Fahrradstreifen Osterfeuerberger Ring Radfahrerverband fordert Piktogramme

Ein am Osterfeuerberger Ring eingerichteter provisorischer Fahrradstreifen hat nun den ADFC auf den Plan gerufen. Der Radfahrerverband kritisiert, dass der Streifen nicht ausreichend gekennzeichnet ist.
27.08.2021, 14:07
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Radfahrerverband fordert Piktogramme
Von Anne Gerling

Mit Lastenrad, Stoffschablone und Sprühdosen rückten am Donnerstag, 26. August, Mitglieder des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) am Osterfeuerberger Ring an, wo seit 2020 Fahrbahnen, Fußwege, Radwege und die Mittelinsel komplett neu gestaltet werden. Ihr Ziel: Das westliche Ende der Großbaustelle unweit der Einmündungen Auguststraße und Fleetstraße. Dort nämlich kann die Situation nach Ansicht des ADFC für Radfahrer in Richtung Utbremer Kreisel aktuell schnell brenzlig werden.

Der rot gepflasterte Radweg wird an dieser Stelle auf die Fahrbahn geleitet; auf dem Asphalt läuft von dort aus eine gelbe Linie in Richtung Verteilerkreis weiter. Als Albrecht Genzel vom ADFC die gelbe Markierung vor einigen Tagen entdeckte, war er zunächst erfreut: „Ich dachte: Prima, da ist der Fahrradstreifen markiert worden. Dann kommen demnächst wohl noch Fahrrad-Piktogramme.“ Dies sei dann allerdings nicht der Fall gewesen.

„Solche Dinge gehören aber einfach zur Verkehrsführung dazu“, so Genzel, der betont: „Wir finden es grundsätzlich gut, dass es hier eine Extra-Spur für den Radverkehr geben soll. Immerhin hat man hier an den Radverkehr gedacht.“ Auch die Breite des abgetrennten Fahrradstreifens sei mit gut zwei Metern absolut in Ordnung. Aber, so der ADFC-Mitarbeiter: „Der Streifen ist nicht als Fahrradstreifen erkennbar und hat keine rechtliche Bewandtnis. Das könnte auch ein Parkstreifen sein.“ Und tatsächlich blockiert just in diesem Moment 150 Meter weiter an der Ecke Fiegenstraße ein Postauto den Streifen.

Um derartige Behinderungen abzustellen, hatte der Radfahrerverband Genzel zufolge beim Amt für Straßen und Verkehr (ASV) darum gebeten, den Streifen mit Fahrrad-Piktogrammen zu markieren. Genzel: „Das kostet ja nicht viel, und dann sieht man klar, wofür der Streifen da ist.“ Von der zuständigen Abteilung sei dies aber abgelehnt worden. Die Begründung: Piktogramme seien nicht nötig.

Das sehen die Vertreter des Verkehrsklubs anders und sind deshalb nun also selbst tätig geworden: Mit knallorangener Sprühkreide haben ADFC-Mitarbeiter ein Fahrradsymbol auf den Asphalt aufgetragen. Genzel zufolge war dies die letzte Möglichkeit, um die Situation vor Ort zu entschärfen: „Wir haben alle Wege beschritten. Gerade wenn eine Baustelle eingerichtet wird, muss es deutlich werden, wo Fahrräder fahren sollen. Uns macht es ja auch keinen Spaß, immer zu rügen.“ Stephan Glinka, Referent für Verkehrspolitik und Infrastruktur beim ADFC, ergänzt: „Es wäre schön, wenn es bei Baustellen Regelpläne geben würde.“ Die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen (AGFK) in Bayern etwa habe einen Leitfaden für Baustellen im Radverkehr herausgebracht, der sehr gut sei.

Der Waller Beirat, der am 1. September aus der Sommerpause zurückkehrt, konnte sich noch nicht mit der Problematik befassen. Erste positive Reaktionen aus der Ortspolitik gibt es aber bereits. Jens Hirschberg von der Grünen-Fraktion im Waller Beirat etwa findet die Aktion gut: „Ich habe mich selber schon gefragt, wofür der Streifen gut ist und finde es deshalb begrüßenswert, dass der ADFC das jetzt deutlich macht.“ Dem stellvertretenden Verkehrsausschusssprecher Jörg Tapking (Linke) ist der gelb markierte Fahrstreifen kürzlich auf dem Weg zur Arbeit aufgefallen. „Die Situation war: Der Streifen war zugeparkt“, sagt er. Insbesondere an dieser Stelle, wo Radfahrer für Autofahrer unerwartet auf die Fahrbahn geleitet würden, habe er dies als „ziemlich brisant“ empfunden. Tapking sieht sich durch die fehlende Radweg-Kennzeichnung in seinem Eindruck zu Bremens Baustellen-Management bestätigt: „Ich glaube, da ist generell Nachholbedarf. Denn der Fuß- und Radverkehr wird dabei oft nachrangig gedacht. Wir werden die Situation am Osterfeuerberger Ring in der nächsten Sitzung des Verkehrsausschusses am 16. September thematisieren müssen.“

Die bei der Aktion aufgesprühte Fahrrad-Silhouette – die voraussichtlich ohnehin nur bis zum nächsten Regen hält - habe einen symbolischen Charakter, so Genzel: „Unsere Forderung ist ein Piktogramm alle zehn Meter. Der ADFC ist auch bereit, eine kleine Summe zu spenden, wenn es an Farbe mangeln sollte.“

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Ärger um Fahrradspur am Osterfeuerberger Ring

Ist bei der Neugestaltung des Osterfeuerberger Ring eine zu schmale Fahrradspur eingeplant worden? Dieser Auffassung zumindest ist Albrecht Genzel vom ADFC, der sagt: „Der Osterfeuerberger Ring soll ja mal Premiumroute werden. Aber was hier gerade an Hardware gebaut wird, ist nicht Premiumrouten-Standard.“ Dieser Auffassung ist auch der Verkehrsausschuss des Waller Beirats, der im Mai in einer Stellungnahme zum Betriebsplan eine breitere Fahrradspur angemahnt hatte. „Wir werden hier eine Fahrradspur haben, die nicht den Vorgaben für Premiumrouten entspricht“, fürchtet Jörg Tapking (Linke), stellvertretender Sprecher des Verkehrsausschusses im Waller Beirat. „Wenn wir mehr Lastenräder und keine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Stundenkilometer haben und hier weiter Lkw fahren, dann wird es schwierig“, ist er überzeugt. Problematisch sei außerdem die – vom Kreisel aus gesehen – Linksabbiegespur für Radfahrer in Richtung Holsteiner Straße. Nach Ansicht der Ortspolitiker ist sie zu schmal und es fehlt außerdem eine Aufstellfläche.

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