Schloss Schönebeck Die Ästhetik alter Technik

"Punkt - Linie - Strich" ist der Titel der neuen Ausstellung im Kunstkeller des Schlosses Schönebeck. Der Sottrumer Künstler Karl Schmeichel stellt Zeichnungen aus. Was die Besucher erwartet.
25.11.2022, 12:33
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Von Marina Köglin

„Punkt-Strich-Linie“ – unter diesem Titel wird im Kunstkeller des Heimatmuseums Schloss Schönebeck ab sofort eine neue Ausstellung gezeigt. Der Sottrumer Künstler Karl Schmeichel präsentiert dort Zeichnungen und einige Rost-Objekte. Zu sehen sind ästhetische, bis ins kleinste Detail ausgeführten Zeichnungen von Zahnrädern, Schraubstöcken, Hochöfen, Metallstreben und anderen technischen Komponenten. Der Blick für Details ist es, was Schmeichels Bilder ausmacht. Er schaut auf räumliche Strukturen und die Formschönheit technischer Objekte: Oberfläche, Struktur, Licht und Schatten. Mit seinen Zeichnungen macht Schmeichel die Ästhetik der Objekte deutlich.

„In meinem ersten Leben war ich Maschinenschlosser und komme immer wieder zu meinen Wurzeln zurück", sagt er. „Man könnte sagen, das Metall ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.“ Von 1992 bis 1994 folgte ein Studium an der Werkakademie für Gestaltung in Kassel. „Da habe ich die Liebe zum Zeichnen entdeckt.“ Hinzu kommt ein ausgeprägtes Gespür für das Besondere im Alltäglichen. Wo andere achtlos vorübergehen, entdeckt Karl Schmeichel Motive für seine Zeichnungen. Das können Telegrafenmasten sein – oder die Baustelle eines Hochregallagers. Jedes Motiv wird zunächst fotografiert; dreißig-, vierzigmal, aus allen möglichen Perspektiven. Anschließend wird das Motiv daheim mit Bleistift oder schwarzer Tinte zu Papier gebracht. Je nachdem wie detailreich das Motiv ist, kann das bis zu 30 Tagen dauern. Das Ergebnis fasziniert: Die Bleistiftzeichnung zeigt beispielsweise das Hochregallager als ebenso präzises wie undurchschaubares Gewirr von Metallstreben, die scheinbar ins Unendliche wachsen.

Alte Technik und Mechanik faszinieren den Sottrumer. Mit Titeln wie „Die große Gier“, „Aufmarsch“ oder „Zähne zeigen“ gibt Schmeichel seinen Bildern zudem auch politische oder gesellschaftskritische Aspekte. Neben den Bildern voll technischer Ästhetik werden auch einige Naturbilder gezeigt. Zum Beispiel „Die Behausung“. Zu sehen ist eine Asthütte mitten im Wald. Zugleich ist dies eines der wenigen Bilder, bei denen Farbe eingesetzt wurde, in diesem Fall blauer Buntstift. „Ich wollte einmal mal sehen, wie der Wald in Blau aussieht“, so Karl Schmeichel. Die Vorlage für das Bilder-Duo „Schöner deutscher Wald“ fand Karl Schmeichel im Harz: „Bäume, im Sonnenlicht silbrig schimmernd – und komplett abgestorben.“ Darum zeigt er den Wald auf den zwei Bildern schwarz-weiß, ein Bild ist das Negativ des anderen. Doch welches Bild das Positiv und welches das Negativ ist – da muss der Betrachter schon genau hinsehen. Ein genauerer Blick lohnt sich immer, um all die Nuancen, Details und hauchzarten Schattierungen zu entdecken.

„Mein Hauptthema ist die Vergänglichkeit. Zum einen merke ich es an mir selbst", erklärt Karl Schmeichel, der Jahrgang 1952 ist. Aber auch in seiner Umgebung nimmt er die Vergänglichkeit wahr, wobei ihn Veränderungen und naturgegebene Prozesse durchaus faszinieren, wie seine Rost-Werke eindrucksvoll zeigen. Das Werk „Griffig“ besteht aus zahllosen alten, rostigen Fenstergriffen. Und den „Füssler“ hat Schmeichel aus lauter rostigen Schrauben zusammengesetzt, die er auf seinem Grundstück gefunden hat.

Info

Die Ausstellung „Punkt-Strich-Linie“ mit Werken von Karl Schmeichel wird am Sonnabend, 26. November, im Kunstkeller eröffnet und kann bis zum 8. Januar jeweils zu den Öffnungszeiten des Heimatmuseums Schloss Schönebeck, Im Dorfe 3-5, besucht werden. Die ausgestellten Werke können auch käuflich erworben werden. Weitere Informationen online unter www.museum-schloss-schoenebeck.de.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+