Regelungen in der Humboldtstraße verwirren einige Verkehrsteilnehmer – solange sie ungewohnt sind

Vorfahrt auf der Fahrradstraße

Östliche Vorstadt. Fahrradfahrer dürfen in einer Fahrradstraße machen, was sie wollen und haben immer recht. Das zumindest hätten manche gerne, stimmt aber nicht einmal ansatzweise.
27.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ina Schulze

Fahrradfahrer dürfen in einer Fahrradstraße machen, was sie wollen und haben immer recht. Das zumindest hätten manche gerne, stimmt aber nicht einmal ansatzweise. Eine Leserin des Stadtteil-Kuriers wollte es genau wissen: Wer hat an welcher Ecke Vorfahrt in der Humboldtstraße? Gefragt ist das zuständige Polizeirevier Steintor.

Hannelore Heinze aus dem Steintor hat einige Beinah-Zusammenstöße beobachtet, doch der Polizei sind keine Unfälle gemeldet worden. Auch Beschwerden lägen keine vor, sagt der Revierleiter Michael Nägele. Trotzdem sind noch nicht alle Verkehrsteilnehmer mit den besonderen Regeln vertraut. Die Humboldtstraße, eine auch von vielen Radlern aus dem Bremer Osten und Nordosten genutzte Strecke, ist Anfang 2014 zur Fahrradstraße geworden. Zunächst sind die Fahrradfahrer weiter auf dem Gehweg gefahren. Aber auch das habe man durch Kontrollen weitestgehend in den Griff bekommen, sagt Michael Nägele. Generell gelte, wie überall im Straßenverkehr, gegenseitige Rücksichtnahme.

Dass es sich um eine Fahrradstraße handelt, wird auch den Einbiegern klar: Das Fahrrad-Piktogramm auf der Fahrbahn wiederholt sich im regelmäßigen Abstand, und an allen Einmündungen stehen Hinweisschilder. Das Zeichen für die Fahrradstraße ist ein Fahrrad auf blauem Grund in einem viereckigen weißen Rahmen. Nicht zu verwechseln mit einem Fahrrad auf einem runden blauen Schild: Es besagt, dass Radfahrer nicht die Fahrbahn benutzen dürfen, sondern auf dem Radweg bleiben sollen.

„Eine Fahrradstraße ist hauptsächlich für Radfahrer. Und sie haben Vorrang“, sagt Michael Nägele. Nicht nur das, eine Fahrradstraße ist generell nur für Fahrradfahrer gedacht. Durch ein Zusatzschild kann die Fahrradstraße aber auch für andere Verkehrsteilnehmer, wie Autos oder Roller, freigegeben werden. So oder so müssen sich Autos, Motorräder oder Lkws in Fahrradstraßen Fahrrädern unterordnen.

„Fahrradfahrer dürfen auch zu dritt nebeneinander fahren, und die Autofahrer dürfen nicht hupen“, sagt Michael Nägele. Das bedeutet aber nicht, dass alles erlaubt ist. Radfahrer müssen genau wie Autofahrer die Straßenverkehrsordnung einhalten und sind auch nicht vom Rechtsfahrgebot befreit. Wer alleine unterwegs ist, darf nicht einfach mitten auf der Fahrbahn fahren und dadurch den nachfolgenden Verkehr behindern.

Hannelore Heinze findet es besonders verwirrend, wenn sich die Vorfahrt von Querstraße zu Querstraße, wie in der Humboldtstraße, ändert. Von der Humboldt-straße gehen auf einer ungefähren Länge von 900 Metern zehn Nebenstraßen ab. Viele von ihnen sind Einbahnstraßen, die zur Humboldtstraße hin oder von ihr weg führen und in denen Fahrradfahrer in beiden Richtungen fahren dürfen. Aber auch sie müssen darauf achten, ob sie beispielsweise aus einer hoch gepflasterten Straße kommen – und an die allgemeinen Verkehrsregeln.

Im Allgemeinen gilt an Straßeneinmündungen auch von Fahrradstraßen rechts vor links. Es sei denn, es steht dort ein Vorfahrtschild, eine gelbe Raute mit weißem Rahmen, oder ein Vorfahrt-achten-Schild (weißes Dreieck mit rotem Rand). Wenn Einmündungen der Nebenstraßen hoch gepflastert sind, ist das ein Signal: Wer aus einer hochgepflasterten Straße kommt, muss warten, egal, ob er auf einem Fahrrad sitzt oder hinter dem Steuer eines Autos. Hoch gepflasterte Straßen unterscheiden sich nicht nur optisch von der vorfahrtberechtigten Straße, die Huckel dienen auch als Tempobremse.

Wer in der Humboldtstraße fährt, hat immer Vorfahrt beziehungsweise Vorrang, mit zwei Ausnahmen: An der Kreuzung Humboldtstraße/Horner Straße sind alle vier Einmündungen hochgepflastert. Die Horner Straße ist keine durchgängige Einbahnstraße, sondern führt als Einbahnstraße in beiden Richtungen von der Humboldtstraße weg. Fahrradfahrer dürfen in beiden Richtungen fahren. Und weil an dieser Kreuzung alle Seiten hoch gepflastert sind, gilt für alle rechts vor links, auch für die, die auf der Fahrradstraße fahren. Das gleiche Prinzip gilt an der Kreuzung Humboldtstraße/Wielandstraße/Kepler Straße. Auch dort sind alle vier Einmündungen hoch gepflastert – gilt rechts vor links.

In einer Fahrradstraße sind im Übrigen generell nur 30 Stundenkilometer erlaubt. Auch ohne Tempo-Limit-Schild. Parken ist in einer Fahrradstraße nur auf entsprechend markierten Parkbuchten genehmigt, nicht am Kantstein auf der Straße. „Selbst kurzes Halten ist in einer Fahrradstraße nicht erlaubt“, sagt Michael Nägele. Schon das Halten kann Autofahrer zehn Euro kosten. Behindern sie andere oder parken sie ihre Autos außerhalb der Buchten, wird es teurer.

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