Neun Fahrten täglich "Weser-Shuttle" ist in Bremen gestartet

Der Fährbetrieb zwischen Weserstadion und Landmark-Tower ist gestartet. Ansprechen wollen die Unternehmer um CDU-Spitzenkandidat und Neusta-Chef Carsten Meyer-Heder damit vor allem Pendler.
02.07.2018, 17:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn

Frühmorgendliche Stille am Fähranleger am Weserstadion, die Weser glitzert in der Sonne vor sich hin. Es ist kurz nach acht, als die "Alma" herantuckert und Kapitän Holger Wetzel sie nach einem kurzen Anlegemanöver – einen halben Meter zurück, wieder vor, dann wieder kurz zurück – einparkt. 104 Passagiere könnte die mit 90 Jahren schon ordentlich betagte Hal-över-Fähre aufnehmen, aber es sind weniger, die auf dem Steg warten: Knapp 20 Damen und Herren, die sich zur Hälfte in Vertreter der Unternehmen aufteilen, die die Idee einer Wasser-Verbindung zwischen Peterswerder und der Überseestadt wagen, die andere Hälfte sind Journalisten.

"Keine zahlenden Gäste an Bord", vermeldet dann auch Carsten Meyer-Heder, Spitzenkandidat der CDU für die kommende Bürgerschaftswahl und als Geschäftsführer vom Team Neusta die treibende Kraft hinter der Aktion, als sich die "Alma" um zwanzig nach acht in Bewegung setzt auf ihrer ersten Fahrt als "Weser-Shuttle". Dem Bremer an sich wird ja grundsätzlich eine gewisse Zurückhaltung im Umgang mit Unbekanntem nachgesagt, und dann ist es ja auch so, dass die neue Fährverbindung vorher nicht besonders groß beworben wurde.

Vier Monate Probe-Betrieb

Vier Monate haben die Bremer jetzt Zeit, das neue Projekt kennenzulernen, es anzunehmen – oder eben nicht. Ansprechen wollen die Unternehmer – neben Team Neusta sind Justus Grosse, die Zech Group, Hansewasser, Datenschutz Nord und Werder Bremen im Wortsinn mit im Boot – vor allem Pendler, die ihre Büros rund um den Landmark-Tower haben und die sich auf dem Hin- oder Rückweg dorthin über die Zeit ärgern, die sie im Stau stehen. Rund 250.000 Euro sollen in die Pilot-Phase fließen. "Wir gucken jetzt mal, wie sich das entwickelt", sagt Meyer-Heder. "Die Leute müssen mitkriegen, dass wir fahren."

Zwei Mal legt die "Alma" zwischen Weserstadion und Landmark-Tower an, am Martinianleger und in Höhe des GOP. Rund 40 Minuten dauert eine Fahrt – das ist einerseits lang gemessen an der Zeit, die man als einigermaßen geübter Radfahrer für die Sieben-Kilometer-Strecke braucht. Legt man andererseits die teils chaotischen Verkehrsverhältnisse zu Stoßzeiten in der Überseestadt zu Grunde, durch die man bis in die Innenstadt bis zu eine Stunde brauchen kann, relativiert sich die Fahrzeit wieder. Und, Hamburg-Kenner können das bestätigen: Es ist schon entspannend, mit einer Fähre, die Teil des öffentlichen Nahverkehrs ist, am Stau vorbeizutuckern.

Preis-Umfrage

Richtig Teil des ÖPNV ist das "Überseestadt-Bremen-Shuttle", so heißt es offiziell, allerdings nicht. Es besteht aber eine Kooperation mit dem Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen. Wer ein Einzelticket für vier Euro oder Hin- und Rückfahrt für 6,50 Euro kauft, kann damit drei Stationen vom oder auf dem Rückweg zum Anleger Bus und Straßenbahn fahren. Ein Monatsticket kostet 60 Euro. Ob die Preise zu hoch angesetzt sind, wird sich zeigen – "ja" urteilten gut 63 Prozent der User in einer Facebook-Umfrage des WESER-KURIER. Dass die Fähr-Tickets nicht direkt ins BSAG-System integriert sind, liege daran, erklärt Sprecher Jens-Christian Meyer, dass eine solche Umstellung eine ziemlich komplexe Angelegenheit sei. "Es gibt aber grundsätzlich die Überlegung, das zu ändern, wenn sich herausstellt, dass die Fähr-Verbindung eine ernst zu nehmende Variante ist. Wir finden, dass die Unternehmer Mut beweisen."

Es ruckelt noch hier und da auf dieser ersten Fahrt, beim Ablegen am Landmark-Tower, aber auch im übertragenen Sinn. Die "Alma" als Schiff ist nicht ideal, weil auf ihr keine Fahrräder mitgenommen werden dürfen, und mit zehn bis 18 Stundenkilometern ist sie auch nicht die Schnellste. Deshalb soll auch "Schiff 2" auf der Strecke eingesetzt werden. Die Taktungen im Fahrplan müssten im Idealfall dichter sein, aktuell sind es werktags neun Fahrten. Geplant ist, demnächst auch Haltestellen auf der Neustadt-Seite mit aufzunehmen. "Wichtig finde ich, dass wir jetzt mal anfangen", sagt Meyer-Heder. Den Fahrplan gibt es unter www.ueberseestadt-bremen-shuttle.de.

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