Gegenüber vom Weserpark Verhandlung über geplanten Megamarkt in Osterholz

Kurt Krieger, Inhaber von Möbel Höffner, sucht das Gespräch mit dem Bausenator und seinem Staatsrat. Seit zehn Jahren will er eine riesige Möbelkiste aufs Feld gegenüber vom Weserpark stellen.
08.06.2015, 00:00
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Verhandlung über geplanten Megamarkt in Osterholz
Von Jürgen Hinrichs

Er kommt mit dem Hubschrauber, so hat Kurt Krieger das angekündigt. Als Pilot seiner eigenen Maschine. Landung auf dem Bremer Flughafen, und dann weiter – mit der Straßenbahn, Linie 6, bis in die Innenstadt. Das Geld fürs Taxi hat er dann schon mal gespart, sparen, wo man kann, so ist der Mann zum Milliardär geworden. Der Hubschrauber, geschenkt, ein Hobby, außerdem spart das Zeit, und also: Geld.

Krieger ist der Inhaber von Möbel Höffner, er kommt nach Bremen, um noch einmal zu verhandeln. Ein Gespräch mit dem Bausenator und seinem Staatsrat. Höffner will seit zehn Jahren eine riesige Möbelkiste aufs Feld stellen, dort, wo einmal das Fernsehen von Radio Bremen war, in Osterholz, auf der anderen Straßenseite vom Weserpark. 45 000 Quadratmeter Verkaufsfläche, so viel, wie die Waterfront in Gröpelingen mit allen ihren Geschäften hat. Eine Investition von mindestens 60 Millionen Euro. Ein richtiger Happen, doch wird er je geschluckt werden?

Das Gespräch zwischen Milliardär und Minister, denn das ist der Senator in Bremen, ein Minister, wird sich darum drehen, ob Höffner beim Sortiment noch einmal nachlegen darf. So jedenfalls erzählt es die Baubehörde. Ein Möbelhaus ist heute ja längst nicht mehr nur die Stätte von Sofas und Sesseln. Da ist jede Menge Schnickschnack drin, Einrichtung im weitesten Sinne, die Klobürste vielleicht, der Korb fürs Feuerholz oder das Bild im teuren Rahmen.

Krieger will da nachbessern, in welche Richtung das gehen soll, weiß die Behörde noch nicht. Und fragt man ihn selbst oder will das tun: Schweigen. „Sie können ruhig anfragen“, sagt ein Sprecher des Höffner-Konzerns, „und ich will es gerne weitergeben, aber zu 99 Prozent werden Sie keine Antwort bekommen.“

Typisch für einen Mann, der so untypisch ist. Jemand hat ihn mal als Sozialisten bezeichnet, als sozialistischen Milliardär. Krieger ist im Berliner Arbeiterviertel Wedding groß geworden. Seine Familie machte in Möbeln, aber das Geschäft einfach weiterführen? Zu wenig. Also hat Krieger, da war er 19, mit dem Geld, das ihm zur Verfügung stand, die Namensrechte von Möbel-Höffner gekauft. Das Unternehmen war im Osten Berlins aktiv, nach dem Mauerbau aber nicht weitergeführt worden. Krieger gründete es neu, der Anfang einer Erfolgsgeschichte.

Heute hat Höffner 18 Einrichtungszentren, alle mit jeweils mehreren zehntausend Quadratmetern Verkaufsfläche. Entstanden ist ein Möbel-Imperium, das mit seinen diversen Beteiligungen an anderen Unternehmen zu den drei größten in Deutschland gehört.

In Bremen hat Krieger sich ein Grundstück gesichert, das für seine Zwecke besser nicht geeignet sein könnte. Es liegt direkt an der Autobahn und im Sog des Weserparks. Die Baugenehmigung hat er im vergangenen Jahr von der Behörde verlängern lassen. Nur eben, dass er nicht mit dem Bauen anfängt. Warum? Keine Antwort.

Dabei hat es ihn bereits einiges an Geld und Mühen gekostet, seinen Plan für Bremen überhaupt an den Start zu bringen. Mutmaßlich sieben, vielleicht auch acht Millionen Euro allein für den Kauf den Grundstücks, wie damals kolportiert wurde. Dazu noch die jahrelangen Auseinandersetzungen vor den Gerichten.

Die Stadt Achim hat als unmittelbarer Nachbar massiv etwas dagegen, dass sich Möbel Höffner mit seinem ganzen Nebensortiment an einem Ort direkt an der Landesgrenze ansiedelt. Zu starke Konkurrenz für die Unternehmen auf eigenem Gebiet. Achim klagte und wollte erreichen, dass die Verkaufsfläche bei 30 000 Quadratmetern gedeckelt wird und der Möbelhändler sich auf sein Kerngeschäft beschränkt. Die Stadt ging durch alle Instanzen, bis zum Bundesverwaltungsgericht – ohne Erfolg.

Der Streit vor den Gerichten war freilich nur das eine. Bremen, Achim und die anderen Kommunen in der Region hatten sich geschworen, bei der Ansiedlung von Gewerbe nichts mehr zulasten der Nachbarn zu unternehmen oder zumindest darüber zu reden und zu verhandeln. Viel bewirkt hat dieser Schwur in der Vergangenheit allerdings nicht, und so scheiterte eben auch der Versuch des Kommunalverbundes, in dem Möbel-Höffner-Konflikt zwischen Bremen und Achim zu moderieren.

Wenn Kurt Krieger am Dienstag kommender Woche mit seinem Hubschrauber in Bremen landet, um sich mit dem Bausenator zu treffen, will er das Fass offenbar noch einmal aufmachen und über alles das reden, worüber so viele Jahre schon verhandelt wurde und was Gegenstand diverser Sitzungen der Gerichte war. Mit der Folge möglicherweise, dass die ganze Angelegenheit wieder eine solche Schlagseite bekommt, dass der Streit im Vordergrund steht und nicht das Projekt selbst. Die Stadt Achim jedenfalls, und nicht nur Bremen, wird sich brennend dafür interessieren, was ihr mit Höffner ins Haus steht.

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