Tag des offenen Denkmals

Auf dem Glockenturm und unter dem Sedanplatz

Am Sonntag können Interessierte Baudenkmäler genauer unter die Lupe nehmen. Auch Bremen-Nord ist mit einigen Anlaufstellen bei der bundesweiten Aktion dabei.
08.09.2021, 13:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Marina Köglin

Bremen-Nord. Der Tag des offenen Denkmals gilt als die größte Kulturveranstaltung Deutschlands. Immer am zweiten Sonntag im September ermöglicht er allen Interessierten seltene Einblicke in Denkmale und ihre Geschichte. Am Sonntag, 12. September, findet der diesjährige Tag des offenen Denkmals statt und lädt dazu ein, historische Stätten zu besuchen und einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Bundesweit öffnen jährlich gut 7500 historische Stätten kostenfrei Tür und Tor. Die Art der Denkmale ist vielseitig: Befestigungsanlagen, Schiffe oder Kirchen, Industrieanlagen, Schlösser oder Windmühlen, Wohnbauten, Parks und archäologische Plätze.

Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert die Veranstaltungen und stellt den Tag des offenen Denkmals unter ein Motto, um dadurch unterschiedliche Denkmal-Aspekte zum Vorschein zu bringen. Das diesjährige Motto „Sein und Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege“ rückt die Handwerkskunst der Illusion in den Mittelpunkt. „Der schöne Schein ist nicht erst heute ein Thema, sondern begegnet uns immer wieder in der Architekturgeschichte. Denkmale zeugen bis heute davon und beeindrucken mit optischen Täuschungen und Illusionen. Schon seit vielen Jahrhunderten faszinieren die Tricks und Künste, die hinter solchen Illusionen stecken“, heißt es in der Ankündigung. Auch Denkmale, die auf den ersten Blick nicht viel her machen, aber auf den zweiten Blick eine außergewöhnliche Erscheinung sind, können eine Facette des Mottos sein. Frei nach dem Motto „Kultur für alle“ erhalten alle Generationen Einblicke in sonst nicht zugängliche Innenräume oder bekommen die Gelegenheit, Gebäude zu erkunden, die meistens in der Eile der Alltags links liegen gelassen werden. Jedes Denkmal erzählt seine eigene – oft überraschende – Geschichte.

Vom Logenhaus bis zum Seenotrettungs-Versuchskreuzer  – die Vielfalt am Tag des offenen Denkmals ist auch in Bremen-Nord groß. Diese historischen Stätten können am 12. September besucht werden:

Das Alte Packhaus Vegesack, Alte Hafenstraße 30, ist ein ehemaliges Wohn- und Packhausgebäude und gehört zu den ältesten Bauten Vegesacks. Der Ursprungsbau stammt aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, der rückwärtige Speicheranbau ist von 1753. Das Packhaus beherbergt heute Kito und Overbeck-Museum, das am Sonntag von 11 bis 18 Uhr geöffnet ist.

Das Logenhaus, Weserstraße 7, ist von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der klassizistische Bau wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als vornehmes Wohn- und Geschäftshaus erbaut. 1899 erfolgte der Umbau zum Logenhaus. Nach Enteignung durch die Nationalsozialisten und Verwendung als Heimatmuseum wird es seit 1968 wieder von der Freimaurerloge "Anker der Eintracht" genutzt. Am Sonntag werden nach Bedarf Führungen angeboten, es gibt Kaffee und Kuchen.

Auch die Zivilschutzanlage unter dem Sedanplatz öffnet am Sonntag ihre Türen. Die im Zeitraum 1973 bis 1975 erbaute Tiefgarage wurde zugleich als Zivilschutzanlage geplant – sie ist eine sogenannte Mehrzweckanlage (MZA), die größte Schutzraumanlage Bremens aus der Zeit des Kalten Krieges und die einzige mit erhaltener Ausstattung. Am Sonntag finden zwei etwa 90-minütige Führungen (Beginn 11 und 13 Uhr) mit Egbert Heiß statt. Treffpunkt ist am Eingang der Markthalle auf dem Sedanplatz. Die Anzahl der Teilnehmer ist auf 25 begrenzt, Teilnahme nur mit kostenlosen Eintrittskarten, die täglich (bis Freitag, 10. September), von 9 bis 18 Uhr in der in der Bürgerhaus-Cafeteria, Kirchheide 49, abgeholt werden können.

Der Thiele-Speicher, Alte Hafenstraße 44, ist ein ehemaliges Pack- und Lagerhaus am Vegesacker Hafen. Das um 1800 erbaute Haus hat eine markante Giebelfront mit Ladepforten und Kranbalken. Heute ist der Speicher das Domizil des Fecht-Clubs Bremen-Nord (FCBN) und des Vereins Kutter- und Museumshaven Vegesack. Am Sonntag werden in der Zeit von 12 bis 17 Uhr nach Bedarf Führungen angeboten, außerdem stellt sich der Fecht-Club mit sportlichen Darbietungen vor.

Knoops Park: "Sein und Schein" – das Motto des diesjährigen Tags des offenen Denkmals passt gut zur Gartenkunst des 19. Jahrhunderts; war es doch die Vorstellung der Gartenarchitekten, die Landschaft in die herrschaftlichen Gärten zu holen, um sich direkt an der „Natur im Kleinen“ zu erfreuen. Natürliche und bauliche Accessoires erzeugten ein romantisches Lebensgefühl, obwohl außerhalb der Gärten die technische und gesellschaftliche Entwicklung in rasanter Weise voran schritt. Das Beispiel Knoops Park zeigt, welche Menschen sich diese Scheinwelt realisiert haben und was aus ihr wurde. Am Sonntag lädt Christof Steuer von 11 bis 12.30 Uhr zu einer Führung ein. Treffpunkt ist auf dem Parkplatz Kränholm, Auf dem hohen Ufer / Ecke Raschenkampsweg. Der Spaziergang führt zu Baron Knoop sowie zu den „Töchterresidenzen" Albrecht, Schotteck und Kränholm.

Museumshaven Vegesack: Auch der Seenotrettungs-Versuchskreuzer "Bremen" kann am Sonntag besichtigt werden. Als Motorrettungsboot "Konsul Kleyenstüber" der DGzRS 1931 auf der Vegesacker Lürssen-Werft erbaut, dort 1952 zum Prototyp des modernen Seenotrettungskreuzers umgebaut, war der Versuchskreuzer bis 1965 im Einsatz. „Open Ship“ ist von 10 bis 18 Uhr, Besucher können die Deck- und Fahrstände besichtigen. Interessierte werden in Gruppen bis maximal vier Personen an Bord gelassen, Kinder ab sechs Jahre können ebenfalls an den Besichtigungen teilnehmen. Zutritt nur mit einer FFP2- oder medizinischen Maske. Außerdem gilt aufgrund der aktuellen Inzidenzwerte beim Besuch des Schiffes die 3G-Regel. Daher muss ein Nachweis über eine vollständige Impfung, Genesung oder ein aktueller Corona-Test (nicht älter als 24 Stunden) vorgelegt werden.

In der St.-Michael-Kirche, Grohner Bergstraße 1, wird das Motto "Sein und Schein" besonders anschaulich: die hohe künstlerische Qualität der Kirchenausmalung führt leicht zur Annahme, dass Mauerwerk, Pfeiler und Bögen aus wertvollem Naturstein bestehen. Dass dem nicht so ist, erkennen viele erst auf den zweiten Blick. Ab 10 Uhr findet ein Gottesdienst mit Pastorin Frauke Löffler statt. Eine Führung zum Thema "Sein & Schein" mit Susanne Korte beginnt um 12 Uhr. Für 13 Uhr lädt Pastorin Frauke Löffler zu der Führung "Von Michael und anderen Engeln" durch Kirche und Gemeindehaus ein. Um 14 Uhr beginnt ein Orgelkonzert mit Kantor Jürgen Blendermann. Jeweils um 11.30, 12.30 h und 13.30 Uhr gibt es die Möglichkeit, den Dachboden und den Glockenturm zu erklimmen.

Auch Schloss Schönebeck, Im Dorfe 5, ist beim Tag des offenen Denkmals dabei. 1357 als Burganlage erstmals urkundlich erwähnt, um 1640 im Stil des Barock errichtet: Der stattliche zweigeschossige Backstein-Fachwerkbau mit erneuerter rückwärtiger Prunkfront zählt zu den bedeutendsten Baudenkmalen im Bremer Norden. 1972 richtete der „Heimat- und Museumsverein für Vegesack und Umgebung“ hier ein Museum ein. Am Sonntag ist es von 10.30 bis 17 Uhr geöffnet, um 11 und um 15 Uhr finden Führungen statt.

Wätjens Park gehört ebenfalls zu den Garten- oder Park-Denkmalen, die zum Besuch einladen. Der Park ist ganztags geöffnet, um 11 Uhr beginnt eine etwa 90-minütige Führung mit Rainer Frankenberg. Treffpunkt ist am Haupteingang.

Info

Weitere Informationen zum Tag des offenen Denkmals unter www.tag-des-offenen-denkmals.de.

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