Technische Bildungszentrum Mitte Vollständig barrierefrei erst 2021

Im Altbau des Technische Bildungszentrums Mitte fehlt ein Fahrstuhl - das Gebäude ist damit nicht barrierefrei. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) spricht von einem „Skandal“.
31.01.2019, 17:35
Lesedauer: 3 Min
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Von Christiane Mester

Bremens größte Berufsschule, das Technische Bildungszentrum Mitte (TBZ) ist nicht vollständig barrierefrei. Der nachträgliche Einbau eines Fahrstuhls soll das ändern, doch die Finanzierung der notwendigen Maßnahme ist noch nicht gesichert. Die Kosten dafür sind im laufenden Haushalt nicht veranschlagt und das sei ein „Skandal“, meint Peter Rudolph, Sprecher der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA). In einer Pressemitteilung kritisiert er, dass Rollstuhlfahrer am TBZ nicht beschult werden könnten. –

„Vom Grundsatz her ist das richtig, was die CDA beklagt“, räumt Jörg Metag ein, der Schulleiter des Technischen Bildungszentrums Mitte. Eines der insgesamt vier Schulgebäude benötige einen Fahrstuhl. Diesen Hinweis gebe er bereits seit mehreren Jahren immer wieder an die Schulaufsicht weiter, so Metag. Dies vor allem dann, wenn es dazu einen aktuellen Anlass gibt, sagt er. Von den mehr als 2000 Schülern, die am TBZ zur Schule gehen, würden etwa 600 in dem betreffenden Gebäude unterrichtet. Breche sich von ihnen einer ein Bein oder ziehe sich einen Kreuzbandriss zu, werde es schwierig, auf Krücken bis in die vierte Etage zu gelangen. „Müssen wir den Unterricht deshalb in ein anderes Gebäude verlagern, ist das eine Beeinträchtigung für die ganze Klasse“, berichtet der Schulleiter.

Schulleiter begrüßt CDA-Vorstoß

Vor diesem Hintergrund sei es zu begrüßen, dass die CDA dieses Problem thematisiere. Doch Jörg Metag gibt zu bedenken: „Im Schulalltag kommt diese Situation nicht so häufig vor, wie man jetzt meinen könnte.“ Wer sich eine solche Verletzung zuziehe, der sei in der Regel krankgeschrieben und komme daher ohnehin nicht zur Schule. Dennoch gebe es in Bezug auf dieses Thema nichts zu beschönigen. Jeder Schüler, der am Unterricht teilnehmen wolle, müsse jederzeit die Möglichkeit dazu haben und zwar völlig ohne Einschränkungen, sagt Metag. Seine Schule braucht den Fahrstuhl, das macht er unmissverständlich klar.

Dass der Einbau erfolgen soll, ist offenbar auch völlig unstrittig. Sowohl die Pläne für den Fahrstuhl als auch die Kostenschätzung liegen mittlerweile vor. Die Anlage soll gleich links neben dem Eingang außen an das Gebäude angebaut werden. 320 000 Euro soll die Baumaßnahme kosten und nach Auskunft des Bildungsressorts ist die Höhe des Betrags der Grund dafür, dass sie bislang noch nicht umgesetzt wurde.

So erklärt die Pressesprecherin der Bildungssenatorin auf Nachfrage: „Auch kleinere und vermeintlich unkomplizierte Umbauten sind abhängig von Finanzierungen, wenn diese solch eine Größenordnung haben, dass sie mit vorhandenen Haushaltsmitteln nicht umgesetzt werden können. Das ist beim TBZ der Fall.“ Weiter gibt die Sprecherin Auskunft, dass die Kosten nun Eingang in den kommenden Haushaltsplan 2020/21 finden sollen und daraufhin der Fahrstuhl bis Ende des Jahres 2021 eingebaut werden soll.

Drei der vier Schulgebäude barrierefrei

„Je eher, desto besser“, kommentiert der Schulleiter des Technische Bildungszentrums die Aussage der Sprecherin. Dass es die Anlage bislang nicht gibt, sei nicht nur ein Nachteil für diejenigen, die keine Treppen steigen können. Tritt eine solche Situation auf, ergeben sich daraus auch zusätzliche Unfallrisiken, sagt er und berichtet von einer Situation, die besonders gefährlich gewesen sei: „Ein Mal war ein Schüler übergangsweise auf einen Rollstuhl angewiesen und die Mitschüler haben versucht, ihn über das Treppenhaus auf die oberen Etagen zu tragen.“ Was seitens der Klassenkameraden gut gemeint gewesen sei, hätte schlimme Folgen haben können, wenn sie dabei gestürzt wären.

Dass Rollstuhlfahrer am TBZ grundsätzlich nicht beschult werden können, weil dort „nicht mal die grundlegenden baulichen Voraussetzungen für einen inklusiven Unterricht gegeben“ seien, wie Peter Rudolph (CDA) sagt, könne er so jedoch nicht bestätigen, gibt der Schulleiter weiter Auskunft zur Situation vor Ort: Drei der insgesamt vier Schulgebäude seien mit Fahrstühlen ausgestattet. Folglich gehe es nun darum, an dieser Stelle nachzubessern. Von einem „Skandal“ könne aber keine Rede sein.

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