Internationaler Tag der Pflege Neue Aufgaben, neue Ziele

Die Krankenpflege verändert sich nicht erst seit der Corona-Krise. Eine Wissenschaftlerin erklärt, welche Probleme die Branche hat und wie sie sich künftig verändern wird.
12.05.2020, 13:18
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Neue Aufgaben, neue Ziele
Von Lisa-Maria Röhling

Nicht erst seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie vor der schwierigen Frage, ob sie die von Nightingale vorangetriebene Fürsorge zugunsten der reinen medizinischen Versorgung ­auslassen müssen. „Die Idee, dass Pflegende das Wohlbefinden und die Gesundheit der Menschen ­genauso wie ihre Persönlichkeit mit ihrer Fürsorge stärken, ist fester Bestandteil der Ausbildung“, sagt Monika Habermann, Professorin für Pflege- und Gesundheitswissenschaft an der Hochschule Bremen.

Die Realität des Pflegeberufes mache das aber immer schwieriger: Durch Personalengpässe falle die Fürsorge immer öfter hinten runter, weil nur Zeit für das Nötigste sei. Das führe oft zu extremen Reaktionen der Pflegenden: Einige wendeten sich von ihrem Job ab, weil sie ihre Aufgaben nicht mehr angemessen erfüllen können, und andere passten sich resigniert an, um sich damit auch selbst zu schützen.

Allerdings hat sich aus Sicht der Expertin in den vergangenen Jahren einiges verändert: Es sei inzwischen wissenschaftlich nachgewiesen, dass Pflegende, die nah an Ärzten arbeiten, ein hohes Ansehen genießen, sagt Habermann. Mehr Wertschätzung mit besserer Bezahlung zu erreichen, wie sie in diesen Tagen vermehrt diskutiert wird, greift der Wissenschaftlerin zu kurz: „Die Bezahlung ist nur ein Aspekt, das Hauptthema ist die Anerkennung der Arbeit.“ Für sie bedeutet das: Das Arbeitsumfeld müsse sich so verbessern, dass die Aufgaben leistbar seien und Pflegekräfte in ihrem Arbeitsalltag die Chance haben, Pflegestandards einzuhalten. „In der aktuellen Mangelsituation bleibt vielen nichts anderes übrig, als das Schlimmste zu verhindern.“

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Das kann aus Habermanns Sicht mit einer besseren politischen Lobby für die Pflege erreicht werden. Zudem hält sie es für geboten, dass die Ökonomisierung der Pflege, die in den vergangenen Jahren das Ansehen des Berufsstandes auch geschmälert hat, entschieden zurückgeschraubt wird.

Und nicht nur der Pflegeberuf, auch die Aus- und Weiterbildung hat sich aus Sicht von Habermann entschieden verändert: Sie verlagere sich in Teilen an Hochschulen, um so das Prestige des Berufes zu erhöhen, auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu arbeiten und eine höhere Anerkennung zu erzielen. „So ist eine Arbeit auf Augenhöhe, beispielsweise im Klinikalltag, möglich.“ Eine wissenschaftliche Ausbildung könne für mehr Selbstbewusstsein des Personals sorgen, gleichzeitig aber auch die kommunale Pflegeversorgung voranbringen.

Das zeige der Blick nach Großbritannien: Seit einer Pflegereform in 2002 sei es dort gängig, dass Pflegekräfte Rezepte ausstellen oder auch spezifische Aufgaben von Ärzten in Praxen vertreten. Langfristig wünscht sich Habermann so eine Entwicklung auch für Deutschland: „Das Ziel ist, ungefähr mindestens ein Fünftel jedes Abschlussjahrgangs zu akademisieren“, sagt sie. Bremen sei in dieser Hinsicht Spitzenreiter, allerdings fehlten bundesweit Studienplätze.

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