Overbeck-Ausstellung online eröffnet Wechsel der Jahreszeiten

Der Fotograf Peter Döhle hat den Wechsel der Jahreszeiten im Oberneulander Park Höpkens Ruh festgehalten. Das Overbeck Museum widmet ihm eine Ausstellung, zunächst nur online.
08.12.2020, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jörn Hildebrandt

Vegesack. „Wie kann man die Zeit sichtbar machen?“, fragt Katja Pourshirazi, Leiterin des Overbeck-Museums, bei ihrer Eröffnungsrede zur neuen Ausstellung „Das Jahr sehen – Landschaft im Jahreszyklus“. Erstmals hatte das Overbeck-Museum zu einer digitalen Vernissage eingeladen, bei der die Eröffnungsrede ausschließlich online zu erleben war und ist. Auch die Ausstellung selbst kann derzeit nicht vom Publikum besucht werden. Das Kulturbüro hat seine Häuser bis 20. Dezember geschlossen, und dazu zählt auch die Stiftung Overbeck. Deshalb sollen auch Teile der Ausstellung online zu sehen sei.

„Der Verlauf der Zeit zeigt sich nur indirekt – an Dingen, die sich wandeln. Und am deutlichsten wird dies in der Natur erkennbar: Blätter verfärben sich, Schnee fällt, und auch das Sonnenlicht verändert sich – Nuancen, an denen wir Zeit erkennen“, erklärt Katja Pourshirazi. In der neuen Ausstellung werden Fotografien von Peter Döhle mit Bildern des Ehepaars Hermine und Fritz Overbeck kombiniert. Drei Jahre lang hat Peter Döhle im kleinen Park „Höpkens Ruh“ in Oberneuland den Wechsel der Jahreszeiten beobachtet und in Fotos festgehalten: den Farbenrausch des Herbstes oder den kargen Minimalismus des Winters – und dabei bewusst auf Unschärfe gesetzt.

„In Wirklichkeit sehen wir ja mit unseren Augen unendlich viele Spielarten von Unschärfe“, sagt Katja Pourshirazi. Peter Döhle habe die automatische Scharfstellung bei der Digitalkamera ausgeschaltet, um malerische, impressionistisch anmutende Bilder entstehen zu lassen. Sie ermöglichen eine neue Wahrnehmung der Natur: Farben und Lichtstimmungen verselbstständigen sich, und Linien und Umrisse erhalten eine ungeahnte Dynamik.

Die Fotografien von Peter Döhle unter dem Titel „Das Jahr sehen“ können derzeit nicht im Museum betrachtet werden, sondern die Ausstellung wurde aufgrund der Corona-Pandemie teilweise ins Netz verlegt. „Sie ist jedoch nicht komplett digital“, sagt Katja Pourshirazi, „wir werden nur einige Bilder online stellen. Und derzeit wissen wir nicht, wie es mit der Öffnung des Museums weitergeht“, sagt sie.

Online werden die Bilder ohne Erklärung gezeigt - es gehe also nicht wie bei einer Museumsführung zu, vielmehr werde die Kamera von einem Bild zum nächsten schwenken – mit genügenden Verweilzeiten, um die Werke auf sich wirken zu lassen, so Katja Pourshirazi.

„Natürlich ist es schade, dass wir nicht zusammenkommen können, um die Ausstellungseröffnung wie sonst mit mehr als 100 Teilnehmern gemeinsam vor Ort zu feiern“, sagt die Museumsleiterin. „Andererseits sind die Werke auf diese Weise sogar noch breiter zugänglich als bisher – ohne begrenzte Platzzahl und ohne feste Uhrzeit. Auch wer weiter weg wohnt oder weniger mobil ist, kann es sich jederzeit auf dem Sofa gemütlich machen und die Eröffnungsrede in Ruhe sehen und hören“, sagt sie.

Auch das Malerehepaar Fritz und Hermine Overbeck, das im Museum eine zentrale Rolle spielt, hat einzelne Stationen des Jahreslaufs in gemalten Bildern festgehalten. In der Zusammenschau der Fotografien und Gemälde wird deutlich, wie die Jahreszeiten atmosphärisch ihre Wirkung entfalten. „In der digitalen Version wird die Kamera zwischen den Fotografien von Peter Döhle und den Gemälden der Overbecks wechseln“, sagt Katja Pourshirazi.

Die Live-Übertragung der Eröffnungsrede wurde auf Youtube bisher mehr als einhundert Mal aufgerufen – war also durchaus ein Erfolg. Und der erste Versuch, Kunst dem Publikum digital nahezubringen, soll nicht der einzige bleiben: „Wir werden auch zukünftig eine Online-Ausstellung anbieten, um zum Beispiel ein Publikum zu erreichen, das nicht mehr sehr mobil ist oder weiter weg wohnt“, sagt Katja Pourshirazi, die in ihrer Eröffnungsrede die Darstellung der Jahreszeiten vielfältig thematisiert. „Sie werden ja auch in vielen Gedichten besungen, von Eduard Mörike bis Rainer Maria Rilke“, betont die Museumsleiterin, „und wer eine Landschaft malt, malt immer auch die Jahreszeiten.“

Um deren Verlauf besser erkennbar zu machen, hätte das Museum in der Alten Hafenstraße die Bilder der Overbecks nach Jahreszeiten sortiert. Das Teufelsmoor, in dem Hermine und Fritz Overbeck gemalt haben, sei ein völlig anderer Ort als der kleine Park in Oberneuland. Dennoch würden sich Verbindungen ergeben: Ein Obelisk im Park „Höpkens Ruh“ trägt eine Inschrift, in der Albrecht von Haller (1708 bis 1777) „die Natur als unsere Lehrmeisterin“ bezeichnet – und das sei genau das Motto, nach dem auch das Ehepaar Overbeck gemalt hat, so Katja Pourshirazi.

Die Ausstellung „Das Jahr sehen – Landschaft im Jahreszyklus“ im Overbeck-Museum, Alte Hafenstraße 30, wurde aufgrund der aktuellen Umstände bis Sonntag, 11. April 2021, verlängert. Zur aktuellen Ausstellung finden Führungen und Künstlergespräche an folgenden Terminen, jeweils um 11.30 Uhr, statt: Sonntag, 17. Januar, sowie Sonntag, 31. Januar. Die Termine für Dezember wurden gestrichen. Weitere Informationen unter Telefon 04 21 /66 36 65, per E-Mail an info@overbeck-museum.de sowie im Internet unter www.overbeck-museum.de.

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