Schulschiff Deutschland

„Zu wenig Besucher in Vegesack“

Bleibt das „Schulschiff Deutschland“ in Vegesack oder wandert es nach Bremerhaven ab? Darüber gehen die Einschätzungen auseinander.
27.01.2021, 09:00
Lesedauer: 2 Min
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„Zu wenig Besucher in Vegesack“
Von Aljoscha-Marcello Dohme

Vegesack. Bleibt das „Schulschiff Deutschland“ in Vegesack oder wandert es nach Bremerhaven ab? Diese Frage beschäftigt inzwischen nicht mehr nur den Stadtteil, sondern auch den Senat (wir berichteten). Am Montag wurde die Zukunft des Traditionsseglers erneut in Vegesack diskutiert, dieses Mal im Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus, Kultur und Wirtschaft.

Die Einnahmen würden nicht ausreichen, um die Kosten zu decken, informierte Claus Jäger, Vorsitzender des Deutschen Schulschiff-Vereins, das Gremium. „Diese strukturellen Probleme bestehen bereits seit einigen Jahren. Im Grunde genommen ist zu keinem Zeitpunkt der letzten 25 Jahre das Maß an Besuchern und Gästen erreicht worden, das man sich ursprünglich mal vorgestellt hatte“, so Jäger. In der Vergangenheit seien die Deckungslücken etwa durch Spenden geschlossen worden. Seit 2018 gebe es allerdings ein Defizit von etwa 60.000 Euro pro Jahr. Pandemiebedingt rechne der Verein für 2020 sogar mit einem noch höheren Fehlbetrag. „Das heißt: Ohne eine nachhaltige Steigerung der Einnahmen können wir das 'Schulschiff Deutschland' in dem Zustand, in dem es sich jetzt erfreulicherweise immer noch befindet, nicht erhalten“, sagte er.

Vegesack könne nicht genügend Gäste anziehen, stellte er fest. „Vegesack übt, und das ist auch die Bilanz des Wirtschaftsressorts für das Konzept Freizeit und Naherholung, auf Touristen keine Anziehungskraft im großen Umfang aus“, so der ehemalige Wirtschaftssenator. Deshalb könne der Schulschiffverein an seinem jetzigen Standort nicht die Mittel generieren, die er für die Unterhaltung des Seglers benötige. Abhilfe schaffen könnte lediglich eine erhebliche Unterstützung aus Steuermitteln, die bislang aber nicht zur Verfügung gestellt sei.

Dirk Kühling vom Wirtschaftsressort verwies darauf, dass sich der Senat für einen Verbleib des Schulschiffes in Vegesack ausgesprochen habe. „Wir wissen, wie wichtig das Schiff für Vegesack ist, um die maritime Seite des Stadtteils deutlich zu machen. Insofern haben wir uns in den vergangenen Jahren schon immer sehr für eine finanzielle Absicherung des Schulschiffes eingesetzt“, so Kühling. Am gestrigen Dienstag hätten dazu weitere Beratungen unter Beteiligung des Senats stattgefunden, so der Behördenvertreter weiter.

Karl Brönnle (Linke) regte unter anderem an, Besuchern des Schulschiffes kostenlose Parkplätze zur Verfügung zu stellen und die Zeit bis zum Hafengeburtstag im kommenden Jahr zu nutzen, um eine gesündere finanzielle Basis für den Schulschiffverein aufzubauen. „Uns eint die Tatsache, dass wir uns alle für den Verbleib des Schulschiffes in Vegesack einsetzen“, resümierte Vegesacks Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt zum Ende der Diskussion.

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