Vegesacker Ruderverein Als das VRV-Boot Olympia-Silber gewann

Olympia 1952 in Helsinki: der mit Vegesackern besetzte deutsche Zweier mit Steuermann holt die Silbermedaille.
22.07.2021, 14:19
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Von Klaus Grunewald

Für die Hansestadt Bremen und den Stadtteil Vegesack war es die Nachricht des Tages schlechthin: „Vegesacker Ruderer gewannen Silbermedaille für Deutschland“ lautete die Überschrift auf der Titelseite des Weser-Kurier vom 24. Juli 1952.  Im Zweier mit Steuermann hatten sich tags zuvor die VRV-Athleten Heinz-Joachim Manchen, Helmut Heinhold und Helmut Noll nur dem französischen Boot geschlagen geben müssen. Auch heute und gerade anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Tokio sei die Silbermedaille immer noch sehr präsent in unseren Köpfen“, sagt der Vorsitzende des Vegesacker Rudervereins (VRV), Uwe Peter Vielstich (siehe Interview).

Das gilt auch für einen unserer Leser aus Lemwerder, der nicht namentlich in der Zeitung erwähnt werden möchte. Der 79-Jährige kann sich noch gut daran erinnern, zusammen mit anderen Kindern oft am Weserufer gestanden und das Training der VRV-Athleten zwei Jahre nach der Sensation in Helsinki beobachtet zu haben. Und natürlich auch das Boot der Olympia-Teilnehmer. Ausnahmslos jeden Abend hätten Manchen, Heinhold und ihr Steuermann Noll unter der Anleitung ihres Trainers Erich Buschmann damals jahrelang eisern an sich gearbeitet und seien mit Begeisterung bei der Sache gewesen, heißt es in den Annalen des Vereins.

Technik, Muskel- und Willenskraft des Vegesacker Trios ließen schließlich keinen Zweifel daran aufkommen, wer nach dem Gewinn der Meisterschaft im eigenen Land die deutschen Farben im Juli 1952 in Helsinki im Kampf um die Medaillen im Zweier mit Steuermann vertreten würde. Den Nordbremern blieb allerdings auf der Regattastrecke in der Meeresbucht westlich des Zentrums der finnischen Hauptstadt kein Zwischenlauf erspart. Sie mussten sich durchbeißen und qualifizierten sich schließlich im entscheidenden Rennen als Zweiter hinter den Topfavoriten aus Frankreich für das Finale.

Das ebenso spannend verlief. Das Vegesacker Boot fuhr bei leichtem Gegenwind ein taktisch kluges Rennen und lag an der 1600-Meter-Marke an Position vier. Dann aber, so der Chronist des Weser-Kurier vor 69 Jahren, setzten die Deutschen zu einem energischen Endspurt an, überholten mit „sauberer Ruderarbeit und unerhörtem kämpferischen Einsatz“ Italien und Dänemark und sicherten sich schließlich den zweiten Platz und die Silbermedaille. Die vom Start wegführenden Franzosen hatten sich jedoch den Sieg nicht mehr nehmen lassen.

Dennoch, die Silbermedaille für Manchen, Heinhold und Noll war auch deshalb eine Sensation, weil sie von einer reinen Vereinsmannschaft errungen wurde. Auf die Leistung der drei Vegesacker, so der Weser-Kurier am 24. Juli 1952, dürfe ganz Deutschland stolz sein. Das Trio habe den verdienten Lohn für seine jahrelange harte Trainingsarbeit gefunden.

Der Empfang für Manchen, Heinhold und Noll in Vegesack war denn auch überschwänglich. Rund 30.000 Menschen säumten die Straßen und feierten die Silbermedaillen-Gewinner bei einer Freudenkundgebung mit einer Herzlichkeit, wie sie der Stadtteil noch nicht erlebt habe, heißt es in einem Bericht der Norddeutschen Volkszeitung. Und weiter: Hunderte von Blumensträußen, Konfettiregen und Papierschlangen regneten auf die „Olympia-Sieger“ aus den dicht besetzten Fenstern der Häuser herab. Sieger waren sie auch als Silbermedaillen-Gewinner also allemal.

Zur offiziellen Begrüßung des Erfolgs-Trios hatten sich neben dem Vorsitzenden des Deutschen Ruderverbandes, Dr. Walter Wülfing, und dem VRV-Vorsitzenden Werner Borowski auch Sportsenator Hermann Wolters eingefunden, der die Glückwünsche der Landesregierung und von Bürgermeister Wilhelm Kaisen überbrachte. Darüber hinaus ließen es sich Vegesacks Ortsamtsleiter Willy Ahrens und der Chef des Landessportbundes, Oskar Drees, nicht nehmen, Manchen, Heinhold und Noll zu ihrem Olympia-Triumph zu gratulieren.

Vom damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss erhielten die erfolgreichen Vegesacker Ruderer, die alle nicht mehr leben, damals das Silberne Lorbeerblatt. Und der Deutsche Ruderverband verlieh Erich Buschmann die Verbandauszeichnung für erfolgreiche Amateurtrainer.

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