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Uwe Barkemeyer erarbeitet mit seinen Ensembles für die Nikolaikirche ambitionierte Konzert-Programme
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Bremer Erstaufführung in Oslebshausen

Sigrid Schuer 13.11.2017 0 Kommentare

MIT / Chorleiter Uwe Barkmeyer
Uwe Barkemeyer mit der fünfjährigen Bella: "Sie ist ein absoluter Musikhund und bei den Proben immer mit dabei." (Walter Gerbracht)

Oslebshausen/Neustadt. Herr und Hund waren mehr als begeistert von ihrer ersten Exkursion, die sie auf den Spuren von Baltasare Galuppi nach Venedig unternahmen. Dem fast vergessenen italienischen Komponisten (1706 bis 1785), der als Wegbereiter der Oper unzählige Werke schrieb, widmet Kantor Uwe Barkemeyer das Konzert, das er am Sonntag, 19. November in der Nikolaikirche, Ritterhuder Heerstraße 1 bis 3, um 17 Uhr in Oslebshausen gibt. Der Frauenchor „Chorios“ und der ökumenische Chor „Gosem“ interpretieren unter seiner Leitung das „Dixit Dominus“ von Baltasare Galuppi und die „Missa sub titulo St. Leopoldi“ von Johann Michael Haydn. Der Bremer Glockenchor gibt zudem ein musikalisches Intermezzo. Galuppis „Dixit Dominus“ wird als Bremer Erstaufführung in Oslebshausen zu erleben sein. Ein Ausflug aus anderen Stadtteilen in die Nikolaikirche würde sich also mehr als lohnen.

„Ich habe mich mit meiner Welsh Terrier-Hündin Bella in verschiedenen venezianischen Ospedali umgeschaut, auch in dem wohl berühmtesten, das sich gleich um die Ecke des Markusplatzes befindet und in dem den ganzen Tag Vivaldi gespielt wurde“, erzählt Barkemeyer. Der rote Priester war bekannt dafür, dass er in Waisenheimen für Mädchen, den sogenannten Ospedali, unterrichtete, die für den exquisiten Klang der Frauen- und Mädchenchöre so berühmt waren, dass Komponisten aus ganz Europa nach Venedig pilgerten. Aber auch Baltasare Galuppi, der darüber hinaus in London und Sankt Petersburg wirkte, leitete in Venedig einen solchen Mädchenchor. „Die Mädchen und Frauen mussten auf der Empore hinter einem Gittergeflecht singen, denn man durfte sie im 18. Jahrhundert zwar hören, aber nicht sehen“, erläutert Uwe Barkemeyer, der in der Neustadt lebt. Baltasare Galuppis „Dexit Dominus“ wurde 1774 im Ospedale degl'Incurabili in Venedig uraufgeführt.

Etwas vom Glanz der Serenissima tragen auch die Kompositionen Galuppis in sich. „Das ist eine sehr festliche, feierliche und erhebende Musik, die durch die vielen Koloraturen zudem sehr virtuos ist. Eine Musik, die sehr geeignet für unseren Damen-Chor ist, ihm aber auch gesangstechnisch viel abverlangt. Ich finde, dass man sich beim Hören des Werkes das venezianische Flair und die prächtigen Kleider, die damals getragen wurden, sehr gut vorstellen kann“, resümiert Barkemeyer, der seit 22 Jahren leitender Kirchenmusiker an der Nikolaikirche ist. Galuppis Bravour-Arien werden von den Gesangssolistinnen, der Sopranistin Hanna Thyssen und der Mezzosopranistin Sophia Holdt interpretiert.

Und noch eine weitere musikalische Kostbarkeit gibt es neben Baltasare Galuppi in Oslebshausen zu entdecken: Bremens ersten Handglockenchor. Bei seiner Gründung 2006 war er der erste seiner Art im norddeutschen Raum. „Das sind handgegossene Glocken, die über drei Oktaven verfügen. Die Töne klingen perfekt, das ist einfach eine wunderbare Art, Musik zu machen. Und es lässt sich relativ schnell lernen“, schwärmt Barkemeyer, der vor Jahren von einer Amerikanerin sein erstes Glocken-Set erwarb. „In den USA ist die Handglocken-Traditon so weit verbreitet wie bei uns der Posaunenchor“, erläutert der Kirchenmusiker. Die Handglockentradition stammt aus englischen und amerikanischen Kirchen, in deren Türmen Glöckner mehrere Glocken im Wechsel läuten. Zum Proben und Üben des Wechselläutens nutzen sie Handglocken. Doch das ist noch längst nicht alles: Uwe Barkemeyer führte in Oslebshausen auch das Format „Singen für alle“ ein. Geburtsstunde des ökumenischen Chores „Gosem“ (der Titel steht für Gospel und etliches mehr), in dem die evangelische Nikolaigemeinde gemeinsam mit der katholischen Sankt Josef-Gemeinde quer durch alle musikalischen Genres gemeinsam konzertiert. Musik ist für den studierten Physiotherapeuten und Gymnastiklehrer, der eine C-Ausbildung absolvierte und insofern eher ein Quereinsteiger in der Kirchenmusik ist, genauso wie Bewegung, ein Lebenselixier. Und so leitet Uwe Barkemeyer gleich alle drei Chöre.

Die Recherche nach den Noten des „Dixit Dominus“ sei spannend wie ein Krimi gewesen, erläutert er. Barkemeyer hatte eine CD mit Musik aus den Ospedali von Galuppi und Hasse gehört und dann den Chorleiter angeschrieben, mit der Bitte um die Noten. Seine fünfjährige Welsh Terrier-Hündin Bella ist übrigens ein ausgesprochen musikalischer Hund. „Sie ist immer dabei, wenn wir im Gemeindehaus proben“, erzählt Barkmeyer, und Bella, die brav unter dem Tisch liegt, scheint derweil zustimmend zu blinzeln. Eine Bremer Erstaufführung an der Peripherie der Stadt, das ist schon außergewöhnlich. Uwe Barkemeyer ist es gelungen, in Oslebshausen kontinuierlich das Interesse für solche Juwelen wie eben das „Dixit Dominus“ von Baltasare Galuppi zu wecken. Es ist für die Oslebshauser eine Frage der Ehre, sich für ihre Kirchenmusik zu engagieren. Auch Wilhelm Mammen, der Vater von Rainer Mammen, der als Schauspielkritiker des WESER-KURIER eine Institution war, hat lange Jahre in der Kantorei mitgesungen. Um in Oslebshausen möglichst vielen Menschen die Teilhabe an den klassischen Konzerten zu ermöglichen, ist der Eintritt stets gratis.  

Das Konzert am 19. November ermöglicht den musikalischen Sprung von Venedig nach Salzburg. In die Stadt an der Salzach, in der Mozart so unsäglich unter den Allüren des selbstherrlichen Fürsterzbischofes Colloredo litt und schließlich 1781 den Dienst quittierte. In der Nach-Colloredo-Ära habe Salzburg seine bisherige Selbstständigkeit verloren und sei dem österreichischen Kaiserreich als Provinz angegliedert worden, erläutert der Musikwissenschaftler Armin Kircher die politische Entwicklung, die zu der Widmung an den heiligen Leopold führte, der 1663 zum Landespatron von Österreich erklärt worden war. In seiner Leopoldi-Messe, dem letzten Werk, das er vollenden konnte, greift der jüngere Bruder Joseph Haydns die Tradition der Orgelsolo-Messe auf. An der Orgel in der Nikolaikirche wird der spanische Organist Eudald Danti sitzen. Beide Haydn-Brüder waren Mitglied des Knabenchores des Wiener Stephansdomes. Johann Michael Haydn avancierte in der Nachfolge Mozarts seit 1782 zum 1. Hof- und Dom-Organisten in Salzburg und leitete dort auch den Knabenchor. Dementsprechend komponierte er auch viele Werke eben gerade für Knabenchor. 1804 wurde Haydn in die „Königliche Schwedische Musikakademie“ aufgenommen.


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Leserkommentare
hopfen am 21.10.2019 11:38
Ein sehr gutes Beispiel dafür wie realitätsfern Politiker inzwischen sind. Würden alle fast identische Ferienzeiten bekommen, würde das absolute ...
admiral_brommy am 21.10.2019 11:29
Zitat: ".....und die Behörden lehnen seinen Asylantrag ab. "

Ausreisepflichtig scheint er aber nicht zu sein. Warum?
Warum ...
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