Neues Modell wird ausprobiert Start für Bildungscampus in Huckelriede

Links der Weser entsteht auf dem Gelände einer Oberschule eine neue Grundschule - beide Schulen wollen eng kooperieren und sich Gebäude teilen. Dieses Modell ist derzeit nicht nur in Bremen angesagt.
24.08.2018, 19:17
Lesedauer: 4 Min
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Start für Bildungscampus in Huckelriede
Von Sara Sundermann

In Huckelriede soll links der Weser ein Bildungscampus entstehen. Als Schritt in diese Richtung ist am Freitag eine neue Grundschule auf dem Gelände einer Oberschule eröffnet worden. Die Helene-Kaisen-Grundschule entsteht auf dem Gelände der Wilhelm-Kaisen-Oberschule. In Huckelriede ist man stolz darauf – und das Konzept einer engen Zusammenarbeit von Grund- und Oberschulen will Bremen auch in anderen Stadtteilen vorantreiben.

Nicht nur in Bremen, bundesweit ist das Konzept Bildungscampus derzeit in Mode und wird als Zukunftsmodell gehandelt: Von München bis Berlin, von Köln bis Hildesheim entstehen Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen auf einem gemeinsamen Gelände. Sie sollen zusammen arbeiten und Schulhof, Mensa und Bibliothek teilen. Zum Teil werden auch Kitas einbezogen, sodass Bildung vom ersten Lebensjahr bis zum Schulabschluss auf einem Gelände stattfindet.

Aus der Not entstanden

„Die Idee eines Bildungscampus ist schon vor ein paar Jahren entstanden, damals habe ich gesagt, eine Grundschule könnten wir hier wunderbar aufnehmen“, sagt Oliver Seipke, Leiter der Wilhelm-Kaisen-Oberschule. „Und die Kita in der Kornstraße nebenan gehört eigentlich auch dazu, wir wollen hier ein Bildungssystem aufbauen.“ Entstanden ist das Ganze an dieser Stelle im Grunde aus der Not: Durch Zuzug, erhöhte Geburtenzahlen und Neubaugebiete zum Beispiel am Werdersee wuchs die Kinderzahl im Westen der Neustadt, genauso wie vielerorts in der Stadt. Und die beliebte und preisgekrönte Grundschule am Buntentorsteinweg konnte nicht alle Kinder in ihrem Einzugsgebiet aufnehmen. Also mussten Mobilbauten her, um zusätzliche Klassen einzurichten. Diese neuen Klassen aber nahm Oliver Seipke gerne auf: „Genug Platz gibt es bei uns auf dem Gelände.“

Die ersten Sorgen von Eltern, die fürchteten, ihre Erstklässler würden sich auf dem Gelände der Großen nicht wohl fühlen, zerstreuten sich in der Praxis (wir berichteten). Störend war einzig für manche Grundschüler, dass die älteren Schüler sie „niedlich“ fanden. Claudia von Zmuda, die zuvor zehn Jahre an der Grundschule am Buntentorsteinweg unterrichtete, ist nun Gründungsbeauftragte der neuen Grundschule. Sie betont: „Jeder Übergang kann ein Bruch sein – durch gute Zusammenarbeit mit der Oberschule kann man den Übergang von der vierten zur fünften Klasse aber sanfter gestalten.“ Zudem hätten die gemeinsam genutzten Räume Vorteile: „Wir nutzen die Mensa der Oberschule mit, das große Klettergerüst und den Werk- und Töpferraum.“ Und die Mobilbauten, die die Grundschule derzeit beherbergen, machten nicht den Eindruck einer Notlösung, sondern böten „innen sehr schöne Räume“.

Zunächst entstand im vergangenen Sommer eine Dependance des Buntentorsteinwegs. Zwei halbe Klassen wurden aus 22 Schülern eingerichtet: die Füchse und die Seehunde. Auch eine Lehrerin der Oberschule, die auch für die Grundschule ausgebildet ist, unterrichtete dort mit. Nun wurden weitere 16 Schüler eingeschult und die Lerngruppen aufgestockt. In der neuen Grundschule wird wie am Buntentorsteinweg jahrgangsübergreifend unterrichtet, Erst- und Zweitklässler lernen also zusammen und werden von einem Lehrerteam unterrichtet.

Seipke betont: Viele Grundschulen seien pädagogisch innovativ. Oberschullehrer könnten sich ansehen, wie Grundschüler lernen, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie weit die Kinder sind und ähnliche Methoden in der fünften Klasse weiterführen. „Häufig liegen bislang zwar Grund- und Oberschulen direkt nebeneinander, haben aber Berührungsängste – bei uns können Lehrer künftig eine Grundschulklasse leiten und zugleich Oberschülern Kunstunterricht geben“, sagt Meike Wittenberg, Leiterin des Zentrums für unterstützende Pädagogik an der Oberschule.

Auch wenn es in mehreren Bremer Stadtteilen Kooperationen von Grund- und Oberschulen gibt, ist ein Bildungscampus, wie er in Huckelriede nun entstehen soll, der Bildungsbehörde zufolge der erste seiner Art in der Stadt. Das Ressort arbeitet daran, dass sich altersübergreifende Bildungsstandorte auch an anderen Stellen entwickeln, zum Beispiel durch Kooperation der Grundschule Humannstraße und der benachbarten Neue Oberschule Gröpelingen. Und das Konzept Bildungscampus soll auch auf neue Schulstandorte angewandt werden. Bei der noch jungen Oberschule Ohlenhof, die bislang in Mobilbauten unterkommt, liegt eine Grundschule in der Nähe, auch dort erhoffen sich Bildungspolitiker sanfte Übergänge für Schüler nach der vierten Klasse, auch dort war viel vom Ziel eines „Campus Ohlenhof“ die Rede.

Einweihung mit Campusfest

„Übergänge besser zu gestalten ist ein Ziel unserer Arbeit“, sagt Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). „Dazu gehört, dass Kitas, Grundschulen und weiterführende Schulen eng zusammenarbeiten. Der Kaisen-Campus ist ein tolles Beispiel dafür.“ Über diesen Campus-Prototyp, der auch funktioniere, weil die Kita- und Schulleitungen an einem Strang zögen, freue sie sich sehr.

„Der Stadtteil wächst, und wir als Schule müssen auch wachsen, wir werden sehr gut angewählt und werden uns sicher von derzeit vier Klassen pro Jahrgang auf sechs Klassen erweitern“, sagt Seipke. Gebraucht werden in Huckelriede ihm zufolge nicht nur ein festes Gebäude für die neue Grundschule, sondern auch ein Erweiterungsbau für die Oberschule und ein Mensagebäude für beide Schulen. Dort könnte nicht nur das Mittagessen, sondern es könnten auch größere Veranstaltungen für beide Schulen stattfinden, erhofft sich Seipke. Zunächst aber haben Grund- und Oberschüler gefeiert: Zur Einweihung der Grundschule luden beide Schulen am Freitag zum Campusfest unter dem Motto „Helene und Wilhelm feiern“.

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