Ferien in „Bremopolis“ Eine Stadt nur für Kinder

„Bremopolis“ heißt das Ferienprogramm im Bremer Westen und es verspricht, einmalig zu sein: eine Erwachsenenwelt im Miniaturformat. Der Bremer Landessportbund sucht noch Sponsoren und freiwillige Helfer.
19.06.2019, 17:31
Lesedauer: 4 Min
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Von Anke Velten

200 Bremer Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren haben jetzt noch einen Grund mehr, sich auf die Sommerferien zu freuen: Bremopolis heißt das Ferienprogramm, wie es zumindest Bremen noch nie erlebt hat. Seit einem halben Jahr laufen beim Bremer Landessportbund intensive Planungen für eine temporäre Kinderstadt mit eigener Regierung, Wirtschaft, Kultur und Freizeitmöglichkeiten – kurz: für eine Erwachsenenwelt im Miniaturformat.

Nun ist ein passender Ort gefunden, der Termin steht fest, die neue Homepage ist im Netz, und Anmeldungen werden ab sofort angenommen. Beteiligt ist ein großer Kreis an Engagierten aus Institutionen der Bremer Jugendarbeit. Doch noch immer werden Menschen gesucht, die mithelfen, die Bremer Kinderstadt mit Leben und Arbeit zu füllen.

Das Feriencamp Bremopolis wird vom 29. Juli bis 9. August auf dem Vereinsgelände des TV Bremen-Walle 1875 an der Hans-Böckler-Straße stehen: Ein idealer Standort, der sämtliche Wunschkriterien erfülle, erklärt Linus Edwards, Abteilungsleiter der Bremer Sportjugend und federführender Stadtentwickler: „Die Sportanlage ist groß genug, gut erreichbar, verfügt über die nötige Infrastruktur, kann nach Feierabend abgeschlossen werden und besitzt eine feste Halle, die notfalls genutzt werden kann“, so Edwards.

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Der Plan: Jeweils hundert Kinder werden für je eine Ferienwoche montags bis freitags zwischen 8 und 16 Uhr betreut und können dabei unter möglichst vielen Mitmachangeboten auswählen. Das Besondere: Sie sollen dabei erfahren, wie die Gesellschaft funktioniert, und ihre eigenen Interessen und Talente in vielen Bereichen ausprobieren.

Eigene Währung in Bremopolis

Nach einer Begrüßungsrunde und einem ­gemeinsamen Frühstück melden sie sich im Jobcenter. Den Vormittag über sind sie an ­täglich wechselnden Arbeitsplätzen ihrer Wahl beschäftigt, angeleitet und betreut von erwachsenen Expertinnen und Experten. Nach dem Mittagessen beginnt die Freizeit, und damit auch die Gelegenheit, das selbst verdiente Geld auszugeben – in einer Währung, die nur in Bremopolis gilt. „Das wird gut. Hundertprozentig“, prophezeit der Projektleiter.

Dass so etwas machbar ist, und wie es funktionieren kann, zeigen bereits rund 40 kleine und größere Kinderstädte in Deutschland. Vorbild für das Bremer Konzept ist die Karlsruher Kinderspielstadt Karlopolis. Unter der Regie des städtischen Jugendausschusses wird dort an zwei Ferienwochen ein Camp aus Häusern, Hütten und Zelten, mit Straßen und Kaufläden aufgebaut.

600 Kinder halten sich an den Wochentagen in Karlopolis auf. Im vergangenen Jahr gab es dort unter anderem eine Bäckerei, eine Fahrradreparaturstation, Holz-, Textil- und Metallwerkstatt, eine kleine Landwirtschaft und Gärtnerei, Zeitung, Radiostation, Feuerwehr, Bank, Post und Versicherungsbüro, Theater und Zirkus. Wie eine Demokratie funktioniert, lernen die Kinder durch die Bildung ihres eigenen Gemeinderats. Eltern haben keinen Zutritt – es sei denn, sie melden sich für eine der Gästeführungen an, die die Kinder nur dann anbieten, wenn sie möchten. Karlopolis wurde wiederum von Mini-München inspiriert.

Kinder sollen viel ausprobieren und lernen

Die älteste und größte unter den deutschen Spielstädten wird seit 1979 im Münchner Olympiapark organisiert und verzeichnete 2018 rund 2500 Tagesgäste. „Kinder sind neugierig und wissbegierig. Sie sind zugleich Wissenschaftler und Handwerker, wenn man sie lässt und dabei fördert. Sie können nicht anders als lernen“, heißt es im pädagogischen Konzept von Mini-München.

Damit auch die Kinder viel ausprobieren und lernen können, werden noch Profis aus vielen Bereichen gesucht, die bereit sind, an den Vormittagen mit dem Nachwuchs zu arbeiten. Die Organisatoren wünschen sich auf dem Panzenberg eine Polizeistation, Feuerwehr und Entsorgungsbetriebe, Post, Bank, Versicherung und Handwerksbetriebe verschiedener Metiers.

Die pädagogische Leitung übernimmt ein sechsköpfiges Team der Bremer Sportjugend, das von ehrenamtlichem Betreuern und Übungsleitern unterstützt wird. Für die Bereiche Umweltbildung, Kunst und Kultur, Theater und Musik sowie Ernährung und Gesundheit sollen Pädagogen auf Honorarbasis engagiert werden.

Sachspenden, Spielzeug und Bücher

Insgesamt werden sich die Kosten für das zweiwöchige Programm auf rund 40 000 Euro belaufen, schätzt Edwards. Die Hälfte soll über die Teilnahmebeiträge gedeckt werden. Die übrige Hälfte muss über Spenden und Sponsoren aufgebracht werden.

Gerne genommen werden laut Edwards auch Sachspenden für Verpflegung und Angebot: Von Obst, Brötchen und Wasser für das Frühstück bis zu Materialien zum Bauen und Basteln. Ebenfalls gesucht werden Unternehmen und Organisationen, die leihweise unter anderem Werkzeug, Spielsachen und Bücher zur Verfügung stellen könnten.

Bereits mit großzügigen Beiträgen im Förder-Boot ist die Daniel-Schnakenberg-Stiftung, die sich für Ferienerholung Bremer Kinder und Familien engagiert. Gar nicht schwer zu überzeugen war auch die SWB-Bildungsinitiative, berichtet Edwards: „Der verantwortliche Mitarbeiter hatte so etwas als Kind schon selbst miterlebt. Er war von unserer Idee sofort begeistert.“

Weitere Informationen

Kinder im Alter zwischen sechs und 14 Jahren, die in den Ferienwochen 29. Juli bis 2. August oder 4. bis 9. August noch nichts vorhaben, können sich über die Internetadresse www.bremopolis.de anmelden. Dort finden sich auch viele weitere Informationen für Teilnehmer und Förderer.

Die Teilnahme kostet 100 Euro. Spender, die die Kosten im Bedarfsfall übernehmen, sind willkommen. Unternehmen oder Menschen, die sich aktiv beteiligen oder als Sponsoren mitwirken möchten, können Kontakt aufnehmen über die E-Mail-Adresse info@bremer-sportjugend.de.

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