SPD-Experte Karl Lauterbach stellt in Vegesack sein Konzept einer Bürgerversicherung vor Krankes Gesundheitssystem

Vegesack. Das System muss auf grundlegend neue Füße gestellt werden. Darin waren sich die Besucher und Karl Lauterbach einig. Der Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion stellte am Donnerstagabend in der Vegesacker Strandlust das Konzept seiner Partei für die Bürgerversicherung vor. Lauterbach gehört zum Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.
10.08.2013, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulb

Vegesack. Das System muss auf grundlegend neue Füße gestellt werden. Darin waren sich die Besucher und Karl Lauterbach einig. Der Gesundheitsexperte der SPD-Bundestagsfraktion stellte am Donnerstagabend in der Vegesacker Strandlust das Konzept seiner Partei für die Bürgerversicherung vor. Lauterbach gehört zum Kompetenzteam von SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück.

Sollte seine Partei bei der Bundestagswahl zusammen mit den Grünen die Regierung übernehmen, dürfte die Einführung des neuen Systems seiner Aussage nach so gut wie sicher sein. Der Berg von Problemen, den Lauterbach ausgemacht hat, ist gewaltig: Allein im Gesundheitsbereich fehlen 30000 Pflegekräfte, weitere 100000 im Bereich der Altenpflege. Zudem, so der Politiker, lassen sich Ärzte nicht dort nieder, wo sie gebraucht werden, sondern wo die Verdienstmöglichkeiten am besten sind. Nicht nur das, durch ein absurdes Abrechnungssystem würden Hausärzte schlechter vergütet als die Kollegen der Apparatemedizin, zum Beispiel Radiologen. Das alles bezeichnete Lauterbach als "schwere chronische Krankheiten".

Ein Teil des Maßnahmen-Bündels zur Heilung des Systems könne die Bürgerversicherung sein. Danach soll sich die Behandlungsqualität nicht mehr nach der Höhe des Einkommens richten. Vielmehr solle jeder nach seinem Einkommen belastet werden. Das bedeute unter anderem, dass die besser Verdienenden mit höheren Beiträgen zur Kasse gebeten und die Anteile der Arbeitgeber nicht mehr eingefroren werden. Ein weiterer wichtiger Teil der Bürgerversicherung: Mediziner, die sich für eine hausärztliche Versorgung entscheiden, bekommen mehr Geld. Außerdem, so der SPD-Mann, solle ein Umsteuern bei der Niederlassungspraxis erfolgen. Lauterbach: "Die Ärzte müssen dorthin, wo der Bedarf ist." In die lokale Praxis umgesetzt bedeutet dies, dass Neuenkirchen wieder eine Hausarztpraxis bekommt müsste und insbesondere die nicht-mobilen Patienten versorgt würden.

Wie viel Geld in der gesetzlichen Krankenversicherung steckt, machte Karl Lauterbach an einer Zahl deutlich: Die Rücklagen der Krankenkassen belaufen sich aktuell auf 25 Milliarden Euro.

Damit und mit einem weiteren Anliegen könnte dieses System zukunftsfähig gemacht werden. Lauterbach: "Wir müssen wegkommen von der Verschwendung." Im Blick hat der Gesundheitspolitiker dabei hauptsächlich die hohen Kosten für Medikamente – und dass, obwohl die Bundesrepublik der größte Abnehmer sei.

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