Gutachter empfehlen Nutzungsbeschränkung Stephanibrücke ist marode

Der Sanierungsstau bei Bremens Brücken fordert seinen Tribut. Experten bescheinigen der Stephanibrücke einen so schlechten Zustand, dass der Lkw-Verkehr eigentlich beschränkt werden müsste.
30.05.2017, 19:57
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Stephanibrücke ist marode
Von Jürgen Theiner

Der Sanierungsstau bei Bremens Brücken fordert seinen Tribut. Experten bescheinigen der Stephanibrücke einen so schlechten Zustand, dass der Lkw-Verkehr eigentlich beschränkt werden müsste.

Die Stephanibrücke muss in den nächsten Jahren grundlegend instand gesetzt werden. Ihr technischer Zustand ist so schlecht, dass unabhängige Experten sofortige Nutzungseinschränkungen für geboten halten. Das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) will es vorerst aber bei einer „verschärften Beobachtung“ des Bauwerks belassen, über das täglich knapp 100.000 Fahrzeuge rollen. Neun Prozent davon sind Schwerlastverkehr.

ASV-Sprecher Martin Stellmann bestätigte Informationen des WESER-KURIER, wonach die Stephanibrücke vor Kurzem von Gutachtern unter die Lupe genommen wurde und dabei ein schlechtes Zeugnis erhielt. Mitarbeiter eines Fachbüros aus Sachsen hatten diverse Belastungsfaktoren, die auf die Weserquerung einwirken, durchgerechnet. Das Ergebnis wurde zu den bereits vorliegenden Erkenntnissen über den baulichen Zustand der Brücke in Beziehung gesetzt. Die Resultate dieses „Monitorings“ waren gravierend. Die Experten empfahlen dem ASV unter anderem, Vorkehrungen gegen größere Menschenansammlungen auf der Fußgängerebene zu treffen. Für notwendig hält das sächsische Fachbüro auch ein Überholverbot für Lastwagen sowie Mindestabstände im Lkw-Verkehr.

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Das Amt für Straßen und Verkehr will zunächst noch nicht zu solch drastischen Maßnahmen greifen. Die hauseigenen Experten halten es laut Stellmann für ausreichend, die Stephanibrücke in den nächsten sechs Monaten einem ständigen Monitoring zu unterziehen „und alle paar Wochen die Entwicklung des Schadensbildes zu prüfen“. Klar sei allerdings eines: „Die 1968 gebaute Brücke war auf eine Lebensdauer von 100 Jahren ausgelegt, und die wird sie nicht erreichen.“

Die realistische Option sei eine technische Ertüchtigung, wie sie aktuell auch für die Weserbrücke der Autobahn 1 geplant ist. Dieses Bauwerk soll mit 500 Tonnen Stahl so weit stabilisiert werden, dass es den starken Verkehrsbelastungen bis zu einem kompletten Neubau in etwa zehn Jahren standhalten kann. Der ASV-Sprecher geht davon aus, dass „Ende 2018 der Fahrplan für die Ertüchtigung der Stephanibrücke stehen kann“. Zuvor seien intensive Untersuchungen erforderlich, die in eine Entwurfsplanung münden. Die eigentlichen Bauarbeiten muss dann der Bund bezahlen, denn die Stephanibrücke ist Teil der Bundesstraße 6. Die Kosten für den Planungsvorlauf – laut Stellmann wohl ein höherer sechsstelliger Betrag – bleiben an Bremen hängen.

Lohse fordert mehr Mittel für Neubau und Instandsetzung

Im Februar hatte Bausenator Joachim Lohse (Grüne) bereits in ungewohnter Deutlichkeit auf den schlechten Zustand vieler Bremer Brücken aufmerksam gemacht. Hintergrund waren seinerzeit die Vorbereitungen für den Landeshaushalt 2018/19 und die damit einhergehenden Verteilungskämpfe zwischen den Senatsressorts. Lohse forderte mehr Mittel für den Neubau und die Instandsetzung der insgesamt 760 Brücken im Bremer Stadtgebiet. Viele dieser Querungen wurden vor mehr als 40 Jahren gebaut und sind nicht mehr für die wachsende Belastung durch Lkw und Schwerlasttransporter ausgelegt.

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Lohse unterfütterte seine Forderung nach mehr Geld mit Zahlen. Aus einer Statistik seines Hauses geht hervor, dass sich etwa 30 kommunale Brücken in einem Zustand befinden, bei dem „Stand- und/oder Verkehrssicherheit beeinträchtigt beziehungsweise erheblich beeinträchtigt sind“. Die Etatansätze für Instandsetzung und Neubau seien in den vergangenen Jahren aber stets hinter dem notwendigen Volumen zurückgeblieben. Der Wertverzehr bei den Bauwerken schreite fort. Auch hierzu liefert Lohses Ressort Zahlen. Behalte man die derzeitige Finanzausstattung der Straßenbauverwaltung bei, dann werde der Bestandswert der Bremer Brücken von rund 200 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 120 Millionen Euro im Jahr 2040 zurückgehen. Zugleich werde der Anteil der maroden Bauwerke im gleichen Zeitraum auf ein Viertel anwachsen.

Für 2018 kann Lohse allerdings keine Aufstockung seiner Mittel erwarten. Nach Informationen des WESER-KURIER sehen die vorläufigen Haushaltsansätze lediglich 1,5 Millionen Euro für Brücken vor. Das ist kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete und Verkehrsdeputierte Frank Imhoff übt scharfe Kritik am desolaten Zustand vieler Brücken. Er nimmt Senator Lohse in die Verantwortung. „Ich erwarte von ihm, dass er umgehend sicherstellt, dass die Brücken in Bremen befahrbar bleiben.“ Gerade als bedeutender Logistik-Standort könne es sich Bremen nicht leisten, dem Lkw-Verkehr Beschränkungen aufzuerlegen, wie sie mittelfristig auf der Stephanibrücke drohen.

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