Bis zu 5000 neue Bewohner Ideen für das Tabakquartier in Woltmershausen

Die Ideen für das Tabakquartier in Woltmershausen werden konkreter: Die Planer haben nun Vorschläge gemacht, wie das ehemalige Industriegebiet zum urbanen Zukunftsquartier mit Strahlkraft werden soll.
03.07.2019, 13:23
Lesedauer: 3 Min
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Ideen für das Tabakquartier in Woltmershausen
Von Karin Mörtel

Etwa 2000 neue Wohnungen sind im Woltmershauser Tabakquartier hinter der Bahnlinie Bremen-Oldenburg denkbar, in die zwischen 4000 und 5000 neue Bewohner einziehen könnten. Dies sind die ersten konkreten Zahlen, die die drei am Masterplan beteiligten Planungsbüros nun vorgelegt haben. An der zweiten öffentlichen Zukunftswerkstatt zur Weiterentwicklung des heutigen Industriegebietes rings um die ehemaligen Gaswerke und die verlassene Zigarettenfabrik der Firma Martin Brinkmann haben am Dienstagabend etwa 350 Menschen teilgenommen.

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An Themenstationen zu Grünplanung, Gemeinwesen, Verkehr, Energieversorgung und Städtebau äußerten die Bürger gegenüber den Fachleuten aus Behörden, Wirtschaft und Stadtplanung auch ihre eigenen Vorstellungen und Änderungswünsche, die in den folgenden Monaten in die Feinplanung mit einfließen sollen. Der fertige Masterplan wird gegen Jahresende vorliegen.

Zwei Knackpunkte für den Erfolg

Zwei zentrale Anliegen haben Bürger und Planer gemeinsam formuliert: Zum einen hängt aus Sicht der Beteiligten das Gelingen des neuen urbanen Wohn- und Arbeitsortes davon ab, ob tatsächlich der geplante "Gleispark" entlang des Bahndamms als grünes Bindeglied zur Innenstadt Wirklichkeit wird. "Wo heute noch Bahndamm und Hochstraße im Fokus stehen, wollen wir den Park als Motor der Quartiersentwicklung ins Blickfeld rücken", formulierte es Freiraumplaner Moritz Möllers vom Büro Bruun & Möllers Landschaften. Als südliches Gegenstück zum Bürgerpark wird die neue Grünanlage bereits gehandelt, allerdings mit deutlichem Schwerpunkt auf vielfältigere Möglichkeiten, dort Sport wie beispielsweise Ballsportarten oder Klettern zu treiben sowie darüber hinaus aktiv seine Freizeit zu verbringen.

Als zweite Bedingung für die erfolgreiche Entwicklung des Tabakquartiers gilt der Bau eines neuen Tunnels unter dem Bahndamm hindurch, der wie berichtet nur von einer neuen Buslinie sowie von Fußgängern und Radfahrern nutzbar sein soll. Denn wenn die beiden heute bereits überlasteten Engpässe an den Zugängen zu Woltmershausen ohne Ausweichmöglichkeit blieben, könnten die neuen Bewohner den Verkehr gänzlich zum Erliegen bringen, so die Befürchtung. „Vielleicht reden wir dort irgendwann sogar über eine Straßenbahn, aber das wissen wir noch nicht“, stellte Verkehrsplaner Jens Wittrock vom Büro BPR in Aussicht.

Zukunftsweisende Ziele

Beides sind für sich genommen schon Großprojekte, die die Stadt mit einer erheblichen Summe ab dem Haushaltsjahr 2022 einplanen müsste. Im Koalitionsvertrag des neu formierten rot-grün-roten Bündnisses ist vom Tabakquartier nur in Ansätzen zu lesen: beispielsweise, wenn es um eine bessere Bus- und Bahnanbindung geht. Dafür entsprechen aber die Ziele, die sich im Masterplan wiederfinden werden, in weiten Teilen den vorrangigen Zielen der Koalitionäre: Es soll ein zukunftsweisendes Energie- und Mobilitätskonzept geben, das in Sachen Nachhaltigkeit über Bremen hinaus Strahlkraft entfaltet. Als vorläufige Zielzahl nannte Wittrock, dass bis zum Jahr 2030 nur noch 25 Prozent aller Wege von den Bewohnern mit dem Auto zurückgelegt werden sollen. Als weiteres Schlagwort wird die „produktive Stadt“ genannt, also eine verträgliche Mischung von Wohnen und Gewerbe anstatt der zuvor häufig praktizierten strikten Trennung, die aus Sicht moderner Stadtplanung zu viele Arbeitsplätze an den Stadtrand verdrängt hat.

Senatsbaudirektorin Iris Reuther zeigte sich nach der Planungswerkstatt begeistert von der Aufbruchstimmung im Stadtteil und der Bereitschaft der Grundstückseigentümer, Anwohner, Stadtteilpolitiker und Gewerbetreibenden vor Ort, sich konstruktiv einzubringen. „Der Masterplan wird damit zum echten Gemeinschaftswerk, auch wenn uns allen bewusst sein muss, dass wir für unser Ziel noch ganz dicke Bretter bohren müssen.“ Den Autoverkehr stark zu reduzieren halte sie für ambitioniert, aber mit einer Kraftanstrengung machbar und auch notwendig, „denn wir müssen den Verkehr vordenken für die kommenden Generationen“.

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