Bremer Flughafen Weniger Fluggäste in Bremen

Die Germania-Pleite vom Februar zeigt ihre Auswirkungen und sorgt beim Bremer Flughafen für ein Minus in der Passagierbilanz. Andere Airports haben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch größere Verluste.
08.07.2019, 21:44
Lesedauer: 3 Min
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Von Peter Hanuschke und Franziska Höhnl

Der Bremer Flughafen hat beim Passagieraufkommen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Minus von etwa 12,5 Prozent gemacht. Das geht aus den Zahlen des Flughafenverbands ADV hervor. Insgesamt wurde an deutschen Flughäfen ein Plus von 4,1 Prozent erzielt. Das Minus am Bremer Airport lässt sich vor allem auf die Germania-Pleite vom Februar zurückführen, die bei anderen mittleren und vor allem kleineren Flughäfen zu noch größeren Verlusten geführt hat.

Dass sich die Germania-Insolvenz auswirken wird, davon war auszugehen. In Bremen beförderte die deutsche Fluggesellschaft zuletzt jährlich etwa 400 000 Passagiere. Damit war Germania nach Lufthansa und Ryanair die drittgrößte Airline am Bremer Flughafen. Insgesamt nutzten 2,54 Millionen Fluggäste 2018 den Bremer Airport für ihre Reisen – und damit etwa ein Prozent mehr als 2017. Es sei klar gewesen, dass der Ausfall von Germania natürlich nicht ganz so schnell kompensiert werden konnte, da die Germania im aktuellen Sommerflugplan 23 Ziele anbieten wollte, kommentiert der Bremer Airport.

Andere Flughäfen noch schlimmer betroffen

Das Aus von Germania traf andere Flughäfen allerdings noch wesentlich härter: So zählte der Erfurter Flughafen, der zu den kleineren Airports in Deutschland gehört, etwa 38 700 Passagiere und damit gut 45 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. „Wir haben ein zweigeteiltes Bild in unserem Land“, sagt ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Von den 22 internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland verbuchten in den ersten fünf Monaten des Jahres nur elf ein Wachstum. Die Germania-Pleite habe viel zur Verschärfung der Situation beigetragen. Auch Airports wie Frankfurt-Hahn (minus 27,5 Prozent) oder Weeze/Niederrhein (minus 33,1 Prozent) zählten ein dickes Minus – ihnen machte aber vor allem die Abwanderung von Billigfliegern an größere Standorte zu schaffen. Der Flughafen Berlin-Tegel dagegen verbuchte 28 Prozent mehr Passagiere.

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Anders als einige andere und vor allem kleinere Flughäfen setzt der Bremer Airport, der in Deutschland der zehntgrößte Flughafen ist, auf ein breites Angebot. Dazu gehört der klassische Netzwerk-Carrier-Bereich, bestehend aus den Airlines, die Bremen mit ihren entsprechenden Drehkreuzen wie München und Frankfurt verbinden. Es gibt das Segment der touristischen Luftfahrt und als drittes Standbein den Low-Cost-Bereich. Allerdings musste der Flughafen nicht nur die Germania-Insolvenz verkraften, es gab auch Veränderungen im Low-Cost-Bereich: Im November vergangenen Jahres schloss Ryanair nach elf Jahren seine Basis in Bremen. Zwar fliegt das irische Unternehmen von Bremen aus immer noch etliche Ziele an, aber nach Angaben des Portal airliners.de ist das Angebot des Billigfliegers am Bremer Flughafen um ein Viertel geschrumpft.

Wizz Air fliegt fünf Ziele aus Bremen an

Allerdings konnte der Airport bereits relativ schnell nach der Germania-Pleite Erfolge vorweisen. So haben die Fluggesellschaften Corendon Airlines und Sundair einen Teil der alten Germania-Strecken übernommen. Außerdem konnte Wizz Air im vergangenen Jahr gewonnen werden. Die ungarische Billigfluglinie fliegt in diesem Jahr bislang fünf Ziele von Bremen aus an.

In den vergangenen Jahren habe eine massive Konsolidierung bei europäischen Airlines stattgefunden, sagte Flughafen-Sprecherin Andrea Hartmann. Von 45 europäischen Airlines in 2010 existieren 2019 nur noch 17 unter eigener Regie. Dieser Trend halte leider weiter an. „Dies stellt Bremen und andere Flughäfen, die keine großen Drehkreuze sind, natürlich vor Herausforderungen, sodass wir davon ausgehen, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis der Wegfall der Germania komplett kompensiert sein wird.“ In der Branche sei viel Bewegung, was es für die Flughäfen nicht einfacher mache.

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Inzwischen seien fast alle Regional-Airlines verschwunden. „Und gerade diese Airlines hatten für Bremen immer einen wichtigen Stellenwert, da sie mit kleineren und mittelgroßen Flugzeugen auch Strecken bedienen konnten, die vom Fluggastaufkommen nicht einen A 320 oder eine Boeing 737 füllen.“ Dagegen hätten die internationalen Fluggesellschaften fast nur noch „großes Gerät“ im Einsatz, und wenn das ein Flughafen nicht mit Gästen füllen könne, biete die Airline diese Strecke nicht weiter an, da sich das dann nicht rechne.

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