Nordbremer Schauspieler präsentiert erstes Autorenstück am Schnürschuh-Theater Leben im Westpaket

Bislang machte Mathias Hilbig vor allem als Schauspieler und Theaterpädagoge von sich reden. Mit dem Stück "Ich wohne in einem Westpaket" legte er nun sein Erstlingswerk als Bühnenautor vor. Neben dem Heimatbegriff ist generationsübergreifende Kommunikation ein zentrales Thema des Stücks, das gestern Abend im Bremer Schnürschuhtheater zu sehen war.
18.06.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Pfeiff

Bislang machte Mathias Hilbig vor allem als Schauspieler und Theaterpädagoge von sich reden. Mit dem Stück "Ich wohne in einem Westpaket" legte er nun sein Erstlingswerk als Bühnenautor vor. Neben dem Heimatbegriff ist generationsübergreifende Kommunikation ein zentrales Thema des Stücks, das gestern Abend im Bremer Schnürschuhtheater zu sehen war.

Vegesack. Das Theater ist sein Leben: Neben dem nordbremer Schülerkabarett "AntiToxin", bei dem er selbst früher Mitglied war, leitet der Wahl-Vegesacker Mathias Hilbig Theaterworkshops in diversen Einrichtungen. So richtig in seinem Element fühlt er sich allerdings erst auf der Bühne und geht dieser Leidenschaft vor allem im Bremer Schnürschuh-Theater nach. Für dieses konzipierte Hilbig sein erstes selbst entwickeltes Theaterstück mit dem Titel "Ich wohne in einem Westpaket".

Neben der DDR-Geschichte sind vor allem die Themen Umzug, Trennung und generationenübergreifende Kommunikation zentrale Aspekte. "Letztlich ist es sogar vielschichtiger geworden, als ich ursprünglich beabsichtigt hatte", gesteht er.

Der Vegesacker ist eher ein Bühnenpraktiker denn ein Theatertheoretiker. So entwickelte er das Stück maßgeblich in Zusammenarbeit mit seinem eigens hierfür über Anzeigen gecasteten fünfköpfigen Ensemble. "Zu Beginn der Proben hatte ich nur eine grobe Ablaufstruktur und etwa vier oder fünf suggestionsstarke Bühnenbilder im Kopf", erklärt Hilbig die Arbeitsweise.

Inspirationen für diese lieferten ihm Erzählungen von Freunden und Bekannten, die ihre Jugend in der DDR verbrachten: "Manche dieser Geschichten habe ich schon bei deren Erzählung als Theaterszene vor meinem Auge gesehen." Hauptausschlaggebend für die Entwicklung eines eigenen Stücks war die Teilnahme des Schnürschuh-Ensembles am Göttinger Theaterfestival "Hart am Wind": "Viele Gruppen aus dem Bereich des Jugendtheaters traten dort mit eigenen Stücken an, die wir oft als gelungener empfanden als unsere damalige Produktion", so Hilbig.

Leben in der späten DDR

Erfahrungen im Bereich der Szenen- und Stückentwicklung sammelte Hilbig zuvor im Rahmen studienpraktischer Projekte. Hier entstand sein Faible für praktische Szenenentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Ensemble: "Ein Schauspieler findet leichter Zugang zu einem Charakter, den er selbst aktiv mitgestaltet hat als zu einem Charakter, den er nur aus einem Textbuch kennt", weiß Hilbig aus Erfahrung.

Ausgangspunkt des Stücks ist ein bevorstehender Umzug einer alleinerziehenden Mutter und ihrer Tochter. Der Teenager ist von der Idee ebenso wenig begeistert wie von der Vorstellung, Schule, Freundeskreis und vor allem ihren Freund Amir zurück lassen zu müssen. Bei den Umzugsvorbereitungen entdeckt die Mutter ein altes "Westpaket", das ihre Familie zu eigenen Jugendzeiten erhielt. In Rückblenden wird darauf ihre eigene Geschichte als späterer Republikflüchtling nur wenige Monate vor dem Mauerfall erzählt, eine Geschichte, die ihre Tochter nicht kennt.

Neben der emotionalen Ebene des gut einstündigen Stücks, das er selbst als "Tragikomödie" einstuft, legt Hilbig vor allem Wert auf die in den Rückblenden vermittelten Eindrücke des Alltags der späten DDR, die neben faktischen Recherchen maßgeblich auf den Erzählungen aus dem Freundeskreis beruhen: "Die damaligen Geschehnisse werden in dem Stück aus der Perspektive einer Dreizehnjährigen gezeigt und enthalten sich eines wertenden Urteils", so Hilbig.

Dementsprechend betrachtet er sein Erstlingswerk als geeigneten Themeneinstieg sowohl in Diskussionen über den Heimatbegriff als auch die DDR. "Während meiner Schulzeit wurde das nur am Rande behandelt, was ich rückblickend sehr schade finde."

"Ich wohne in einem Westpaket" ist in zwei

weiteren Vorstellungen zu sehen am Donnerstag, 20. Juni, und am Montag, 24. Juni, jeweils um

10 Uhr im Schnürschuhtheater. Eine zweite

Serie ist für den Herbst geplant.

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