel bei Erziehern und pädagogischen Fachkräften führt dazu, dass die Kapazitäten des Hauses nicht voll ausgenutzt werden können. Dabei warten in der Vahr noch immer Kinder auf einen Kita-Platz.

Die Kita in der August-Bebel-Allee hat eine lange Vorgeschichte. Tatsächlich war der Baubeginn der Kita für das Jahr 2017 geplant, damals ein Versprechen der damaligen Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Es kam aber immer wieder zu Verzögerungen bei dem Projekt auf dem sogenannten Ampelspielplatz. 2017 wurde der Bebauungsplan für das knapp 6000 Quadratmeter große Grundstück vorgestellt. In dem L-förmigen, zweistöckigen Gebäude mit einer Nutzfläche von knapp 1800 Quadratmetern in Passivhausbauweise können maximal 160 Kinder betreut werden. Auf den zwei Stockwerken finden sich Gruppenräume, ein Eingangsbereich und der Verwaltungsbereich, der zu Schließzeiten auch für andere Angebote benutzt werden kann, sowie Differenzierungsräume und der Technikraum. Dazu kommt eine voll ausgestattete Küche. Kurz vor Weihnachten hat das Bauunternehmen das Gebäude dem städtischen Träger Kita Bremen übergeben – nach gerade einmal knapp einjähriger Bauzeit.

Kritik an den Plänen, die überdies im weiteren Verlauf noch einmal leicht verändert wurden, gab es damals von Anwohnern. Ihnen war der Abstand von 22 Metern zu ihren Häusern zu gering. Sie hatten Angst vor dem möglichen Schattenwurf.

Regina Dagge, Leiterin des Hauses, ist von der Architektur und der Bauausführung beeindruckt. „Das wurde super geplant und der Bau ebenso gut ausgeführt. Hier ist ein super Haus entstanden.“ Noch seien allerdings ein paar Arbeiten zu erledigen. „Wir gestalten und entwickeln noch Sachen, damit es schön und einladend wird.“ Unter anderem bekomme der Krippenbereich noch eine Schlafebene. „Aber das dauert nicht mehr lange.“

Erst am 11. Januar sind die vier Gruppen aus der Container-Kita in der August-Bebel-Allee in die neuen Räume umgezogen. Am 1. Februar startet dann eine weitere Ü3-Gruppe. Damit bliebe theoretisch noch Platz für drei weitere Gruppen im Haus. Damit könnte der Bedarf an Kita-Plätzen – derzeit sind es knapp 80 unversorgte Kinder in der Vahr – gedeckt werden. Doch an dieser Stelle wirkt sich der Fachkräftemangel aus. „Uns fehlt leider das Personal“, so Dagge. „Aber wir gehen davon aus, dass wir nach den Sommerferien mit den weiteren Gruppen starten können.“ Für die Organisation der Arbeit sei es ganz gut, dass das Haus erst nach und nach mehr Gruppen bekommt. „Es ist ein Riesenhaus, in das man sich erst einmal einleben muss“, so Dagge.

Im Gruppendienst fehlen nach Auskunft des Bildungsressorts beim städtischen Träger Kita Bremen derzeit 40 Mitarbeiter, die allerdings durch 34 Poolkräfte ersetzt werden. Rechnerisch fehlten somit sechs Kräfte. Allerdings weist die Behörde daraufhin, dass die Krankenquote durch die Zugehörigkeit zur Risikogruppe relativ hoch sei. „Viele bleiben jetzt aus Vorsichtsgründen bereits bei den ersten Anzeichen einer Erkältung zu Hause“, sagt Annette Kemp, Sprecherin des Bildungsressorts von Senatorin Claudia ­Bogedan (SPD). Tatsächlich gelten Erzieher und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Kitas als besonders durch Corona gefährdet, weil sie in engeren Kontakt zu den Kindern stehen und sich gerade im Krippenbereich der enge Kontakt kaum vermeiden lässt. Derzeit bildet Kita Bremen nach Angaben des Ressorts 188 Menschen, darunter 67 Erzieher im Anerkennungsjahr, pädagogisch aus. Bei rund 1500 pädagogischen Fachkräften ist das eine Ausbildungsquote von etwa 12,5 Prozent.

Das Design des Neubaus folgt dem pädagogischen Konzept: Die Räume ermöglichen das gruppenübergreifende Arbeiten, gleichzeitig steht jeder Gruppe neben einem Funktions- auch ein Differenzierungsraum zur Verfügung, in dem einzeln oder in kleinen Grüppchen pädagogisch gearbeitet werden kann. Ein kleines Detail: In der ganzen Kita gilt ein Hausschuhgebot. Das heißt, dass die Straßenschuhe schon am Eingang gegen Puschen getauscht werden. „So macht man das zu Hause und so macht man das auch hier“, sagt Dagge. Ein Detail, das den Kindern Behaglichkeit signalisiert.

Für die Arbeit unter Corona-Bedingungen in der Kita bringt der derzeit noch freie Raum Vorteile. „Das ist schon gut mit so viel Platz, denn eine Gruppe kann zum Beispiel zwei Räume nutzen.“ Überhaupt sei Bewegung ein großes Thema. „Wir haben einen ganz großen Bewegungsraum, das freut mich ganz besonders“, sagt Dagge. „Die Kinder wohnen hier häufig in Wohnblöcken und haben oft nicht so die Möglichkeit, sich zu bewegen. Hier haben sie einen Raum, wo sie sich erfahren können, fast eine Turnhalle, das ist schon ungewöhnlich“, sagt Dagge, der die Freude über die Möglichkeiten des Neubaus anzumerken ist. Nicht nur im Gebäude sind die Dimensionen modern und großzügig bemessen, auch das Außengelände soll zum Toben und Entdecken animieren. „Das haben die Landschaftsarchitekten perfekt durchdacht und wir haben ganz erstklassige Spielgeräte bekommen“, sagt die Pädagogin.

Ab dem 1. Februar wird mittags Essensgeruch durch die Flure ziehen. „Wir haben eine hochprofessionelle Küche, in der frisch gekocht werden wird“, so Dagge. Eine Köchin sei eingestellt, die dann die Kinder mit Essen versorgen wird. Am selben Tag gilt allerdings in Bremen die verschärfte Corona-Verordnung, die sich auch auf die Arbeit in der Kita auswirken wird. Dagge schätzt, dass etwa 70 Prozent Eltern ihre Kinder in die Kita schicken. „Das ist von Woche zu Woche mehr geworden. Es gibt aber auch ein paar wenige, die sehr große Angst haben, ihre Kinder in die Kita zu schicken.“

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Zur Sache

Zweite Stufe des Reaktionsplans

Als Reaktion auf die weiter hohen Ansteckungszahlen und dem Auftreten der mutmaßlich ansteckenderen britischen Variante des Corona-Virus tritt am Montag, 1. Februar, die zweite Stufe des Reaktionsstufenplans des Bremer Senats in Kraft. Für die Kindertageseinrichtungen in Bremen bedeutet das, dass Eltern ihre Kinder nach Möglichkeit zu Hause behalten sollen. In den Kitas werden die Stammgruppen strikt voneinander getrennt und das Personal soll möglichst nicht gruppenübergreifend eingesetzt werden. Gleichzeitig soll ein Mindestbetreuungsanspruch von 20 Wochenstunden aufrecht erhalten und die Betreuungszeiten so gelegt werden, dass möglichst alle Kinder ein Mittagessen bekommen. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 14. Februar. Gesetzlich versicherte Eltern, die ihre Kinder pandemiebedingt zu Hause betreuen, können im Jahr 2021 pro Kind und Elternteil 20 statt zehn Tage Kinderkrankengeld beantragen. Rückwirkend zum 5. Januar 2021 wird das Kinderkrankengeld erweitert. Informationen zum Kinderkrankengeld sind auf der Corona-Informationsseite auf der Internetseite www.bildung.bremen.de zu finden.

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