Ehemaliger Kulturstaatsminister ausgezeichnet Bernd Neumann erhält Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft

Der ehemalige Kulturstaatsminister und CDU-Politiker Bernd Neumann hat sich viele Jahre in der Kulturpolitik für Bremen stark gemacht. Nun erhält er die Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft.
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Bernd Neumann erhält Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft
Von Lisa-Maria Röhling

Bernd Neumann weiß, was er geleistet hat. Seit 1962 gehörte die Politik zu seinem Leben, erst als langjähriger CDU-Landesvorsitzender und Oppositionsführer, dann als Parlamentarischer Staatssekretär und Kulturstaatsminister. „Der harte Hund aus Bremen“ oder „Mann des deutschen Films“, solche Titel hat sich Neumann erarbeitet. Wenn er darüber erzählt, dann lehnt sich der hochgewachsene 77-Jährige in seinem Stuhl zurück, stützt einen langen Arm auf den Nachbarstuhl auf, der andere führt ausladende Gesten aus. Er selbst würde einen anderen Begriff wählen, um seine Amtsjahre zusammenzufassen: „Sich kümmern“, sagt Neumann nach kurzer Bedenkzeit. „Wenn ich helfen und unterstützen kann, dann mache ich das.“ Für seine Leistungen wird Neumann an diesem Dienstag mit der Senatsmedaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

Vom Regierungsviertel nach Bremen-Nord

Außer Dienst ist Bernd Neumann auch mit 77 Jahren noch nicht. 2013 beendete er nach 26 Jahren seine Zeit in der Bundespolitik, aus dem Berliner Regierungsviertel ging es zurück nach Bremen-Nord. Der Ruhestand blieb aus: Seit fünf Jahren ist er Präsident der Filmförderungsanstalt (FFA), reist zu Filmfestivals nach Cannes und Locarno, kümmert sich um aufstrebende Künstlerinnen und Künstler. Für ihn eine Chance, etwas zu tun, sagt er. „Wenn man sein ganzes Leben in der Politik ist, immer an vorderster Front, und dann ist nach 43 Jahren Schluss, das ist schwer.“ Der Weg zur FFA hat gleichzeitig mit seiner Begeisterung für das Kino zu tun. „Der Film ist das lebendigste Medium. Er kann historische Ereignisse so vermitteln, wie es kein Schriftstück kann.“

Lesen Sie auch

Was heute historisch ist, hat Neumann selbst erlebt: 1942 in Westpreußen geboren, kam er 1945 mit seiner Familie in einem Flüchtlingstreck zunächst in die Lüneburger Heide, als Elfjähriger fand er in Bremen eine neue Heimat. Neumann ging in Vegesack zur Schule und machte das Abitur am Gerhard-Rohlfs-Gymnasium. Danach studierte er auf Lehramt und stieg 1966 an einer Realschule in den Schuldienst ein. Zu dem Zeitpunkt war er schon vier Jahre Parteimitglied der CDU. Sie sollte ihn wesentlich länger begleiten als der Schuldienst: 1971 wurde Neumann dauerhaft beurlaubt, um sich ganz der Politik zu widmen.

Rivale Hans Koschnik

Die nachfolgende, lange politische Karriere war von manchem Superlativ geprägt. Als Bremer Landesvorsitzender der Christdemokraten amtierte er von 1979 bis 2008, so lang wie kein anderer Landeschef seiner Partei bundesweit. Drei Male unterlag er als Spitzenkandidat der CDU bei der Bürgerschaftswahl dem SPD-Kandidaten und amtierenden Bürgermeister Hans Koschnick. „Ich wollte als jugendlicher Held den großen Koschnick stürzen. Das gelang mir nicht.“ 16 Jahre war Neumann Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, 14 davon hatte er den CDU-Fraktionsvorsitz inne. Als Oppositionsführer, sagt Neumann, habe er immer „harte Kante“ gezeigt. „Ich habe gemäß meiner Rolle den Regierenden das Leben schwer gemacht.“ Der Regierende, das war sein langjähriger Wahlgegner Hans Koschnick, mit dem ihn bis zu dessen Tod 2016 eine enge Freundschaft verband. Die Debatten im Parlament seien zwar hart gewesen, das Verhältnis zwischen ihm und dem SPD-Bürgermeister aber stets herzlich. „Für uns stand das Interesse Bremens im Vordergrund“, sagt Neumann. 1987 zog er dann zusammen mit Koschnick in den Bundestag ein.

Lesen Sie auch

Neumanns Zeit in Bonn und Berlin prägte die Kulturpolitik, „das lag mir besonders am Herzen“, sagt er. 1991 berief ihn Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) zum Parlamentarischen Staatssekretär für Forschung und Technologie, 1994 übernahm er das gleiche Amt im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie. Von 2005 bis 2013 war er Kulturstaatsminister, in seiner Amtszeit erlebte die deutsche Filmbranche einen neuen Aufschwung. Er habe im Film eine Kulturnische erkannt, der die Politik zu wenig Aufmerksamkeit schenkte, sagt Neumann. 2007 war er einer der Mitbegründer des Deutschen Filmförderfonds (DFFF), mit dem deutsche Produktionen im Vergleich zu England und Frankreich wettbewerbsfähig werden sollten. „Ein Glücksfall für die Kulturpolitik“, nannte ihn der Deutsche Kulturrat zum Ende seiner Amtszeit.

Doch auch Bremen behielt Neumann in der Bundespolitik stets im Auge, knapp 60 hiesige Kulturprojekte wurden in seiner acht Jahre laufenden Amtszeit als Staatsminister gefördert. Dass er sich stets für Bremen stark gemacht hat, das will nun auch der Senat würdigen: Seine Bemühungen um den Erweiterungsbau der Kunsthalle, der Umbau des Bunkers „Valentin“ und sein Einsatz für die Raumfahrt und Meeresforschung sind nur einige der vielen Errungenschaften, mit denen sich Neumann um Bremen verdient gemacht habe. Auszeichnungen, sagt Neumann, habe er schon viele bekommen. Dass er nun noch eine aus Bremen dazu kommt, das freue ihn allerdings noch mal besonders.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+