Ein Bremer überquert die Ozeane Wettsegeln um die ganze Welt

Der 36-jährige Christoph Tschernischen aus Bremen kreuzt derzeit mit einer internationalen Crew über alle Ozeane der Erde. Die nächste Station ist nun Kapstadt in Südafrika.
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Wettsegeln um die ganze Welt
Von Sara Sundermann

Segel raffen, Wache halten, auf Winde reagieren. Welche Ozeane er in den kommenden Wochen überqueren wird? „Eigentlich alle“, stellt Christoph Tschernischen fest. Insgesamt dreimal über den Atlantik, quer über den Indischen Ozean und auch durch den Pazifik. Der 36-jährige Bremer nimmt an einem Rennen teil, bei dem elf Segelyachten einmal den Globus umrunden. Normalerweise lebt Tschernischen in der Neustadt und beschäftigt sich beruflich mit Bilanzen: Er arbeitet bei Airbus als Leiter im Bereich Rechnungswesen. Doch nun hat er in seinem Sabbatjahr den Schreibtisch gegen das Leben an Bord getauscht.

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Das private britische Segelunternehmen Clipper Ventures organisiert das Rennen, bei dem Segel-Laien nach einem vierwöchigen Vorbereitungskurs in mehreren Etappen den Globus umsegeln. Ein Bewerbungsverfahren gibt es für die Crewmitglieder nicht. Am Ende wird addiert, wie lange Zeit jede Yacht für die Etappen benötigt hat und so das Gewinnerteam ermittelt. Auch unerfahrene Segler können teilnehmen, immer vorausgesetzt, sie bringen das notwendige Kleingeld mit: 50.000 Euro kostet die Teilnahme an allen Etappen, das Rennen dauert insgesamt fast ein Jahr. Christoph Tschernischen hat den Betrag bezahlt und sich für die Weltumsegelung eine berufliche Auszeit genommen. „Das Rennen passt zeitlich gerade so in mein Sabbatjahr hinein“, sagt er.

30 Meter hohe Wellen

Den 36-Jährigen reizte vor allem die sportliche Herausforderung: „Im Südpolarmeer, durch das wir noch kommen, gibt es bis zu 30 Meter hohe Wellen, das ist schon seglerisch fordernd“, sagt Tschernischen. Doch auch auf der ersten Etappe von Europa nach Uruguay hat er schon einiges erlebt: Bereits auf dem Ärmelkanal erlebte die Crew die ersten kräftigeren Winde mit starkem Wellengang: „Als wir über den Ärmelkanal gesegelt sind, waren schon 16 von 20 Leuten bei uns seekrank“, schildert Tschernischen. 45 Grad Schräglage an Bord sind inzwischen ganz normal: „Unter Deck ist man nur am Klettern“, beschreibt der 36-Jährige und lacht – er gehört zu den wenigen, die nicht seekrank werden.

Für Christoph Tschernischen ist die Segelei nicht neu: Schon als kleiner Junge segelte er auf der Unterweser, als Erwachsener lieh er sich Boote über Segelvereine aus und war gerne auf der Nordsee unterwegs. Nun kreuzt er statt auf Unterweser und Nordsee über die riesigen Weltmeere: Vier Wochen lang waren er und sein Team zuletzt auf hoher See um den Atlantik zu überqueren, mehr als 10.000 Kilometer weit. All das auf einer Spezialyacht, die er als „eine Art Performance Cruiser“ einordnet. Die Ausstattung an Bord sei sehr einfach: „Jeglicher Komfort fehlt, wir schlafen in Röhren-Kojen, von denen sich jeweils zwei übereinander und acht in einer Reihe befinden“, erzählt Tschernischen. „Duschen gibt es in dem Sinne nicht, man wäscht sich mit Salzwasser, und alle paar Tage gibt es einen Eimer Frischwasser aus unserer Entsalzungsanlage.“

Hinzu kommt schwere körperliche Arbeit: Das Großsegel zu bewegen ist ein Kraftakt, schildert Tschernischen – es wiegt 360 Kilo. Jeder aus der Crew, die aus Amerikanern, Briten, Neuseeländern, Deutschen und einer Finnin besteht, ist für feste Schichten an Bord eingeteilt. Aus dem Weg gehen kann man sich an Bord nicht, stellt der Bremer klar: Er habe es zwar richtig gut getroffen mit seinem Team – dennoch ist das permanente Zusammenleben auf engstem Raum für ihn die eigentliche Herausforderung.

Open-Air-Kino auf dem Atlantik

Winde und Wetter allerdings sorgen auch dafür, dass es an Bord nicht langweilig wird: Während Tschernischen und seine Mitsegler in der Nähe der Kapverdischen Inseln extreme Luftfeuchtigkeit und über 40 Grad Celsius erlebten, mussten sie zuletzt vor der Ankunft in Uruguay Gebiete mit extremen Winden durchqueren: „Wir hatten zum Teil Windstärke 7 bis 8 und kamen auf über 80 Knoten – ein Orkan beginnt bei etwa 60 Knoten“, schildert Tschernischen. „Es gab Momente, da ging es nur noch darum, irgendwie heile durch den Sturm zu kommen.“

Aufgewogen werden die Strapazen und Gefahren von den besonderen Momenten: Einer der schönsten Augenblicke auf See war für Tschernischen der Abend, als die Crew an Bord ein Open-Air-Kino mitten auf dem Ozean errichtete: Der Film, der – wie könnte es anders sein – natürlich vom Segeln handelte, wurde mit einem Beamer auf das größte Segel projiziert.

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Seine Freunde, Bekannten und Nachbarn aus der Bremer Neustadt verfolgten teils eifrig mit, wo Christoph Tschernischen und sein Team gerade stecken, erzählt er. Manche sprächen schon vom Suchtpotenzial beim gedanklichen Mitreisen. Die nächste Station ist nun Südafrika – dorthin geht es von Uruguay aus quer durch den südlichen Atlantik bis nach Kapstadt. Weitere Stationen gibt es in Australien, China und den USA. Das Rennen endet im August 2020 dort, wo es angefangen hat: in London.

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