Überseeinsel Quartiersentwicklung für Familien

Wegeverbindungen, Freiflächen, Gebäudetypen und Erhalt historischer Bausubstanz: Drei Vorschläge zur Neugestaltung des früheren Kellogg-Areals sollen nun weiterverfolgt und kombiniert werden
18.04.2018, 15:06
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Quartiersentwicklung für Familien
Von Anne Gerling

Wie sortiert man ein 15-Hektar-Areal? Wohin mit Straßen, Wegen, Wohnhäusern, Kitas, Schulen und Büros? Wie viele Quadratmeter sind überhaupt am Markt willkommen? Mit diesen Fragen haben sich in den vergangenen Monaten die Stadt- und Verkehrsplaner im Bauressort beschäftigt. Es geht dabei um ein echtes „Sahnestück“, nämlich um das Kellogg-Grundstück zwischen Weser und Europahafen, für das die Planer mittlerweile den schönen Namen „Überseeinsel“ entwickelt haben.

Die Stadt sieht dort Potenzial in mehrerlei Hinsicht, nämlich für die Entwicklung des dort bereits ansässigen Gewerbes und die Ansiedelung weiterer Betriebe ebenso wie für die Schaffung von zusätzlichem Wohnraum, sagt Wirtschaftsstaatsrat Ekkehart Siering: „Wir können uns hier 1000 neue Arbeitsplätze vorstellen.“ Eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Visionen für das Areal spielt Klaus Meier, Chef der Firma WPD, die das Kellogg-Areal vor rund zwei Wochen gekauft hat und es nun in enger Abstimmung mit der Stadt weiterentwickeln will.

„In einem halben Jahr sind wir in einem atemberaubenden Tempo zu einer Idee gekommen, wie man die Flächen bebauen könnte – und das in allseitigem Konsens“, sagt Meier, der Bremens neues Quartier insbesondere unter der Überschrift „Familie“ entwickeln und dort Gewerbe, Wohnen und öffentliche Nutzung harmonisch miteinander verbinden möchte.

Das grobe Raster dafür steht nun: Eine Jury unter der Leitung des ehemaligen Hamburger Oberbaudirektors Jörn Walter hat für das Areal im Rahmen eines Wettbewerbs drei städtebauliche Konzepte ausgewählt, die weiter verfolgt und miteinander kombiniert werden sollen. Das Gesamtkonzept stammt demnach vom Büro SMAQ aus Berlin. Ergänzt werden soll es durch Komponenten aus Entwürfen Bremer Architekten OMP und des in Kopenhagen ansässigen Büros Cobe. Alle drei interessanterweise Büros, deren Inhaber nicht älter als 50 Jahre seien, wie Senatsbaudirektorin Iris Reuther bei der ersten öffentlichen Präsentation nun unterstrich. Der Grundentwurf beinhaltet unter anderem Wege und einen Park an der Weser und somit die Möglichkeit, die Schlachte zu verlängern. Insbesondere die Wegeführungen und Verbindungen sowie die Vorschläge zum Uferbereich der SMAQ Architekten gefielen demnach der Jury.

Gut kam außerdem der Vorschlag des Bremer Büros OMP an, ein gemischtes Quartier mit unterschiedlichen Baustrukturen zu schaffen, die auch für Familien interessant sind. „Der Bremer Entwurf ist in Quartiersentwicklung sehr stark, weil er nicht blockartige Entwürfe macht“, sagt dazu Klaus Meier. Das Kopenhagener Büro Cobe wiederum enthalte gute Vorschläge dazu, wie der „Footprint Kellogg“ – also Spuren des bekannten Unternehmens – erhalten werden und dem Ort eine historische Identität geben könnten. „Wir sind schon jetzt dabei, darüber nachzudenken, welche historischen Teile in ein neues Konzept mitgenommen werden können“, sagt Reuther. Mindestens das Silo mit dem markanten Kellogg-Schriftzug und den Stadtmusikanten sei eine Landmarke, die vom Hansator wie auch vom Wasser aus zu sehen sei.

Einig sind sich alle Beteiligten darin, dass es Kitas und zwei neue Schulen – eine Grundschule und eine Oberschule – möglichst in der Nähe der Straßenbahnhaltestelle Europahafen geben muss. Auch über das Thema Verkehr machen sich Planer und auch der Investor Gedanken. Schließlich kommt die Überseestadt schon heute täglich an ihre Grenzen und auch Meier hat Mitarbeiter, die bewusst früh kommen, um Staus zu entgehen.

Ein kleiner Hoffnungsschimmer: 2021, wenn Meier bauen will, soll der A281-Ringschluss fertig sein, was Entlastung brächte. Auch führe ein eigenes Bahngleis vom Kellogg-Gelände direkt zum Bahnhof, so Meier: „Daran entzünden sich bereits Ideen zu einer Busspur.“ „Wie schön wäre es, wenn man im Viertel ins Wassertaxi steigt und in die Überseestadt fährt. Ich glaube, wir werden neue Wegebeziehungen zwischen der Überseestadt und der City sehen und neue Mobilitätskonzepte finden“, sagt außerdem Jens Lütjen, der mit seinem Immobilienunternehmen Robert C. Spies den Prozess zwischen Kellogg, WPD und der Stadt beratend begleitet.

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