Serie Bremer Institutionen: Teil 6

Bremer Stadtreinigung: Saubere Organisation

Vom Namen kennt jeder Bremer große Institutionen wie die Arbeitnehmerkammer, die Gewoba oder die SWB. In dieser Serie erklären wir, wie sie aufgebaut und was ihre Aufgaben sind.
11.05.2020, 07:30
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Stadtreinigung: Saubere Organisation
Von Timo Thalmann
Bremer Stadtreinigung: Saubere Organisation

Denkt man an die Bremer Stadtreinigung, fällt einem zuerst die Müllabfuhr ein. Doch das Unternehmen hat noch mehr Aufgaben als die Abfalllogistik.

Frank Thomas Koch

Es ist eine Geschichte, die wohl schwer aus den Köpfen der Bremer zu bekommen ist. „Der Hausmüll kommt nicht auf die Blockland-Deponie. Das ist schon lange nicht mehr erlaubt“, sagt darum Insa Nanninga vom Vorstand der Bremer Stadtreinigung (DBS) mit Nachdruck. Schon seit 1969 finden vor allem Bauschutt, Schlacken, Strahlsande und Asbest auf dem Berg ihre letzte Ruhe. Was die Stadtreinigung dagegen in ihren rund 192.000 Restabfalltonnen einsammelt, kommt zur Müllverbrennungsanlage.

Erst seit 2018 bildet Nanninga gemeinsam mit Daniela Enslein die Doppelspitze der Stadtreinigung. Länger existiert das Unternehmen in dieser Form auch noch nicht. Es ist als Anstalt öffentliche Rechts eine politisch geschaffene Konstruktion. Nachdem der örtliche Entsorger Nehlsen 20 Jahre lang für Müllabfuhr und Straßenreinigung zuständig gewesen war, hatte die rot-grüne Koalition beschlossen, das Geschäft mit dem Müll wieder in kommunaler Regie zu betreiben. Dafür wurde die DBS gegründet.

630 Mitarbeiter

Allerdings ist Nehlsen nach wie vor beteiligt. Denn unter dem Dach der DBS organisieren zwei formal eigenständige Unternehmen die Hauptarbeit. Das ist für die Müllabfuhr die Abfalllogistik Bremen GmbH und für saubere Straßen sorgt die Straßenreinigung Bremen GmbH. Die DBS hält einen Anteil von 49,9 Prozent an den beiden Gesellschaften, Nehlsen den jeweiligen Mehrheitsanteil. Insgesamt 630 Mitarbeiter sind bei der Stadtreinigung beschäftigt, davon rund 400 in den beiden Beteiligungsgesellschaften

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Foto: Grafik Weser Kurier

Die neue Struktur ist das Sicht von Enslein eine Vereinfachung. „Die von uns heute angebotenen Leistungen waren zuvor auf sieben verschiedene Unternehmen aufgeteilt“, sagt die Betriebswirtin. Allein vier Firmen seien mit den 16 Bremer Recyclingsstationen befasst. „Das alles unter einem Dach zusammenzuführen, war schon ein Kraftakt“, sagt auch Nanninga. Sie verweist dabei in erster Linie auf die unterschiedlichen Unternehmenskulturen. „Auf der einen Seite gabe es kleine private Firmen, die zum Beispiel nur eine Recyclingstation betrieben haben, auf der anderen Seite Teile des städtischen Umweltbetriebs, die heute zu uns gehören.“ Die Spanne habe darum von sehr formalisierten Arbeitsabläufen bis zu einer eher hemdsärmeligen Arbeitsweise gereicht. „Dazu kamen unterschiedliche IT-Systeme sowie Arbeits- und Tarifverträge.“ Das alles sollte vereinheitlicht werden und zugleich musste und sollte die DBS vom ersten Tag an arbeitsfähig sein. Dass die Müllabfuhr einfach eine Weile ausbleibt, weil das Unternehmen mit sich selbst beschäftigt ist, war verständlicherweise keine Option.

Deponie mit überregionaler Bedeutung

Neben Müllabfuhr und Straßenreinigung, zu der übrigens auch der Winterdienst gehört, hat die DBS noch einige weitere Aufgaben im Portfolio, wie eben die eingangs erwähnte Blocklanddeponie, zu der auch mehrere Windräder und eine Solaranlage zählen. Die Deponie bewegt sich allerdings langsam auf das Ende ihres aktiven Betriebs zu. An einem Ende des Berges haben bereits umfangreiche Arbeiten zur Stilllegung begonnen. Am anderen Ende wird aber noch ein neuer Deponieabschnitt errichtet. Mit ihrem aktuellen jährlichen Zuwachs von 230.000 Tonnen hat die Deponie weit über Bremen hinaus Bedeutung. Zum Vergleich: Die Menge des Restmülls in der Stadt betrug 2019 gut 91.000 Tonnen. Der Sperrmüll, für den die Stadtreinigung ebenfalls zuständig ist, umfasste knapp 25.000 Tonnen.

Weitaus kleinere Mengen kommen dagegen durch Altpapier, Textilien, Glas und Elektrogeräte zusammen. Nicht nur die Recyclingstationen sorgen hier für die Wiederverwertung, sondern auch ein Netz von fast 280 Containerstationen, die in der ganzen Stadt verteilt sind. Auch für die mehr als 3500 öffentlichen Abfallbehälter zum Beispiel an Busstationen und in den städtischen Grünanlagen ist die Stadtreinigung zuständig. Und schließlich sind da noch die öffentlichen Toiletten als Betriebszweig der DBS. Weil das nicht allzuviele sind, hat das Unternehmen das 2009 von der Bremer Umweltbehörde gestartete Projekt „Nette Toilette“ adoptiert und kooperiert mit rund 100 Gastronomiebetrieben und Einzelhändlern, die dabei ihre Toiletten gegen eine kleine Entschädigung der Allgemeinheit zur Verfügung stellen.

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Darüber hinaus engagiert sich die Stadtreinigung bei der Umweltbildung. Sie bietet Schulen etwa einen Lernkoffer an, mit dem Kinder und Jugendliche an den richtigen Umgang mit Abfällen herangeführt werden. Über 800 Teilnehmer nutzten 2019 die sogenannte Tour de Müll und besichtigten das Müllheizkraftwerk, die Blocklanddeponie und die Kompostierungsanlage.

Ein besonderes Augenmerk will man auf die Altpapiersammlung richten. „Die Papierbündel haben in einigen Stadtteilen inzwischen eine Form angenommen, die für unsere Mitarbeiter schwierig wird und auch das Stadtbild beinträchtigt“, sagt Enslein. Darum wolle man eine Kampagne für mehr blaue Tonnen starten. „Vielen ist wohl nicht bekannt, dass man die völlig kostenlos erhalten kann.“

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Foto: Grafik Weser Kurier

Info

Zur Sache

50 Prozent Frauenanteil

Die Bremer Stadtreinigung ist nicht nur die erste Anstalt öffentlichen Rechts in der Stadtgemeinde Bremen, im Vergleich zu anderen Bremischen Gesellschaften und Unternehmen der Entsorgungswirtschaft ist der Frauenanteil bei den Führungskräften mit rund 50 Prozent außergewöhnlich hoch.

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