Weil sich niemand zuständig fühlte

Verkehrsbehörde muss verwilderten Radweg sperren

Ein Radweg in Bremen-Hemelingen wächst zu, weil Ämter nicht gut genug koordinierten. Jetzt gilt er als unsicher und darf nicht mehr befahren werden. Für die Instandsetzung wäre viel Geld nötig.
24.08.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann
Verkehrsbehörde muss verwilderten Radweg sperren

Gesperrt: Weil er immer mehr zuwächst und dadurch gefährlich wird, sperrte die Behörde den Radweg Neuen Heumarschengraben.

Petra Stubbe

Sauerampfer und Gräser machen sich breit und Brombeeren und Zaunwinde strecken ihre Ausläufer über die Pflastersteine aus: Am Neuen Heumarschengraben im Gewerbegebiet Hansalinie in Bremen-Hemelingen können Radfahrer und Fußgänger beobachten, wie die Natur sich in kurzer Zeit ihren Platz zurückerobert und aus einem grauen Pflasterweg einen grünen Naturpfad formt.

Was für den ein oder anderen tröstlich erscheinen mag – die Natur beseitigt die Spuren des Menschen sehr schnell – ist für andere eher hinderlich, denn das Amt für Straßen und Verkehr hat den kombinierten Rad- und Fußgängerweg gesperrt. Absperrungen und Schilder zeigen deutlich, dass hier offiziell keine Verkehrswegesicherheit herrscht. Noch allerdings ist der fünf Meter breite Weg noch nicht auf ganzer Breite zugewachsen und so haben risikobereite Radfahrer und Jogger die Absperrung geöffnet und nutzen den Weg – Spötter könnten von einem „naturnahen“ Weg sprechen – nun auf eigene Gefahr.

Arbeitsteilung hat nicht funktioniert

Was auf den ersten Blick wie eine Belanglosigkeit anmutet, hat bei genauerem Hinsehen allerdings einen ernsten Hintergrund. Im Kern geht es um die Zuständigkeit der Straßen- und Grünflächenpflege. Letztere fällt eigentlich in den Zuständigkeitsbereich des Umweltbetriebs Bremen, für die Pflege von Straßen und Radwegen dagegen ist das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) zuständig. Und für die Abfall- und Müllentsorgung schließlich die Entsorgungsbetriebe Nord. In dem Fall des Weges im Gewerbegebiet Hansalinie hat die Arbeitsteilung offensichtlich nicht funktioniert.

Neuen Heumarschengraben

Kein Durchradeln mehr an dieser Stelle.

Foto: Petra Stubbe

Der Umweltbetrieb habe dort keinen Auftrag bekommen, heißt es aus dem stadteigenen Betrieb. Generell sei der Umweltbetrieb mittels eines Rahmenvertrags Auftragnehmer des ASV und übernehme die Pflege von „Verkehrsgrün“. In diesem Vertrag sind die zu pflegenden Flächen einzeln genannt. Der Neue Heumarschengraben sei allerdings nicht Gegenstand des Vertrages, heißt es weiter. Der Umweltbetrieb ist aber nicht der einzige Auftragnehmer des ASV.

150.000 Euro koste die Instandsetzung des Radweges

Teil des Problems ist aber nicht nur das sich langsam von beiden Seiten des Weges schließende Grün, sondern sind auch Absackungen des Pflasters durch Verwurzelungen. Dafür wiederum ist das Amt für Straßen und Verkehr zuständig. Dort heißt es, dass der Weg habe gesperrt werden müssen, da die Verkehrssicherheit des in der Nacht unbeleuchteten Weges nicht mehr gegeben sei.

Mit 150.000 Euro Kosten rechnet das ASV, um die 600 Meter in einen tauglichen Zustand zu versetzen. Geld, das nicht da sei. Und höchste Priorität habe der Weg dann auch nicht, heißt es aus der Straßenverkehrsbehörde weiter.

Mit der Sperre geht die Behörde auf Nummer sicher: Bei etwaigen Unfällen auf dem Weg hätte ansonsten die Stadt haften müssen.

Perspektivisch sei zu überlegen, ob der Weg verschmälert werden könne, sagte Martin Stellmann, Pressesprecher beim ASV. „Einen fünf Meter breiten Weg, den braucht man an der Stelle nicht.“ Auf der anderen Seite wurde der Weg geplant und gebaut – offensichtlich mit sehr optimistischen Zahlen, was den möglichen Rad- und Fußverkehr angeht.

Der Verkehr auf dem Weg habe sich aber nicht nach den damaligen Planungen entwickelt, sagte Martin Stellmann. „Da ist man bei der Erschließung und beim Bebauungsplan wohl von ganz anderen Zahlen ausgegangen.“ Die Breite des Weges stehe jedenfalls nicht im Verhältnis zur Nutzung.

Einen raschen Umbau wird es indes nicht geben. „Wir haben das Geld dafür nicht, und es ist eine Frage des Rankings, und außerdem gibt es an der Stelle genügend Wege-Alternativen“, sagte Stellmann. So wird der Weg am Neuen Heumarschengraben auch vorerst nur inoffiziell von wagemutigen Radlern und Joggern genutzt werden können – zumindest so lange, bis Sauerampfer und Brombeeren auch die letzte Lücke schließen.

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