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Denis Fischer erinnert sich an den verstorbenen Filmemacher Ulli Lommel, dessen gemeinsamer Film ins Kino kommt
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Zwischen Lommel und Hitchcock

Annica Müllenberg 07.12.2017 0 Kommentare

Ullrich Manfred alias Ulli Lommel
Ullrich Manfred alias Ulli Lommel (links) und Denis Fischer in einer Theaterszene. (Leif Karpe)

Seitdem der Schauspieler und Musiker zu Beginn der Woche vom Tod des Filmemachers Ullrich Manfred alias Ulli Lommel erfuhr, bestimmen Erinnerungen an den Filmnerd und Andy Warhol seine Gedankenwelt. „Ulli sagte immer, ich wäre sein Lieblings Warhol“, sagt Fischer. In den letzten Monaten stand er in der Rolle des Andy Warhol für Lommels Film „The Factory“ vor der Kamera. Kurz bevor der Streifen auf die Leinwand kam, starb Lommel am 2. Dezember 72-jährig. „Warhols Satz hat nun einen bitteren Beigeschmack für mich, erzählt Denis Fischer. Ulli und ich haben unter anderem in Bremen zusammengearbeitet, wir verstanden uns blendend. Er hat mich verstanden, mich inspiriert und er war ein wahrer Freund.“

Als damaliger Künstlerischer Leiter der Schwankhalle in der Neustadt lockte Fischer den umtriebigen Tausendsassa 2011 nach Bremen. Lommel – Darsteller und Regisseur – lebte für Scheinwerfer und Leinwand. Zunächst stand er für Rainer Werner Fassbinder vor der Kamera, später führte er selbst Regie, schrieb Drehbücher und produzierte. An ein bekanntes Lommel-Buch, „Zärtlichkeit der Wölfe“, erinnert sich Fischer genau. „Darin schildert Ulli seine Begegnungen mit Fassbinder, Warhol, Romy Schneider, Jackie Kennedy Onassis, Truman Capote, Frank Sinatra und anderen Stars der damaligen Zeit. Es landete auf meinem Schreibtisch. Ich lud ihn nach Bremen ein, um die Begegnungen hier auf die Bühne zu bringen – und er kam.“

WES Walle b. k. t. Bremer Kriminal Theater
Denis Fischer (Roland Scheitz)

Die Ansage, er solle was aus dem Buch machen, erfüllte Fischer in doppelter Hinsicht. Nicht nur realisierte er die Produktion „The Factory“ in der Schwankhalle, er überzeugte in der Rolle des Andy Warhol so sehr, dass Lommel entschied, einen Film daraus zu machen. „Die Dreharbeiten waren toll. Ulli hatte eine ganz andere Arbeitsweise. Seine Devise lautete: Einfach loslegen, ohne dabei amateurhaft zu sein.“

Wie die Aufnahmen nun als großes Ganzes wirken, kann Fischer nur ahnen. Denn „The Factory“ steht noch vor dem Filmstart. Nach Willen des Produzenten, Frank Dragun, soll er im Februar in die Kinos kommen: „Geplant ist, dass er auf der Berlinale im Februar vorgestellt wird.“ Es war wohl Lommels persönlichstes Werk, in dem er die Welt daran teilhaben lässt, wie er die vorwiegend amerikanischen Stars und Ikonen der Zeit erlebte. Der Streifen symbolisiert für Fischer eine letzte gemeinsame Erinnerung. „Ich fand es toll, dass er nach Bremen kam. Seine Arbeitsweise war teilweise chaotisch, aber im Nachhinein ein Geschenk, weil er eine Gabe besaß, viele Leute zusammenzubringen, und ihnen viel ermöglichte.“ Fischer lässt das Leben des passionierten Filmers Revue passieren, erinnert gute Gespräche, die aber stets im Jetzt angesiedelt waren. Gerne hätte er noch mehr über den Mann gewusst, der auf der anderen Seite des Atlantiks in Hollywood kein Unbekannter war, in Deutschland jedoch nicht zu den Erstgenannten der Szene gehörte. „Ulli war bewusst nicht der Darling des deutschen Films. Sein Kunstbegriff war ein anderer“, ist sich der Bremer Schauspieler sicher, der am morgigen Freitag im Stück „Die Falle“ im Bremer Kriminaltheater zu sehen ist. Wäre die Geschichte des französischen Krimi-Autors Robert Thomas auch etwas für Ulli Lommel gewesen? Zum Gruseln brachte er das Publikum gern, mit Horrorschockern wie „The Boogey Man“. Fischers Analyse ist klar: „Die Geschichte ist ziemlich abstrus, das hätte auch Lommel-Stoff sein können.“

In „Die Falle“ schlüpft Fischer in die Rolle von Daniel, dessen Ehefrau während der Flitterwochen spurlos verschwindet. Mehr und mehr gerät die Hochzeitsreise zum Horrortrip für den frisch gebackenen Gatten, denn der Pfarrer will ihm weismachen, dass er seine Frau gefunden hat. Doch die Person, die er zu Daniel begleitet, ist nicht dessen Angetraute. „Daniel steht zunehmend unter Zugzwang und muss beweisen, dass diese Frau nicht seine ist, sondern eine Fremde. Die Kraft der Gerüchte wird für das Publikum spürbar.“ Der Darsteller verspricht guten Stoff, von dem sogar Alfred Hitchcock fasziniert war. Der Altmeister sicherte sich die Rechte, sein Tod verhinderte jedoch die Realisierung. „Es ist sozusagen Hitchcocks letzter Film, der natürlich nicht gedreht wurde“, meint Fischer und denkt unwillkürlich an den Strand von Rio: „Ob Alfred Hitchcock, Ulli Lommel, Andy Warhol und Marilyn Monroe nun dort zusammensitzen? Das würde Ulli zumindest gefallen.“


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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