Weser als Pendelstrecke Idee mit Anlaufproblemen

Beim Hafen-Klönschnack ging es um die Weser als Pendelstrecke. Erste Erfahrungen mit der Verbindung zwischen Weserstadion und Landmark-Tower zeigen: Es gibt noch allerhand Nachbesserungsbedarf.
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Von Matthias Holthaus

„Ich finde die Grundidee gut und richtig, und diese Idee wird uns auch weiter beschäftigen“, sagt Sandra Veith vom IT-Unternehmen Team Neusta während des Hafen-Klönschnacks im Landmark-Tower. Die Grundidee, von der sie spricht, ist die Nutzung der Weser als Verkehrsweg. Und einen Anfang hat das Team Neusta zusammen mit der Reederei Hal Över in diesem Jahr bereits gemacht: Mit der „Alma“, die in der Zeit von Juli bis Ende Oktober vom Anleger am Weserstadion bis zum Landmark-Tower pendelt, können Interessierte jenseits von Stau und Stress in 40 Minuten vom Peterswerder bis in die Überseestadt gelangen.

Charterkosten von 135 000 Euro

„Das fing alles mit meinem Chef an, der hatte die fixe Idee eines Berufspendelverkehrs in die Überseestadt“, erzählt Sandra Veith. Dann passierte drei Jahre wenig in diese Richtung, bevor sich besagter Chef, CDU-Spitzenkandidat Carsten Meyer-Heder, mit Vertretern von Hal Över traf. Zusammen mit weiteren Sponsoren konnten anschließend die Charterkosten von 135 000 Euro aufgebracht werden. Die Bilanz nach mehr als zwei Monaten: Einige Parameter waren nicht stimmig“, berichtet Sandra Veith. So könne die „Alma“ keine Fahrräder transportieren, das Schiff sei zudem für ein öffentliches Verkehrsmittel zu langsam und die andere Weserseite könne nicht angesteuert werden. „Doch das Schiff wird dennoch von Berufspendlern und von Touristen genutzt“, erzählt sie, bevor sie anfängt, an die Zukunft zu denken: „Wenn wir perspektivisch auch noch die Waterfront dazunehmen könnten, wäre das sehr gut.“

Und auch Harro Koebnick, Sprecher von Hal Över, sieht in dem Vorhaben Potenzial: „Wir sind stolz, froh und glücklich, Teil dieses Projekts zu sein.“ Zwar sieht auch er die Defizite des langsamen und für Fahrräder ungeeigneten Schiffs, das außerdem nicht barrierefrei ist, doch auch er sieht in die Zukunft: „Das ideale Schiff dafür fährt schnell, ohne viel Wellen zu machen, und ist mit einem alternativen Antrieb ausgestattet. Es ist behindertengerecht gebaut und so konzipiert, dass es automatisch, zum Beispiel mit Magneten, anlegen kann.“ Und auch ein zweites Schiff zur besseren Taktung sei hilfreich. Solche Schiffe seien jedoch nicht unter 2,5 bis drei Millionen Euro zu haben, rechnet er vor, bevor er sagt: „Uns war von vornherein klar, dass solch ein Dienst immer ein Zuschussgeschäft bleiben wird.“ Und klar sei daher auch, dass es nicht ohne die Stadt Bremen gehen werde, wirft Sandra Veith ein. „Die Stadt muss man in die Pflicht nehmen“, wird daraufhin aus dem Publikum laut, „und eine Stadt wie Bremen müsste es doch schaffen, ein geeignetes Schiff, auch gebraucht, zu kaufen.“

ÖPNV auf dem Wasser

Dafür könnten beispielsweise europäische Fördertöpfe angezapft werden, wirft Sandra Veith ein. „Ich werde versuchen, die Möglichkeiten auszuloten und wie man konkret mit der Stadt in Verhandlung kommen kann“, sagt sie. Die Stadt indes sieht ein Redner aus dem Publikum als derzeit wenig handlungsfähig an: „Man braucht einen Gesamtplan, doch Bremen hat keinen Verkehrsentwicklungsplan. Zudem tritt der jetzige Senator ab und der neue muss sich erst einarbeiten. In den nächsten zweieinhalb Jahren wird da nichts passieren.“ Es sei müßig zu sagen, was sich alles verändern solle. „Doch ohne Sponsoren wird solch ein ÖPNV auf dem Wasser nicht stattfinden. Und das ist eigentlich Aufgabe der Stadt.“

Doch Sandra Veith ist von der Idee eines ÖPNV auf dem Wasser überzeugt: „Überall, wohin ich gehe, treffe ich auf offene Ohren. Auch der VBN ist im Rahmen seiner Möglichkeiten interessiert. Und wenn jedes Unternehmen etwas dazugeben würde, könnte es funktionieren.“ Vielleicht könne jedes Unternehmen in der Überseestadt Webspace zur Verfügung stellen, „wie ein Button ,Ich bin dabei´“, lautet ein Vorschlag aus dem Publikum, dem Sandra Veith aufgeschlossen gegenüber steht. Denn sie sagt auch: „Ich werde Hilfe brauchen, Leute, die mich unterstützen.“ Und Harro Koebnick sagt zum Publikum: „Tragen sie die Idee weiter und versuchen sie, die Menschen zu begeistern.“ Denn auch er ist der Meinung Sandra Veiths, die überzeugt ist: „Wenn wir es im nächsten Jahr noch mal probieren würden, mit einem anderen Schiff und einem Anleger auf der anderen Weserseite in Höhe der City, dann könnten wir Erfolg haben.“

Unter www.ueberseestadt-bremen-shuttle.de ist es interessierten Menschen und Firmen möglich, sich zu informieren. Bei Interesse an einer Zusammenarbeit kann über diese Website auch Kontakt aufgenommen werden.

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