Förderung von Wohnungsgenossenschaften

Wie Mieten in Bremen günstig bleiben sollen

Für langfristig günstige Mieten will Bremens rot-grün-roter Senat Wohnungsgenossenschaften fördern. 2,7 Millionen Euro sollen dafür in die Hand genommen werden.
27.10.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wie Mieten in Bremen günstig bleiben sollen
Von Pascal Faltermann
Wie Mieten in Bremen günstig bleiben sollen

Auf dem Gelände des Klinikums Mitte entsteht das neue Hulsberg-Viertel. Die Baugemeinschaft Karl baut dort ein Genossenschaftshaus.

studio b bremen

Mit 2,7 Millionen Euro will Bremens Senat Genossenschaften fördern, um mehr günstigen Wohnraum für alle Alters? und Bewohnergruppen zu schaffen. Das geht aus einer Vorlage für die Sitzung des Senats am Dienstag hervor. Die Koalitionäre von SPD, Grünen und Linken haben sich darauf bereits verständigt. Vorgesehen sind in dem Förderprogramm zwei unterschiedliche Wege, durch die es entweder bis zu 40.000 Euro oder in der reduzierten Version 15.000 Euro pro Wohnung jeweils an Zuschüssen gibt.

„Ich bin positiv überrascht über diese großzügige Förderung. Das schafft einen Mehrwert für die Stadtgemeinschaft“, sagt Falk Wagner, baupolitischer Sprecher der SPD. „Das Modell gibt es schon länger und wird gerade wiederentdeckt. Und es war irre überfällig“, sagt Robert Bücking, baupolitischer Sprecher der Grünen. So steht der Ansatz bereits in Bremens Landesverfassung: „Genossenschaften aller Art und gemeinnützige Unternehmen sind als Form der Gemeinwirtschaft zu fördern“, heißt da. Das wurde von den Regierungsparteien im Koalitionsvertrag wieder aufgenommen.

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Genossenschaften zählen neben den landeseigenen Wohnungsbauunternehmen zu den eher wenigen Anbietern von günstigen Wohnungen in Bremen. Die erste bekannte Neugründung als Reaktion auf steigende Mietpreise ist in Bremen die 2016 gegründete Stadtteilgenossenschaft Hulsberg, die auf dem Ellener Hof das Casa-Colorida-Wohnprojekt baut. Solidarisches Wohnen als ein Mittelweg zwischen Miete und Eigentum plant auch die Genossenschaft Karl mit ihrem Bauprojekt im neuen Hulsberg-Viertel. „Durch die Förderung solcher Projekte halten wir die Preise bei Sahnestücken wie dem Hulsberg-Quartier für alle niedrig“, sagt Wagner. Ähnlich sieht es Bücking: „Es ist eine gute Entwicklung, diese Player können den Wohnungsmarkt aufmischen.“

Der erste Förderweg sieht vor, dass es drei Mietpreissegmente geben soll, die sich wie folgt darstellen: 30 Prozent der Wohnungen müssen sozial geförderte Wohnungen sein mit einer Höchstmiete von monatlich 6,80 Euro je Quadratmeter. Weitere etwa 30 Prozent der Wohnungen sollen sich in einem mittleren Mietpreissegment von acht bis neun Euro pro Quadratmeter bewegen. Beides soll für 40 Jahre bindend sein. Die weiteren etwa 40 Prozent der Wohnungen sollten dann einen Miet-Richtwert je nach Lage in der Stadt von zehn bis elf Euro pro Quadratmeter monatlich nicht übersteigen.

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Dafür besteht dann keine zeitliche Bindung. Weitere Förderbedingungen sind eine energieeffiziente Bauweise und angesiedeltes Gewerbe im Erdgeschoss, um das Quartier nachhaltig zu entwickeln. Zudem sollen unterschiedliche Haushaltstypen und verschiedene Wohnungsgrößen geschaffen werden. Die Bremer Aufbau-Bank soll all das überprüfen und dann mit bis zu 40.000 Euro je Wohneinheit fördern. Den reduzierten Zuschuss bekommen Genossenschaften, die diese Kriterien nicht erfüllen.

Die Förderung richtet sich an Genossenschaften, die frühestens 2016 gegründet wurden, und solche, die sich in Gründung befinden. Finanziert werden soll dieses Programm mit Mitteln aus dem sogenannten Auffangtopf, der Mittel für Investitionen zurückhält, die zum Zeitpunkt der Haushaltsaufstellung noch nicht absehbar waren.

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Zur Sache

Wohnungsgenossenschaften

Wie das Wohnen in einer Genossenschaft aussieht, entscheiden die Mitglieder selbst. Das Prinzip ist einfach: Die Eigentümer der Wohnungen sind nicht die Mitglieder, sondern immer die Genossenschaft, deshalb haben alle gemeinsam das Sagen. Das Miteigentum der einzelnen Mitglieder bezieht sich damit nicht auf die genutzte Wohnung, sondern auf das Wohnungsunternehmen.

Ziel der Wohnungsgenossenschaften ist es, die Mitglieder mit preisgünstigem Wohnraum zu versorgen. In Deutschland gibt es mehr als 2000 Baugenossenschaften, die mehr als zwei Millionen Wohnungen verwalten und etwa drei Millionen Mitglieder haben. Manche Genossenschaften sind über hundert, einige erst wenige Jahre alt.

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