Meine Woche

Der Pool dient für den Werder-Fan als Urlaubsersatz

Der 31-jährige Bashkim Toski läuft als Stürmer für die SG Aumund-Vegesack in der Bremen-Liga auf. Der SAV-Akteur spielt bereits seit einem Vierteljahrhundert Fußball.
16.06.2020, 15:44
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Von Karsten Hollmann

Mittwoch, 10. Juni: Ich stehe um 5.15 Uhr auf, natürlich top motiviert. Nein, ich muss sagen, dass es mir dann schon ein bisschen schwer fällt aufzustehen. Nachdem ich mich im Bad fertig gemacht habe, trinke ich wie jeden Morgen einen Mokka-Café und esse ein bisschen, damit ich gestärkt zur Arbeit gehen kann. Um 7 Uhr fange ich an zu arbeiten. Ich bin bereits seit 13 Jahren bei der Hella Fahrzeugkomponenten GmbH in Bremen in der Disposition im Lager. Durch Corona betrifft uns natürlich auch die Kurzarbeit, wie viele andere Betriebe auch. Das heißt, eine Woche arbeiten und eine Woche zu Hause bleiben. Um 15 Uhr mache ich Feierabend. Nun geht es nach Hause. Dort hat meine Frau etwas Leckeres gekocht. Ich bin seit eineinhalb Jahren glücklich verheiratet mit meiner tollen Frau Ramize. Ich freue mich darüber, dass es Nudeln mit Hähnchen mit Käsesahnesoße, und dazu einen Salat gibt. Am Abend gucke ich mir das DFB-Pokal-Spiel Bayern München gegen Eintracht Frankfurt mit meinem besten Freund Marc Heinrich an. Wir trinken dazu auch ein paar Bier. Die erste Halbzeit geht klar an die Bayern. In der zweiten Halbzeit finde ich aber Frankfurt ein bisschen mutiger und besser. Ich bin absolut kein Fan von Fußballspielen ohne Zuschauer. Doch in so einer Situation muss man Abstriche machen.

Donnerstag, 11. Juni: Heute ist Training. Ich kann es kaum abwarten, nach der Arbeit zum Fußball zu gehen und die Kameraden wieder zu sehen. Es macht unheimlich viel Spaß, endlich mal wieder gegen den Ball zu treten, ein paar blöde Sprüche abzugeben und allgemein wieder so langsam ins ,,normale“ Leben zurückzukehren. Um 18 Uhr mache mich auf dem Weg zum Training. Die ersten sind schon da. Es ist alles ein bisschen neu mit den Abständen und der ganzen Sicherheitsvorkehrungen, die einzuhalten sind. Ich merke in dieser Zeit, wie mir der Körperkontakt im Sport fehlt. Wir beginnen langsam mit dem Aufwärmen. Es ist unglaublich, aber unsere Trainingsbeteiligung liegt bei sensationellen 22 Mann. Und das ist nicht nur heute so. Die Trainingsbeteiligung ist konstant über das Jahr sehr gut. Anschließend geht es in die Passübungen. Die unterschiedlichen Spielformen machen mal wieder sehr viel Spaß. Nach dem Training rede ich noch mit ein paar Mitspielern über die Situation und darüber, wann es endlich wieder weitergeht. Auch wenn ich schon fast 32 Jahre alt bin, möchte ich unbedingt weiter kicken, so lange die Knochen es mitmachen – und die Zeit es erlaubt.

Freitag, 12. Juni: Motiviert gehe ich in den Tag, da das Wochenende nach der Arbeit beginnt. Da es diesen Sommer schwer sein wird, in den Urlaub zu fahren oder zu fliegen, habe ich mir gedacht, dass ich mir den Urlaub mit einem Pool einfach nach Hause hole. Den baue ich nun mit meinem Bruder Sali in meinem Garten auf. Die Hauptarbeit übernimmt dabei Sali, weil ich mich nicht so gut fühle. Ich muss wohl gestern etwas Falsches gegessen haben. Das Wetter spielt zwar nicht so mit, aber es soll ja zum Glück in den nächsten Tagen aufwärts gehen mit den Temperaturen. Der Aufbau ist dann irgendwann fertig. Somit muss ich es testen, auch wenn das Wasser schon ein bisschen kalt ist. Nach gut fünf Stunden Auffüllen des Pools begebe ich mich ins kühle Nass. Ich muss sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat. Am Abend schmeiße ich mich ein wenig auf die Couch und zocke auf der Play-Station Call of Duty – Warzone. Ich freue mich auf morgen. Mein ältester Bruder Xhevdet Toski kommt mit seiner Frau Ardita und meinen vier Nichten zum Grillen vorbei. Die Mädels freuen sich schon, den großen Pool auszuprobieren. Während des Grillens werden wir uns die Fußball-Bundesliga anschauen – also Werder Bremen. Wir hoffen, dass die Grün-Weißen es irgendwie noch schaffen mit der Relegation oder dem direkten Verbleib in der 1. Bundesliga. Das wird aber natürlich ziemlich schwer. Ich bin bereits seit 20 Jahren Werder-Fan und der Meinung, dass man so etwas in guten wie in schlechten Zeiten sein sollte.

Sonnabend, 13. Juni: Die bereits für 10 Uhr angesetzte SAV-Trainingseinheit ist sehr anstrengend, aber auch gut. Wir haben wieder eine große Anzahl an Spielern beim Training. Danach steht die Familie von Xhevdet Toski wie bereits angekündigt bei uns auf der Matte. Während des Grillens freuen wir uns über den 5:1-Erfolg von Werder Bremen in der Fußball-Bundesliga beim SC Paderborn. Das ist für uns ein absolut wichtiger Sieg im Abstiegskampf. Nachdem Werder sich in den vergangenen Begegnung so derart schwer damit getan hatte, sich Chancen herauszuspielen, geschweige denn Tore zu erzielen, verwundern die fünf Tore in Paderborn schon ein wenig. Es herrscht deshalb allseits die pure Freude, auch wenn in Sachen Klassenerhalt jetzt nicht gleich alles besiegelt wurde. Aber die Hoffnung darauf stirbt ja bekanntlich zuletzt. Werder hat nun noch drei Endspiele, wobei man sagen muss, dass es am Dienstag im Heimspiel gegen den FC Bayern München nicht um die Punkte, sondern nur um das Torverhältnis geht. Dies kann später vielleicht noch sehr wichtig sein. Die Bayern können mit einem Sieg in Bremen bereits zwei Spieltage vor Schluss den Titelgewinn perfekt machen. Dementsprechend werden sie wohl auch in Bremen auftreten, zumal auch Robert Lewandowski und Thomas Müller nach ihren Gelbsperren wieder dabei sind.

Sonntag, 14. Juni: Wir gehen mit meinen Eltern am Mittag im Restaurant El Mundo in der Überseestadt etwas essen. Ich bestelle für mich ein argentinisches Rumpsteak. Der Sonntag ist unser Familientag. Im Anschluss begeben wir uns zusammen auf einen Spaziergang in die Natur. Seit dreieinhalb Jahren wohne ich nun schon in Ganderkesee. Die 28 Jahre davor habe ich in Grolland verbracht. Meine Anfänge im Fußball fanden auch beim TSV Grolland statt. Bei uns um die Ecke in Ganderkesee befindet sich ein schöner, großer Wald. Hier kann man mal entspannen und ein bisschen Zeit zusammen verbringen – die Familie ist für mich das Wichtigste im Leben.

Montag, 15. Juni: In dieser Woche befinde ich mich in der Kurzarbeit. Somit stehe ich ein bisschen später, also erst um 9 Uhr auf und habe ein bisschen Zeit. Deshalb mähe ich erst einmal den Rasen und kümmere mich dann um die weitere Gartenarbeit. Das ist wohl auch gerade überall so, dass man in der Corona-Zeit Sachen erledigt, für die man ansonsten keine oder nur wenig Zeit hat. Ich lackiere meinen Schuppen und sortiere alles neu.

Dienstag, 16. Juni: Nach dem Frühstück gehe ich mit Ramize in die Stadt. Wir bummeln ein bisschen und unternehmen einen schönen Spaziergang in der City am Wasser. Das Wetter ist gut. Am Abend besuche ich wieder das Training meiner Fußballmannschaft. Wir haben eine sehr gute Stimmung im Team und harmonieren hervorragend. Die ersten Neuzugänge sind auch schon da. Die Einheit ist gut und macht Spaß. Ich kann es jetzt schon wieder kaum erwarten, dass die neue Saison losgeht. Man darf gespannt darauf sein, was uns die nächste Spielzeit bringen wird. Wir haben uns gezielt auf einigen Positionen verbessert, möchten auf jeden Fall die oberen Mannschaften ärgern und eine Konstanz reinbekommen. Vielleicht können wir für eine Überraschung sorgen und eine Platzierung zwischen Position eins und fünf erreichen. Nach dem Training esse ich mit meiner Frau etwas Leckeres – später gucken wir uns noch einen schönen Film an.

Ralf Engel-Kreppein, der Kapitän der Tennis-Herren-40-Formation des TSV Lesum-Burgdamm II, wird als Nächster über seine Woche berichten.

Info

Zur Person

Bashkim Toski (31)

läuft als Stürmer für die SG Aumund-Vegesack in der Bremen-Liga auf. Der Disponent spielt bereits seit einem Vierteljahrhundert Fußball und lebt in Ganderkesee. Der Werder-Fan hatte bereits in der Saison 2014/2015 für die SAV gekickt.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+