TTK Grün-Weiß Vegesack

Einblicke in den Corona-Alltag

Der 25-jährige Tänzer vom TTK Grün-Weiß Vegesack, Niklas Curtius, möchte bald wieder mit Freunden gemeinsam Zeit verbringen und jeden umarmen, der ihm wichtig ist.
11.03.2021, 15:06
Lesedauer: 4 Min
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Von Olaf Schnell
Einblicke in den Corona-Alltag

Der 25-jährige Tänzer vom TTK Grün-Weiß Vegesack, Niklas Curtius, möchte bald wieder mit Freunden gemeinsam Zeit verbringen und jeden umarmen, der ihm wichtig ist.

Henrik Knüppel

Das gesellschaftliche, kulturelle und sportliche Leben ist coronabedingt seit fast einem Jahr eingeschränkt oder steht gänzlich still. Und jetzt gibt es seit geraumer Zeit auch noch die Aufforderung, ins Homeoffice zu gehen. Wann ist für uns alle wieder Land in Sicht? Wann kann endlich wieder in Hallen und auf Freiluftplätzen Mannschaftssport oder Individualsport in gewohnter Form getrieben werden? „DIE NORDDEUTSCHE“ fragt bei Sportlern, Trainern und Funktionären nach, wie sie die Situation aktuell erleben, wie sie den Weg zurück in die Normalität skizzieren und was sie am meisten vermissen. Heute der Tänzer beim TTK Grün-Weiß Vegesack: Niklas Curtius.

Welche Veränderungen hat es in Ihrem beruflichen Alltag in Zusammenhang mit Corona gegeben?

Niklas Curtius: Zu Beginn gingen wir in Kurzarbeit und arbeiteten von zu Hause aus. Als die Situation etwas überschaubarer wurde und wir uns, sowie unsere Kunden sich, auf die Zeit einstellen konnten, dehnten wir die Kurzarbeit auf Vollzeit aus. Wir können als Werbeagentur unsere Arbeit ohne große Probleme auch von daheim erledigen. Durch Corona sind aber viele Messen ausgefallen, weshalb wir als Werbeagentur für unsere Kunden Online Live Events ermöglichen, um weiterhin ihre Produkte bewerben zu können. Wir sind dann zwar beim Kunden vor Ort, allerdings nur in kleinen Gruppen und stets mit einem Hygienekonzept. Diese Woche befinde ich mich in Starnberg, in der Nähe von München, da dort Ende März ein Online-Live-Event stattfindet, welches wir für unseren Kunden organisieren. Diese Woche bauen wir hier unser Setup auf und proben unseren Ablauf, damit beim Event alles reibungslos klappt.

Corona heißt ja auch: Weniger persönliche Kontakte und weniger Bewegung. Wie gleichen Sie diese beiden Einschränkungen aus?

Die Einschränkungen merkt man schon sehr. In meinem Tanzverein hatte ich immer Leute um mich herum, als wir noch als Team im Saal trainieren konnten – natürlich fehlt das. Mittlerweile trainieren wir online zwei- bis dreimal in der Woche miteinander, damit wir fit bleiben und nicht von vorne anfangen müssen, sobald wir wieder zusammen in eine Halle dürfen. Die Sporteinheiten variieren zwischen Yoga, Fitness und Techniktraining – nur zimmeroptimiert. So gehe ich zu Hause nicht ein und fühle mich jede Woche fit. Zudem habe ich das Glück in einer WG mit drei Freunden zu wohnen, weshalb es nie langweilig wird. Hier ist immer was los und wir vertreiben unsere Zeit mit Spieleabenden. Dieses Konzept verwenden wir auch im Tanzverein und bei meinen Freunden aus der Schulzeit. So veranstalten wir regelmäßige Online-Spieleabende, gerne auch mal mit einem Bier in der Hand, sodass wir uns häufiger sehen und zusammen Spaß haben. Seit kurzer Zeit nehme ich mit ein paar Freunden auch regelmäßig an einem virtuellen Kneipenquiz teil. Um ehrlich zu sein, habe ich sogar das Gefühl, dass die Bindung untereinander noch stärker geworden ist, als zuvor. Man pflegt seine Kontakte mehr und steht diese Zeit gemeinsam durch.

Sie verbringen viel mehr Zeit als gewöhnlich zu Hause. Gehören Sie zu denen, die Projekte gestartet haben, die schon lange Mal angegangen werden sollten?

Definitiv. Da man mehr Zeit in seinen vier Wänden verbringt, sieht man schneller, was Optimierungsbedarf mit sich bringt. Das geht von häufiger sauber machen, zu Ordnung schaffen, bis hin zur Umgestaltung des Raumes. Zuletzt habe ich meinen Kleiderschrank mal gründlich aufgeräumt und so ein System geschaffen. Es sind aber auch Kleinigkeiten, wie zum Beispiel Mitgliedschaften kündigen, um die man sich nun endlich kümmern kann.

Nutzen Sie häufig die Möglichkeit, sich Fertiggerichte zu holen oder bringen zu lassen, oder stehen Sie jetzt eher öfter und länger in der Küche und zaubern in aller Ruhe Ihr Lieblingsgericht, wenn ja welches und wie?

Ich bestelle nicht mehr Essen, als sonst auch. Das passiert nur, wenn ich wirklich kein Essen mehr zu Hause habe. Ich mag das Kochen, experimentiere auch gerne mal und bin immer offen für neue Sachen. Aktuell koche ich viel asiatisch, weil es zum einen schnell geht und trotzdem lecker ist. Zum anderen habe ich gemerkt, wie toll sich Soja-Soße mit anderen Nahrungsmitteln kombinieren lässt. Das Letzte, was ich richtig toll fand, war ein Kartoffelauflauf, bei dem die Kruste aus einem gezupftem Brötchen, Cashew-Kernen, Balsamico, Senf und Honig bestand. Das hat mich sehr fasziniert und ich kann nur jedem empfehlen, es mal auszuprobieren. In Starnberg habe ich mir ein in Soja-Soße gebratenes Gemüse, unter anderem mit Pilzen, Paprika, Zwiebeln, Tomate, Zucchini und Kartoffeln plus Parmesan dazu, bestellt. Das war bisher das Leckerste, was ich hier gegessen habe. Ich ernähre mich übrigens vegetarisch.

Welche Rolle spielt bei Ihnen seit Corona die Unterhaltungs-Elektronik?

Eine sehr wichtige. Natürlich nicht nur, um mich zu unterhalten, sondern diese sind auch essenziell für die eben erklärten virtuellen Spieleabende. Da lässt sich die Unterhaltungsbranche aktuell ziemlich viele lustige Spiele einfallen und ich bin gespannt auf weitere Spiele. Häufig sind gut konzipierte Spiele ein Grund, sich mit seinen Freunden online zu verabreden. Das stärkt ja auch die Freundschaft, wenn man sich häufiger treffen kann und gemeinsam lachen kann.

Wie wird nach Ihrer Einschätzung die zeitliche Rückkehr in die Normalität aussehen?

Eine zeitliche Rückkehr sehe ich noch nicht. Ich finde es aber toll zu sehen, welche Ideen Unternehmen entwickeln, um wieder Fuß fassen zu können. Ich hoffe nur, dass die Lockerungen nicht wieder überstürzt werden. Wahrscheinlich wird nach Corona nichts mehr wie vorher sein. Ich denke, wenn wir das alle überstehen, schätzen wir Sachen viel mehr, die früher als selbstverständlich gesehen wurden. Wenn Corona jemanden etwas nimmt, dann merkt man plötzlich, wie sehr es einem fehlt.

Worauf freuen Sie sich in der Zeit nach Corona am meisten?

Persönlich gesehen freue ich mich einerseits, endlich wieder feiern gehen zu können. Andererseits, und das ist mir viel wichtiger, dass man mit Freunden wieder gemeinsam Zeit verbringen kann und ich jeden umarmen darf, der mir wichtig ist.

Das Gespräch führte Olaf Schnell.

Info

Zur Person

Niklas Curtius (25)

ist seit fast elf Jahren Tänzer beim TTK Grün-Weiß Vegesack. Er besuchte das Gymnasium Vegesack und ist nun Mediendesigner bei einer Werbeagentur. Die Firma setzt unter anderem Marketing-Wünsche im digitalen und im Print-Bereich um, aber auch Corona-bedingt Online-Live-Events. Zudem kommen noch Aufgaben aus dem 3D-Bereich hinzu.

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