Antanz-Trick

Steigende Fallzahlen beim Straßenraub in Bremen

Was der Polizei zunehmend Sorge bereitet: Die Fallzahlen beim Straßenraub sind in Bremen in den vergangenen Monaten spürbar angestiegen. Das liegt vor allem an den Antanzdiebstählen.
14.10.2015, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Steigende Fallzahlen beim Straßenraub in Bremen
Von Ralf Michel

Ein früher Sonnabendmorgen im Viertel: Drei Jugendliche „tanzen“ einen 37-Jährigen an, stehlen sein Mobiltelefon... Sonntagmorgen, zwischen 5 und 6 Uhr an der Discomeile: Ein alkoholisierter junger Mann wartet an der Haltestelle „An der Weide“ auf eine Straßenbahn, als er plötzlich von zwei Unbekannten attackiert und geschlagen wird. Anschließend flüchten die Räuber mit seinem Smartphone und seiner Armbanduhr...

Zwei typische Fälle für das, was der Polizei zunehmend Sorge bereitet. Die Fallzahlen beim Straßenraub sind in Bremen in den vergangenen Monaten spürbar angestiegen. Insbesondere im August und September häuften sich laut Pressestelle der Polizei die angezeigten Raubtaten auf der Straße oder auf öffentlichen Plätzen.

Dasselbe gilt für den Taschendiebstahl und hier vor allem für die sogenannten Antanzdiebstähle. Deren Zahl würde inzwischen ein Ausmaß annehmen, dem die Polizei nur noch schwer begegnen könne, sagt Thorsten Link, Leiter der Abteilung „Besondere Eigentumsdelikte“. Was aber nicht nur für Bremen, sondern für ganz Deutschland und sogar Europa gelte.

Beim Antanzen gehen der oder die Täter freudig auf ihre Opfer zu, begrüßen sie durch Abklatschen oder haken sich ein. „Es geht dabei nicht um ’tanzen’ im eigentlichen Sinne“, erklärt Link. „Die Täter suchen Körperkontakt. Das Opfer soll dadurch abgelenkt werden, um ihm Smartphone oder Portemonnaie aus der Tasche ziehen zu können. „Das geht in Sekundenschnelle, ohne dass das Opfer etwas merkt. Die Täter sind absolute Profis.“

Immer mehr Gruppen unterwegs

Opfer finden sich dabei in allen Altersstufen. Am häufigsten betroffen sind aber die 18- bis 30-Jährigen. Was sich laut Polizei dadurch erklären lässt, dass dieser Personenkreis häufig auch abends und nachts unterwegs ist. Alkoholisierte Personen würden dabei bevorzugt als Opfer ausgesucht.

Nicht selten würden die Opfer es den Tätern durch ihre Sorglosigkeit aber auch sehr leicht machen, indem sie ihr Smartphone gut sichtbar in der Tasche tragen oder im angetrunkenen Zustand ein Selfie machen, das Smartphone dabei für jedermann gut sichtbar in der hoch erhobenen Hand haltend.

Auch wer Nachrichten lesend oder schreibend mit seinem Smartphone durch die Stadt läuft, mache sich damit unbewusst zu einem potenziellen Opfer, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. Niemand käme auf die Idee, mit einem 500-Euro-Schein offen in der Hand über den Bahnhofsvorplatz zu laufen. „Aber beim Smartphone fehlt das Bewusstsein für das eigene Verhalten.“

Weil die Zahl der Taschendiebstähle und insbesondere die der Antanzdelikte weiterhin deutlich steigt, hat die Bremer Polizei darauf mit massiven Aktivitäten reagiert, sagt Thorsten Link. Dies nicht ohne Erfolg, die Aufklärungsquote habe im vergangenen Jahr bei etwa zehn Prozent gelegen, ein in diesem Deliktfeld überdurchschnittlicher Wert.

Der klassische Täter beim Taschendiebstahl sei Nordafrikaner, käme aus Marokko oder Nigeria, sei 25 Jahre alt und gut ausgebildet. Auch die etwa 30- bis 40-köpfige Gruppe unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge, die in Bremen wiederholt durch Straftaten aufgefallen ist, sei häufig daran beteiligt.

Und noch zwei weitere Entwicklungen bereiten der Polizei in diesem Zusammenhang Sorge. Die Taten werden zunehmend nicht mehr durch Einzeltäter, sondern durch Gruppen von drei bis vier Tätern begangen. Und sie würden sich vermehrt zu Raubdelikten entwickeln, weil die Opfer misstrauisch reagieren oder den Diebstahl bemerken. In solchen Fällen käme es dann immer wieder vor, dass die Täter ihr Opfer schlagen oder treten. „Insgesamt ist feststellbar, dass die Gewaltbereitschaft bei den Tatbegehungen spürbar zunimmt.“

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