Vegesacker Ruderverein

Traumhafte Aussicht vom Bootshaus

Der Vegesacker Ruderverein ist einer der größten Ruderclubs in ganz Deutschland
29.07.2021, 11:35
Lesedauer: 5 Min
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Von Karsten Hollmann
Traumhafte Aussicht vom Bootshaus

Auch am neuen Standort an der Lesum besitzen die Vegesacker ein schickes Bootshaus mit einer Gastronomie.

Christian Kosak

Der Vegesacker Ruderverein (VRV) hätte in diesem Jahr ein Jubiläum feiern können. Vor 125 Jahren sagten sich die Ruderer schließlich vom Vegesacker Wassersportverein los. Doch weil es bis zur offiziellen Gründung des VRV noch vier Jahre dauerte, muss sich der Verein vorerst mit 121 Jahren Clubgeschichte begnügen.

„Wir sind aber nicht nur einer der ältesten, sondern einer der größeren Rudervereine in ganz Deutschland“, verkündet der VRV-Vorsitzende Uwe Vielstich nicht ohne Stolz. Rund 400 Mitglieder zählt der Verein. Ohne die Corona-Pandemie wären es vermutlich sogar noch einige Mitglieder mehr. „Durch die Beschränkungen lag unsere Ausbildung der Anfänger knapp anderthalb Jahren brach“, gibt Vielstich zu bedenken. Da monatelang nur Zweier-Boote zu Wasser gelassen werden durften, sei keine Ausbildung möglich gewesen.

„Somit konnte die übliche Fluktuation durch die neuen Ruderer nicht ausgeglichen werden“, so der Vereins-Chef. Er wolle sich aber ansonsten nicht beklagen, weil das Rudern als Individualsport überhaupt während des Corona-Lockdowns möglich gewesen sei. „Das ist schon etwas anderes als beim Fußball, den man schlecht zu zweit spielen kann“, sagt Uwe Vielstich. Dafür fehlten auch beim Rudern die Wettkämpfe. Während diese im vergangenen Jahr fast komplett der Pandemie zum Opfer gefallen waren, so fanden auch in diesem Frühjahr so gut wie keine Regatten statt.

„Die Ruderer konnten sich also wieder nicht messen. Jetzt wird auch nicht mehr viel passieren“, erklärt Vielstich. Dieser ist bereits seit 46 Jahren Mitglied beim VRV und gehört auch bereits seit 38 Jahren dem Vorstand an. Nachdem der selbstständige Süßwaren-Exporteur knapp zehn Jahre den Stellvertreter des Vorsitzenden Hans-Jürgen Busch gebildet hatte, löste er diesen vor neun Jahren an der Clubspitze ab.

Uwe Vielstich freut sich über die gesunde Mischung aus Breiten- und Leistungssport im Verein. Für den Leistungssport steht bereits seit einigen Jahren stellvertretend Luise Asmussen. Die 22-Jährige feierte bereits zahlreiche große internationale Erfolge und belegte unter anderem im vergangenen Jahr Platz drei im A-Finale der U23-Europameisterschaften im Leichtgewichts-Frauen-Doppelzweier an der Seite von Cosima Clotten.

Im Jahre 2017 hatte Asmussen sogar im A-Finale der U23-Weltmeisterschaften im Leichtgewichts-Frauen-Doppelvierer die Bronzemedaille eingeheimst. „Das ist auch ein Beweis für unsere gute Ausbildungsarbeit. Darauf können wir sehr stolz sein“, findet Vegesacks langjähriger Ausbilder Klaus Sieg. Asmussen sei die erfolgreichste Ruderin des Vereins in den vergangenen 15 bis 20 Jahren gewesen. „Eine WM-Medaille ist schon eine Hausnummer“, findet auch Uwe Vielstich.

Erfolg hat aber auch im wahrsten Sinne des Wortes seinen Preis. „Da Luise inzwischen auf Einer umgestiegen ist, mussten wir ihr ein neues, super teures Boot kaufen, mit dem sie auch konkurrenzfähig ist“, informiert Uwe Vielstich. Das Boot habe rund 13.000 Euro gekostet. Ein Achter-Boot koste sogar mal schnell 50.000 Euro. „Und da sind dann die Riemen noch nicht einmal dabei“, ergänzt Vielstich.

Angesichts dieser Investitionen sei auch der fällige Mitgliedsbeitrag von monatlich 27 Euro für einen aktiven Erwachsenen nicht zu hoch. „Die Boote müssen schließlich auch irgendwie bezahlt werden“, urteilt Uwe Vielstich. Er räume aber ein, dass man sich angesichts eines Jahresbeitrages in Höhe von 324 Euro im ersten Moment erst einmal erschrecken könne. „Aber man kann unsere Ausgaben eben auch nicht mit denen eines Fußballvereins vergleichen“, gibt der ausgebildete Außenhandelskaufmann und Betriebswirt zu bedenken.

Als Uwe Vielstich dem Verein im Jahre 1975 beitrat, waren die Vegesacker gerade ein Jahr zuvor aus ihrem alten Bootshaus an der maritimen Meile aus- und nach Grohn gezogen. Der Umzug war wegen der Weservertiefung notwendig geworden. Das alte Bootshaus soll dem Publikum aber demnächst als Ausstellungsstück zugänglich gemacht werden – dabei hilft auch Klaus Sieg.

Aber auch am neuen Standort an der Lesum besitzen die Vegesacker ein schickes Bootshaus mit einer Gastronomie. Hier gefällt es Uwe Vielstich außerordentlich gut. „Das Bootshaus hat eine traumhafte Lage mit einer fantastischen Terrasse, von der man einen weiten Blick über das Werderland bis zum Bremer Zentrum hat“, schwärmt der 58-Jährige. Das Bootshaus sei deshalb auch sehr beliebt bei Party-Gästen. Die Räumlichkeiten eignen sich für Feiern von 20 bis etwa 150 Personen.

Aber nicht nur die Location haut Uwe Vielstich regelmäßig vor Begeisterung um. Dieser hebt auch das tolle Miteinander im Verein hervor. „Hier hilft wirklich jeder jedem“, versichert der Clubchef. Während die älteren Mitglieder den jungen Ruderern gerne auch mal finanziell unter die Arme greifen würden, revanchierten die Jungen sich unter anderem damit, dass sie den Älteren dabei helfen, die Boote ins Wasser zu tragen. „Wir bilden eine Einheit. Ich würde mir den Vorsitz aber auch nicht antun, wenn wir hier im Verein ständig Grabenkämpfe hätten“, sagt Uwe Vielstich.

Nimmt man die Kilometer, die die VRV-Mitglieder im Jahr rudernd zurücklegen, zusammen, so umrunden diese in etwa dreimal die Erde. „Wir rudern für gewöhnlich etwa 120.000 bis 140.000 Kilometer pro Jahr“, berichtet Uwe Vielstich. Im vergangenen Jahr seien es aber Corona-bedingt nur knapp 90.000 Kilometer gewesen. „Auch in diesem Jahr werden wir nicht die üblichen Kilometer erreichen. Dafür haben uns einfach der April und der Mai gefehlt“, erklärt Vielstich.

Auch wegen ausgefallener Regatten habe bei den Rennruderern teilweise der Anreiz gefehlt, viele Trainings-Kilometer zu absolvieren. Uwe Vielstich organisiert immer wieder mehrtägige Touren so wie die im Sommer stattgefundene einwöchige Fahrt mit der Barke von Kassel bis Minden. Sehr beliebt sind ansonsten auch die Tagestouren auf der Wümme.

Info

Vegesacker Ruderverein

Gründung: 1900

Größe: rund 400 Mitglieder

Geschäftsadresse: Am Wasser 23, 28759 Bremen

Telefon: 0421-628440

E-Mail: info@vrv.de

Homepage: www.vrv.de

Vorstand: Uwe Vielstich (1. Vorsitzender), Matthias Flies (2. Vorsitzender), Michael Lachmann (Schatzmeister), Vicky Degener (Jugendwart), Inge Träger (Schriftwartin), Dirk Eckelt (Ruder- und Wanderruderwart), Stefan Höweler und Uwe Dirlam (Bootswarte), Ulrich Ziegler (Hauswart), Thomas Degener (Materialwart), Dorothee Wolter-Buhlmann und Christoph Bannert (Pressewarte), Maike Rebettge (Festwartin), Antje Lachmann (Frauenwartin), Lars Schröder (Trainingsobmann), Ulli Temme, Kathrin Baumgart und Nina Wirchan (Trainer/Jugendtrainerin), Ole Grünert und Jan Schlegel (Jugendvertreter)

Mitgliedsbeiträge (monatlich): Schüler bis 18 Jahre: 10 Euro; aktives Mitglied 18 bis 21 Jahre: 19,50; aktives Mitglied über 21 Jahre: 27 Euro; Ehepaar (beide aktiv): 42 Euro; Ehepaar (beide passiv): 15 Euro; Ehepaar (aktiv und passiv): 30,50 Euro; zweites und jedes weitere jugendliche Mitglied einer Familie bis 18 Jahre: 7 Euro; aktives Mitglied als Student oder Azubi: 14 Euro; Auswärtiges Mitglied: 10 Euro; Passives Mitglied: 8,50 Euro; Aufnahmegebühr für jedes aktive Mitglied: 85 Euro; für jedes aktive Mitglied und Absolvierung der Ruderschule: 50 Euro KH

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